Ein Freiwilliges Ökologisches Jahr...

... im Bauernhof-Waldkindergarten auf Gut Hohenberg

Persönliche Eindrücke – von Lèontine Collin

Unsere französische FÖJlerin ist seit Mitte 2019 im Bauernhof-Waldkindergarten auf Gut Hohenberg. Hier erzählt sie von ihren Erlebnissen, ihren Erfahrungen und wie sie sich mit Begeisterung, Freude und Leidenschaft ihrer Aufgabe gestellt hat.

"Es sind jetzt schon 5 Monate blitzschnell vergangen, seitdem ich in Queichhambach angekommen bin um mein einjähriges FÖJ am Bauernhof zu absolvieren. Ich bin Léontine und komme aus Frankreich. Ich bin im Elsass groß geworden und habe auf einer zweisprachigen Schule Deutsch gelernt. Ich bin jetzt 22 Jahre alt und habe die vier letzten Jahre Psychologie in Heidelberg studiert. Nach dem Erwerb meines Bachelors diesen Sommer habe ich mich entschieden ein neues Abendteuer zu starten: ein Jahr lang am Hof wohnen und in einem Waldkindergarten arbeiten. Der Bezug zur Natur sowie Ökologie und dem Verlauf der Landwirtschaft sind in meinem Leben in den letzten Jahren sehr wichtig geworden und mein Ziel war irgendwann mal näher in Kontakt mit der Natur und der Landwirtschaft sein zu können. Und so bin ich mit meinem Rucksack im August auf Gut Hohenberg im Triefelsland angekommen.

Hier sieht alles wie in einem Märchen aus: runde Bergen, hohe Burgen, breite Wiesen und bunte Wälder. Und Mitten in dieser traumhaften Landschaft findet man das Gut-Hohenberg. Und es ist kein gewöhnlicher Hof, denn hier rennen, egal ob es stürmt, schneit oder die Sonne scheint überall glückliche Kinder rum. Auf dem Hof begegnet man verschiedensten Menschen und Tieren: Immer beschäftigt sind Chris und Dirk, die den Hof am Laufen halten, Fine die durch die Küche wirbelt, um die leckersten Mahlzeiten auf den Tisch zu bringen. Immer wieder begegnet man Schulkindern und deren Lehrer, die eine Woche am Hof Ausflüge machen, verschiedenste Praktikanten, die kommen und gehen, freilaufende Hühner, die überall rum düsen, Waldkindergartenkinder die fleißig Tiere streicheln oder versorgen und nicht weit davon kann man Emelie, eine der drei FÖJler vom Hof, begegnen die immer fröhlich und melodisch im Stall was arbeitet. Dazu sieht man auch wenn man durch die Glastür in die Bäckerei reinblickt, Bennet und seine leckeren Sauerteigbrote. Ums Eck trifft man bestimmt auch Daisy und Flori, unsere zwei süßen aber bockigen Kälber und nicht weit davon Nicole, Carina und mich, die ein Lied im Morgenkreis bei den Schäffchen-Kindergartenkinder singen. Wenn man den Hof weiter erkundet trifft man bestimmt Lara, die entweder Gemüse zieht oder kocht. Außerdem hat sie immer alles im Blick - also falls man den Weg zu den Ziegen sucht, hilft sie gerne weiter! Und mit ein bisschen Glück, trifft man Katja, Ute, Mathilde und Doro die gerade mit den Esel-Kindergartenkinder von der Engelswiese um 12 Uhr runterkommen. Und aus der Ferne hört man auch die Schafe mähen oder Alex und Pedro „iahen“.

So sieht es täglich aus auf dem Bauernhof des Gut Hohenberg. Es ist hier nie langweilig und man findet immer etwas zu tun. Im Hebst lesen alle zusammen die Äpfel auf, später sammelt man Kartoffeln mit den Kindern, im Winter versorgt man die Tiere im Stall und im Sommer erntet man das Obst und Gemüse in den Gärten, auf den Äckern und Wiesen.

Ich arbeite dort im Bauernhof-Waldkindergarten. Montags und freitags ist für die Kinder der Schäfchengruppe Bauernhoftag. Die restlichen Tage gehen wir entweder auf die Engelswiese mit dem Tipi und der Feuerstelle, in den Buchenwald, an einen Berghang oder wenn es wärmer wird auf die Ziegenwiese. Wie haben viele unterschiedliche Orte wo wir hinlaufen können, die wir immer an Wünsche, Stimmungen und Wetter anpassen. Nachmittags, bleiben immer ein paar Kinder in der Ganztagsbetreuung. Erstmal lesen wir Geschichten nach dem Mittagessen und danach dürfen sie frei spielen, malen, basteln oder wieder raus gehen. Um 16 Uhr endet der Arbeitstag, wenn alle Spielzeuge aufgeräumt sind, der Außenbereich wieder sauber ist und die Spülmaschine am laufen ist. Dienstags haben wir auch zusätzlich ein Teamtreffen bis 18 Uhr, an der wir die kommenden Wochen besprechen, wichtige Entscheidungen treffen oder neue Praktikanten aussuchen. Immer wieder im Laufe des Jahres finden nachmittags auch spannende Elterngespräche statt, wo wir die Entwicklung der einzelnen Kinder mit deren Eltern besprechen. Wichtige Kulturelle Feste wie Sankt Martin, die Sonnwende, dem Frühlings- und Sommerfest oder Fasching finden auch schöne Feiern im Kindergarten oder am Bauernhof statt.
Ich wohne hier direkt am Hof mit Emelie, Lara und Bennet, die drei anderen FÖJler, die für den Pädagogischen Bauernhof arbeiten. Wir essen abends immer zusammen und machen verschiedene Aktivitäten zusammen wie am See baden, Traktor fahren, Filme schauen oder an der Feuerstelle was grillen oder ein Glas Federweißer trinken.

Wenn keine Schüler auf dem Pädagogischen Bauernhof sind arbeiten wir manchmal zusammen: oft machen wir mit den Schäfchen-Kindergartenkindern die Tierrunde mit Emelie zusammen und misten die Ställe aus, geben den Schweinen und Schafen Futter oder bringen die Esel auf die Weide. Manchmal gehen wir auch in die Bäckerei und backen mit Bennet Kuchen oder Plätzchen.

Und an den Tagen wo nicht viel los ist im Kindergarten kann ich Emelie, Bennet oder Lara am Hof helfen. Außerdem versuche ich immer wieder meine Muttersprache in den Kindergartenalltag einzubringen: ich singe gerne Kinderlieder auf französisch oder zähle beim Verstecken spielen bis zu „dix“.

Was mir hier sehr gefällt ist die Offenheit der Leute, die am Hof und im Kindergarten arbeiten. Man fühlt sich wohl und bekommt immer die Hilfe, die man braucht. Außerdem finde ich toll, dass die Arbeitstage immer anders aussehen: wir laufen mit den Kindern täglich wo anders hin und manchmal mit verschiedenen Leuten (Praktikanten, Vertretungen und Hospitanten). Der Alltag ist immer gut organisiert aber Spontaneität ist nicht ausgeschlossen; oft springt man zur Vertretung in der anderen Gruppe ein oder erledigt  Arbeit im Büro oder hilft am Hof. Damit wird der Alltag nie langweilig, da man noch den Wechsel der Natur und den Rhythmus des Hofes dazu miterlebt.

Ich bin von dem Pädagogischen Konzept sowohl im Kindergarten wie am Hof sehr begeistert und freue mich auf die nächsten Monate auf Gut Hohenberg!"


Persönliche Eindrücke – von Christine Matacz

(2014/2015 FÖJlerin im Bauernhof-Waldkindergarten)

„Zu Beginn meines FÖJ‘s hatte ich die einmalige Gelegenheit, beim Bau der Räumlichkeiten des Bauernhof-Waldkindergartens dabei zu sein. Auch wenn mir nach einiger Zeit schon die Arme vom vielen Wände streichen weh taten, hat es doch sehr viel Spaß gemacht zu sehen, wie nach und nach dieser tolle Kindergarten entstand, in dem ich mein Jahr verbringen wollte.

Nach zwei Wochen kamen dann endlich die Kinder hinzu, die ich von Anfang an in mein Herz geschlossen habe. Es ist beeindruckend, wie wenig es ihnen ausmacht, den ganzen Tag unter freiem Himmel zu sein und für mich war es von da an unvorstellbar, mich mit Kindern in geschlossenen Räumen aufzuhalten. Schon zu Beginn habe ich gemerkt, wie schwer es ist, das zuvor für den Tag geplante Programm zu verwirklichen, da den Kindern so viele andere Ideen kamen. Doch das war bzw. ist nicht schlimm, denn das macht jeden Tag zu etwas besonderem und den Kindern wird somit ihrer Kreativität freien Lauf gelassen. Neben dem Spielen mit den Kindern, dem täglichen Vorlesen und dem gemeinsamen Entdecken von Veränderungen der Natur, gehörten zu meinen kleinen Nebentätigkeiten das Basteln von Geburtstagsgeschenken und andere Aufgaben wie zum Beispiel die Gartenarbeit. Auch die Zusammenarbeit mit den Tieren und den Mitarbeitern von Gut Hohenberg hat mein Jahr zu etwas Besonderem gemacht.

In diesem Jahr sah ich wie sich die Kinder entwickelten, aber auch wie ich selbst mich entwickelte. Ich lernte, mehr Geduld zu haben und Verantwortung zu übernehmen, wobei mich die Kolleginnen im Erzieher-Team super unterstützt haben.“

Ansprechpartner

Franziska Hampl
Leitung Kindergarten

06346/9649664

Mitmachen

Im Bauernhof-Waldkindergarten auf Gut Hohenberg kann man ein FÖJ (Freiwilliges Ökologisches Jahr) und das Anerkennungspraktikum der Erzieherausbildung machen. Wir freuen uns über Bewerbungen!

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