Aktuell

Kupfer bleibt im Ökolandbau unverzichtbar

(18.12.2014) Der Einsatz von Kupfer bleibt im Ökolandbau unverzichtbar. Die Aufwandmengen können aber nahezu in allen Kulturen niedrig gehalten werden. Um den Kupfereinsatz dauerhaft zu verringern, ist jedoch unter anderem die rasche Wiederzulassung bewährter Präparate wünschenswert, die in Kombination mit Kupfermitteln eingesetzt werden können. Dieses Fazit haben Wissenschaftler und Berater beim Fachgespräch "Kupfer als Pflanzenschutzmittel" gezogen, das Ende November vom Julius-Kühn-Institut (JKI) und vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) in Berlin durchgeführt wurde. Im Fokus standen die Ergebnisse der Kupferminimierungsstrategie, auf die sich ökologische und konventionelle Anbauverbände in Absprache mit der Politik geeinigt haben. Ziel ist es, die eingesetzten Kupfermengen durch praxisnahe Forschung konsequent zu reduzieren. Sowohl im Kartoffelanbau, als auch im Bereich der Sonderkulturen Wein und Obst lässt sich verschiedenen Stimmen nach eine positive Zwischenbilanz ziehen: Im Schnitt sei eine Reduktion des Kupfereinsatzes entsprechend der Zielvorgaben realistisch. Um jedoch nach wie vor auf witterungsbedingten Pilzdruck flexibel reagieren zu können, wurde der Wunsch nach einem auf mehrere Jahre angelegtes Kupferkonto laut.

IFOAM und bioC erstellen globales Biozertifikatverzeichnis

(17.12.2014) In Kooperation mit der Internationalen Vereinigung ökologischer Landbaubewegungen (IFOAM) hat die bioC GmbH verangene Woche beschlossen, ein globales Verzeichnis von Biozertifikaten aufbauen. Das Verzeichnis erlaube Nutzern den Echtzeitzugang zu Biozertifikaten, die von Zertifizierungsstellen als authentisch bestätigt wurden. Mit Hilfe des Systems könne Betrug durch Fälschungen verhindert werden. Gleichzeitig verfolgten die Kooperationspartner das Ziel, Zertifizierungsprozesse zu rationalisieren und die Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit von Zertifikaten weltweit zu erhöhen. Derzeit seien bereits mehr als 60 000 Zertifikate online verfügbar. Durch Hinzunahme weiterer Länder und Zertifizierungsstellen im Verzeichnis werde dieses kontinuierlich erweitert mit dem Ziel, gesicherte Zertifizierungsinformationen sowie die effiziente Möglichkeit der Statusverifizierung von Lieferanten weltweit verfügbar zu machen. IFOAM sieht dieses Projekt als Meilenstein für die Bio-Bewegung und legt allen Zertifizierungsstellen, Produzenten, Händlern und Ländern nahe, sich ebenfalls zu beteiligen.

EU-Öko-Verordnung: EU-Rat gibt Startschuss für Weiterentwicklung

(16.12.2014) In seiner gestrigen Sitzung hat der EU-Agrarrat ein unverbindliches Orientierungspapier zum Vorschlag der EU-Kommission zur Revision der EU-Öko-Verordnung befürwortet. Für Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), ist der Verordnungsvorschlag im Rat damit durchgefallen. Mit ihrer Ablehnung würden Europas Landwirtschaftsminister in dasselbe Horn stoßen, das auch von Bundesrat, Bundestag, Regierungsfraktionen und der gesamten deutschen Biobranche geblasen wird. Für Agrarkommissar Phil Hogan gebiete es nun die Vernunft, den Kommissionsvorschlag schnellstmöglich zurückzuziehen, den er selbst zu Beginn der Ratssitzung als unannehmbar bezeichnet hat. Hogan könne dann einen Entwurf vorlegen, in dem die bewährte Rechtsgrundlage der bestehenden EU-Öko-Verordnung weiterentwickelt werde.

Experten fordern mehr Innovation und vielfältige Ansätze
für eine 100-Prozent-Biofütterung

(09.12.2014) Ende November fand in Fulda eine Fachtagung zum Thema 100-Prozent-Biofütterung von Schweinen und Geflügel statt. Für die erfolgreiche Umsetzung dieses Vorhabens sei ein "Strauß an Maßnahmen" erforderlich, so der Verbund Ökologische Praxisforschung (V.Ö.P). Es wurde darauf hingewiesen, dass Biofuttermittel von 2018 an keine konventionellen Komponenten mehr enthalten dürften. Da Maiskleber und Kartoffeleiweiß als hochwertige Eiweißträger in Bioqualität nicht in ausreichenden Mengen zur Verfügung stünden, seien Alternativen für die Fütterung von Monogastriern gefragt, erklärte der VÖP. Lösungswege hierzu gebe es beispielsweise im Anbau heimischer Körnerleguminosen und Soja. Auch hinsichtlich der Gestaltung von Futterrationen gebe es Ansätze. Je vielseitiger eine Ration gestaltet ist, desto lieber fressen die Tiere das Futter. Dr. Thomas Willke vom Thünen-Institut (TI) für Agrartechnologie zufolge geht es für Biolandwirte vor allem darum, die geringen Gehalte der Aminosäure Methionin in den meisten Futtermitteln zu kompensieren. Das durch Fermentationsprozesse gewonnene Bakterieneiweiß könnte mit seinen besonders günstigen Aminosäuremustern ein Baustein sein, um Imbalancen in den Rationen auszugleichen. Ende des Jahres soll ein Dossier zu den Perspektiven der 100-Prozent-Biofütterung veröffentlicht werden, das dann auch online eingesehen werden kann.

Studie: Folgen des Fleischkonsums fürs Klima müssen ins Bewusstsein rücken

(05.12.2014) Eine Reduzierung des weltweiten Fleischkonsums ist notwendig, um die globale Erwärmung zu stoppen. Doch mangelndes Bewusstsein für die Emissionen aus der Tierhaltung könnte den Kampf gegen den Klimawandel behindern, warnt ein neuer Bericht des britischen Thinktank Chatham House. Die Viehwirtschaft verursacht mehr Emissionen als der gesamte Transportsektor - welchen jedoch einer Umfrage in 12 Ländern zufolge 64 Prozent der Befragten für den Hauptklimasünder hielten. Nur 29 Prozent betrachten dagegen die Tierhaltung als wichtigste Emissionsquelle. Dennoch verfolgen Regierungen und Umweltorganisationen nur zögerlich Maßnahmen zur Änderung des Konsumverhaltens, da sie Angst vor einer Gegenreaktion der Verbraucher haben, so die Analyse. Das größte Potenzial zur Änderung der Ernährungsgewohnheiten sei in den Schwellenländern vorhanden: Vor allem Befragte in Brasilien, China und Indien zeigten Verständnis für den Zusammenhang zwischen Fleischkonsum und Klimawandel und signalisierten eine höhere Bereitschaft, ihr Verhalten anzupassen, als Verbraucher in den USA oder Großbritannien. Dies sei ermutigend, da gerade diese Länder künftig die Nachfrage nach Fleisch und Milchprodukten bestimmen werden.

Bündnis 90/Die Grünen für Neuausrichtung der Landwirtschaft

(04.12.2014) Die Grünen streben eine grundlegende Wende in der Agrarpolitik an. Man wolle "weg von der Exportorientierung, hin zu einer auf Qualität, Vielfältigkeit und lokale Erzeugung ausgerichteten Landwirtschaft". Im Mittelpunkt stehen dabei die Menschen und die Natur, wie es in einem vergangene Woche veröffentlichten Beschluss heißt. Ein besonderes Augenmerk legt Bündnis 90/Die Grünen auf eine Neuausrichtung der Tierhaltung. Man wolle "alle Subventionen und Ausnahmen für die Massentierhaltung streichen". Stärker unterwerfen will die Partei die Landwirtschaft der Klimagesetzgebung. Ziel sei eine "postfossile" Landwirtschaft, "die in möglichst geschlossenen Kreisläufen arbeitet, energieaufwendige Transporte minimiert und vorrangig mit regional verfügbaren natürlichen Ressourcen wirtschaftet ". Umbauen wollen die Grünen außerdem die europäische Förderpolitik. Anstatt die großen Betriebe nach dem Gießkannenprinzip zu begünstigen, müsse man dem Strukturwandel entgegenwirken, um die Vielfalt der landwirtschaftlichen Betriebe zu erhalten.

Schwedische Forscher wollen Hühner mit Termiten füttern

(03.12.2014) Mit speziell für die Tierfütterung gezüchteten Termiten wollen schwedische Forscher vom Institut für Agrar- und Umweltingenieurwissenschaften (JTI) in Uppsala den Proteinbedarf von Nutztieren decken. Auf diese Weise soll die Abhängigkeit des skandinavischen Landes von Importeiweiß gesenkt werden. Nach Angaben von AgraEurope sollen die Insekten im Rahmen des Vorhabens auf Lignozellulose aus Forstabfällen kultiviert und als eiweißreiches Futter an Masthühner und Legehennen verfüttert werden. Die Erzeugung von Hühnerfutter aus Insekten auf der Grundlage von Holz ist nicht die erste innovative Idee der Forscher aus Uppsala. Laut JTI untersuchen sie in dem Projekt "Wood2Food" auch die Zucht von Pilzen auf Holzresten, die als Futter in der Fischzucht verwendet werden sollen.

Karl-Werner Kieffer-Preis für Albert Fink

(01.12.2014) Mit einem Festakt im historischen Hambacher Schloss wurde Albert Fink, Mitgründer der GLS Bank am vergangenen Samstag von der Stiftung für Ökologie & Landbau für seine Verdienste um den ökologischen Landbau mit dem Karl-Werner-Kieffer-Preis geehrt. Seine Begrüßungsansprache vor knapp 200 Gästen begann Dr. Thomas Griese, Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten Rheinland-Pfalz, mit einem Zitat von Antoine de Saint-Exupery: "Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen." Damit beschrieb er treffend die Leistungen Albert Finks: Als Mitgründer der Bochumer GLS-Treuhand und GLS Bank hatte Fink durch seinen Einsatz für neuartige Finanzierungsformen zahllosen Biolandwirten zu einer Existenz verholfen und dem Ökolandbau neue Impulse gegeben. Bis heute sorgen eigene landwirtschaftliche Fonds bei der Bochumer Treuhand und GLS Bank dafür, dass Boden zu günstigen Bedingungen für eine biologische Bewirtschaftung zur Verfügung gestellt werden kann.

SPD-Bundestagsfraktion will die Ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft stärken

(20.11.2014) Mit einem "Zukunftsplan Öko" will die SPD-Bundestagsfraktion dem ökologischen Landbau in Deutschland neue Impulse geben, heißt es in einem Positionspapier, das vergangene Woche verabschiedet wurde. Da es bislang keine einheitliche und auf Dauer angelegte Strategie zur Förderung der ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaf in Deutschland gebe, will man sich auf SPD-Seite für eine bessere Koordinierung unterschiedlicher Fördermaßnahmen einsetzen. Ziel einer solchen Strategie müsse "mehr Bio auf heimischen Äckern und in der Ladentheke" sein. Um dies zu erreichen solle der Forschungsbedarf in der Pflanzen- und Tierzucht stärker an den Besonderheiten des Ökolandbaus ausgerichtet werden. Weiter sprechen sich die Sozialdemokraten dafür aus, den ökologischen Landbau in den Lehrplänen der "grünen" Berufe zu verankern und das öffentliche Beschaffungswesen der Bundesverwaltung zu nutzen, um den "qualitativ hochwertigen, regional produzierten" ökologischen Lebensmitteln den Weg in die öffentlichen Kantinen zu erleichtern. Der ökologische Landbau sei das nachhaltigste Produktionssystem, dessen Ausweitung auf 20 Prozent an der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche das erklärte Ziel sei.

Wettbewerb Ökolandbau-Regionen in Hessen ausgeschrieben

(18.11.2014) Die hessische Landwirtschaftsministerin Priska Hinz hat vergangene Woche den Wettbewerb "Ökolandbau-Modellregionen-Hessen" ausgeschrieben. Mit dieser Initiative soll das ökologische Bewusstsein in der Landbewirtschaftung und beim Konsum weiterentwickelt werden. Erreicht werden sollen insbesondere die Akteure in den Bereichen Regionalentwicklung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, sowie LEADER-Regionen, Gemeindeverbände und Landkreise in Hessen. Verbessert werden sollen vorrangig regionale Wirtschaftskreisläufe. Das Ministerium hat hierfür einen Kriterienkatalog erarbeitet. Dabei wird unterschieden in die Bereiche Landwirtschaft/Verarbeitung, Tourismus/Gastronomie sowie Verbraucherverhalten/Umweltbildung. Die Preisträger erhalten für die Umsetzung ihrer Konzepte eine Personalkostenunterstützung. Bewerbungsschluss ist der 28.02.2015, der Zuschlag erfolgt frühestens Ende März.

Bio&faire Wertschöpfungsketten in Regionen

(11.11.2014) Viele Forschungsstudien kommen zu dem Ergebnis: Regionalität und Ökologie steht bei den Verbrauchern ganz oben auf der Agenda. Konsumenten honorieren einen sinnvollen regionalen und ökologischen Nutzen – ideell und mit der Bereitschaft, einen Mehrpreis für die Lebensmittel zu zahlen. Doch ist Bio&Fair&Regional überhaupt machbar? Ja - und genau das möchte der BioFairVerein mit seinem neuen Projekt "Bio&faire Wertschöpfungsketten in Regionen" aufzeigen. Den Anfang macht der Bio&Regio-Blog. Hier wird über regionale Projekte aber auch kleine Erlebnisse am Rande der Recherchearbeiten berichtet. Mitte 2015 wird dann eine Microsite freigeschaltet, auf der Verbrauchern Bio&Fair&Regionale Ansätze anschaulich dargestellt werden. Das Projekt wird gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft im Rahmen des Bundesprogramm ökologischer Landbau und anderer Formen nachhaltiger Landnutzung.

BfN will Agrobiodiversität stärker fördern

(04.11.2014) Zur Wertsicherung der biologischen Vielfalt in der Landwirtschaft hat das Bundesamt für Naturschutz (BfN) eine Umschichtung von Agrarfördermitteln gefordert. Der Finanzbedarf für eine biodiversitätsfreundliche Landbewirtschaftung dürfte in Deutschland zwischen 1,1 Mrd Euro und 3,2 Mrd Euro pro Jahr liegen. Das entspräche 12-40 Prozent der gegenwärtigen Ausgaben der Agrarpolitik von jährlich etwa acht Milliarden Euro. Aufgrund von Zahlungsbereitschaftsanalysen und der Wertschätzung der Bevölkerung für eine vielfältige Landschaft geht das BfN davon aus, dass eine solche Umschichtung von Agrarfördermitteln auf eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung treffen würde. Immer mehr Menschen werde beispielsweise der volkswirtschaftliche Nutzen von Bienen bewusst oder dass Agrobiodiversität nicht nur die künftigen Lebensgrundlagen des Menschen sichere, sondern einen breiten Genpool zur Verfügung stelle, der mehr Potenzial biete als heutzutage erkennbar sei. Klar sei jedoch, dass die Agrobiodiversität nur mit Unterstützung aller Beteiligten aus Landwirtschaft und Naturschutz, Politik und Verwaltung, Wissenschaft und Praxis sowie den Verbrauchern erhalten werden kann.