Tagung: Biointensive Landwirtschaft, Marketgardening, Microfarming

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Datum: 19.-20. November 2018
Ort: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Veranstalter: Stiftung Ökologie & Landbau (SÖL), Öko-Junglandwirte Netzwerk, Gustav-Radbruch-Netzwerk für Philosophie und Ethik der Umwelt

Referenten:

  • JEAN-MARTIN FORTIER und MAUDE-HÉLÈNE FORTIER (zugesagt)
    « The Market Gardeners », Ferme de la Grelinette, Kanada
  • RICHARD PERKINS (angefragt)
    Gründer von Europas nördlichster Permakulturfarm Ridgedale Farm, Schweden
  • MAXIME DE ROSTOLAN (angefragt)
    Gründer des Netzwerks „Fermes d’avenir“, Frankreich

Format: Vorträge, Workshops und Raum zum Austausch und zur Vernetzung

>>Anmeldung ab August 2018 auf dieser Seite!<<

Hintergrund

Diverse Krisen auf ökologischer, ökonomischer, sozialer und psychologischer Ebene zeigen deutlich den Handlungsbedarf der Entwicklung neuer Modelle um eine lebenswerte Zukunft zu gestalten. Nicht mehr zu ignorierende Warnsignale zeigen sich u.a. im wachsenden Ungleichgewicht zwischen Stadt und Land, in dem sich zuspitzenden Klimawandel, dem bedrohlichen Artensterben und der fortschreitenden Bodendegradation, dem Höfesterben, in der Zunahme von chronischen Zivilisationskrankheiten und nicht zuletzt in der steigenden Zahl von Burnout-Erkrankungen.

Seit ein paar Jahren entstehen weltweit neue landwirtschaftliche Modelle, welche durch ihren systemischen Ansatz beeindruckende Effekte aufweisen. Sie nennen sich Market Gardening, Biointensive Landwirtschaft oder Mikrofarms und sind inspiriert von agrarökologischen und permakulturellen Denkweisen. Anstatt in die Größe zu wachsen, werden die Kulturflächen, gerade im Gemüsebau, kleiner und intensiver und dadurch um ein Vielfaches produktiver. Voraussetzung für ein Funktionieren dieses intensiven Anbausystems ist eine perfekte Bodenstruktur und -fruchtbarkeit. Solche Betriebe können - entgegen der Logik der Skaleneffekte - sogar produktiver und rentabler sein als größere Betriebe, so das Ergebnis einer Doktorarbeit. Diese Konzepte widerlegen somit erstmalig das bisher gültige landwirtschaftspolitische Paradigma "Wachse oder Weiche". Sie sind ökonomisch rentabel, ökologisch wertvoll und sozial wertschätzend.

Obgleich der Unterschiedlichkeit der einzelnen Konzepte lassen sich folgende Gemeinsamkeiten identifizieren:

  • geringe Investitions- und Produktionskosten (keine großen landwirtschaftlichen Maschinen, wenig Erdölbedarf, kleine Anbaufläche)
  • Verwendung von traditionellen und Erfindung von neuen, an den Menschen angepassten Werkzeugen und Arbeitsabläufen, welche eine vergleichsweise geringe körperliche Belastung aufweisen („human-scale“) und sehr effizient sind
  • Erzeugung von biologischen Lebensmitteln bei gleichzeitiger Förderung der Biodiversität und der Bodenfruchtbarkeit durch agrarökologische und permakulturelle Praktiken (Mischkultur, breite Fruchtfolge, geringe Bodenbearbeitung, dauerhafte Bodenbedeckung, Verwendung samenfester Sorten, etc.)
  • Förderung der lokalen Wertschöpfung durch Direktvermarktung oder als Solidarische Landwirtschaft
  • An den Menschen angepasste Betriebsgröße, basierend auf der Implementierung natürlicher Ökosystemprozesse.

Diese Höfe existieren bisher hauptsächlich im englisch- und französischsprachigen Raum. Es ist an der Zeit, diese Form wirtschaftlicher Zukunft auch in Deutschland bekannt zu machen und gemeinsame Strategien für eine kleinbäuerlich-ökologische Agrarwende zu entwickeln.

Nach den Erfahrungen und den Rückmeldungen einer Tagesveranstaltung in 2017 ist für Herbst 2018 ein zweitägiges Format geplant, das den Raum zur notwendigen Vernetzung und des Austausches untereinander ermöglichen soll.

Ansprechpartner

Manuel Nagel
Trainee

06322/98970-229
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