Nachrichtenarchiv Mai 2011

Nachrichtenübersicht
Bauernsternfahrt für eine bäuerliche-ökologische Zukunft
Biozertifikate auf Internetplattform "bioC"
Falsche Rezepte gegen die Hungerkrise
Bioverbände fordern Nachbesserungen im EEG
BNN-Kodex: Nachhaltigkeit im Unternehmensalltag messbar machen
Gegen Agrogentechnik: 100.000 unterschreiben Petition
Wettbewerb "Förderpreis Ökologischer Landbau 2012" eröffnet
USA: Biobranche wächst

Bauernsternfahrt für eine bäuerliche-ökologische Zukunft

(30.05.2011) Am Sonntag starteten mehr als 200 junge Bäuerinnen und Bauern der jungen Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft (jABL) und des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM) eine Bauernsternfahrt aus dem Allgäu und der Nordseeküste bis vors Kanzleramt. Unter dem Motto "Mut zum Umdenken! Industrielle Landwirtschaft stoppen! Die Zukunft ist bäuerlich-ökologisch-fair!" fordern sie die Bundesregierung auf, ihre Blockadehaltung zur Neuausrichtung der EU-Agrarpolitik aufzugeben. "Die bisherige Agrarpolitik haben wir satt", so Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. "Sie zerstört nicht nur bäuerliche Existenzen, sondern sie schadet auch unserem Klima, unserer Umwelt und verursacht dadurch hohe gesellschaftliche Kosten. Die Teilnehmer der Kampagne setzen sich daher für eine bäuerliche, faire, tiergerechte und ökologische Landwirtschaftspolitik ein. Die Sternfahrt ist eine Aktion der Kampagne "Meine Landwirtschaft - unsere Wahl".

Biozertifikate auf Internetplattform "bioC"

(26.05.2011) Die Bescheinigungen der Kontrollstellen für Unternehmen der ökologischen Lebensmittelwirtschaft müssen ab Anfang 2013 im Internet veröffentlicht werden. Sechs deutsche Ökokontrollstellen kommen bereits heute dieser Pflicht nach und veröffentlichen ihre Zertifikate über die Internetplattform bioC. Die Unternehmensbescheinigungen enthalten die Betriebsadresse, die zuständige Kontrollstelle und Angaben darüber, für welche Produktgruppen das Unternehmen zertifiziert ist. Schon 2007 hat die EU-Kommission solche Biozertifikate gefordert, allerdings erst jetzt festgelegt, dass sie über das Internet zu veröffentlichen sind. Zurzeit stellen 14 deutsche Kontrollstellen Daten bei bioC ein. Diese Daten beinhalten allerdings noch nicht alle von der EU geforderten Kriterien wie z. B. Kontrolldatum und den Gültigkeitszeitraum des Zertifikats. Ziel ist es, dass zukünftig alle Bescheinigungen der ökozertifizierten Unternehmen aus Deutschland über bioC erreichbar sind. Gleichzeitig wird das Verzeichnis europaweit ausgebaut.

Falsche Rezepte gegen die Hungerkrise

(19.05.2011) Der WWF und die Heinrich-Böll-Stiftung bezweifeln die Angaben der Welternährungsorganisation FAO zur Zukunft der Ernährungssicherheit. Letztere fordert eine Steigerung der Lebensmittelproduktion um 70 Prozent bis 2050. Eine von WWF und Heinrich-Böll-Stiftung in Auftrag gegebene und von der Universität Hohenheim durchgeführte Studie kommt jedoch zu dem Schluss, dass die FAO-Angaben auf unvollständigen Annahmen basieren. Demnach habe die FAO maßgebliche Faktoren wie den Klimawandel und Möglichkeiten wie z. B. Nachernteverluste zu reduzieren, unbeachtet gelassen. Dazu müssten in Entwicklungs- und Schwellenländern die Transport- und Lagerungsbedingungen verbessert und in den Industrieländern die Wegwerfmentalität im Einzelhandel sowie bei den Verbrauchern gestoppt werden. Darüber hinaus sei die Verringerung des Fleischkonsums von Industrieländern ein weiterer wichtiger Baustein zur Stabilisierung der Welternährung. Diese Faktoren sprächen dafür, dass die Produktionssteigerung nur ein kleiner Teil der Lösung sei. Wesentlich dringlicher sei es, dass Nahrungsmittel und knappe Produktionsmittel wie Wasser und Böden gerechter und effizienter genutzt würden.

Bioverbände fordern Nachbesserungen im EEG

(18.05.2011) Die Verbände des ökologischen Landbaus in Deutschland kritisieren die Vorschläge von Umweltminister Röttgen zur Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) ab 2012 im Bereich Biogas. Der Großteil der Fördersummen soll weiter in Großanlagen fließen, die mit Energiepflanzen aus eigens angebauten und umweltschädlichen Monokulturen betrieben werden, die außerdem in Konkurrenz zur Produktion von Nahrungsmitteln stehen. Kleinere Anlage - wie sie für Ökobetriebe interessant sind - sowie die Nutzung von landwirtschaftlichen Reststoffen und umweltfreundlichen Energiepflanzen würden nach den neuen Vorschlägen weiterhin nur unzureichend gefördert. Neben einer höheren Grundvergütung für kleine Anlagen müsse das Ziel der Gesetzesnovelle stattdessen eine stärkere Förderung extensiver Energiepflanzen und der Verwertung von umweltverträglichen Reststoffen wie Gülle, Mist oder Gras aus der Grünlandpflege sein.

BNN-Kodex: Nachhaltigkeit im Unternehmensalltag messbar machen

(18.05.2011) Auf der Mitgliederversammlung des BNN Herstellung und Handel e. V. ging es insbesondere um das Thema Nachhaltigkeit in der Biobranche. Die BNN-Mitgliedsunternehmen haben bereits 2008 im Kodex Werte, Normen und Richtlinien der Naturkostunternehmen definiert. Nun wurden Nachhaltigkeitsindikatoren entwickelt, die die Unternehmen darin unterstützen, die Nachhaltigkeitsziele des BNN-Kodex auf ihr Unternehmen bezogen weiter entwickeln zu können. Das Indikatoren-Set soll bis Oktober 2011 für die Unternehmen bearbeitet werden, so dass diese ihre Nachhaltigkeitsleistungen gebündelt kommunizieren können. Damit wird die im BNN-Kodex niedergeschriebene Selbstverpflichtung eingelöst, die Umsetzung von Nachhaltigkeitsleistungen zu dokumentieren und weitere Arbeitsfelder zu bearbeiten.

Gegen Agrogentechnik: 100.000 unterschreiben Petition

(12.05.2011) Mehr als 100.000 Menschen haben nach Angaben des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) die Petition für einen Zulassungsstopp von gentechnisch veränderten Pflanzen und damit gegen den Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft unterzeichnet. Nun muss sich der Petitionsausschuss des Bundestages des Themas annehmen, was er voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte tun wird. Die Menge der Unterstützer sei ein deutliches Signal an die Regierung, erklärte der BÖLW-Vorsitzende Felix Prinz zu Löwenstein. Die BÖLW-Petition gehört zu den erfolgreichsten bislang eingereichten Petitionen, da jährlich durchschnittlich nur zwei von ungefähr 19.000 eingereichten Petitionen die Hürde von 50.000 Unterstützern übertreffen, die für eine öffentliche Anhörung im Petitionsausschuss notwendig sind.

Wettbewerb "Förderpreis Ökologischer Landbau 2012" eröffnet

(10.05.2011) Bundeslandwirtschaftministerin Ilse Aigner hat den Wettbewerb um den "Förderpreis Ökologischer Landbau 2012" eröffnet. Wie ihr Ressort mitteilte, können sich engagierte Betriebsleiter aus dem Biolandbau ab sofort mit innovativen Konzepten bewerben. Gesucht werden sowohl Ideen, die den gesamten Hof umfassen, als auch Ideen, die bestimmte Teilbereiche abdecken wie die Produktverarbeitung und -vermarktung, den Natur- und Ressourcenschutz oder auch das Energiemanagement. Nach Angaben des Ministeriums setzt die Teilnahme voraus, dass der komplette Betrieb seit mindestens zwei Jahren ökologisch bewirtschaftet wird. Den Siegern winkt ein Preisgeld von insgesamt 22.500 Euro, das an maximal drei Teilnehmer verteilt wird. Die Bewertung soll durch eine unabhängige Jury erfolgen. Die Auszeichnung der Gewinner durch Aigner ist im Rahmen der Internationalen Grünen Woche 2012 in Berlin geplant.

USA: Biobranche wächst

(09.05.2011) Trotz Wirtschaftskrise hat der Umsatz mit ökologisch erzeugten Lebensmitteln in den Vereinigten Staaten 2010 kräftig zugelegt. Wie die Organic Trade Association (OTA) meldete, erhöhte sich der Branchenumsatz gegenüber dem Vorjahr um 7,7 Prozent auf 28,6 Milliarden US-Dollar (19,3 Mrd Euro), während in der Ernährungswirtschaft insgesamt ein Plus von weniger als einem Prozent erzielt wurde. Mit Abstand bedeutendster Sektor innerhalb der Biolandwirtschaft blieben Obst und Gemüse, leicht überdurchschnittliche Zuwachsraten konnten die Ökomilcherzeuger verbuchen. Erfreulich ist der OTA zufolge die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt in der Ökobranche: Rund die Hälfte der Unternehmen aus dem Biosektor mit mehr als 50 Angestellten soll Neueinstellungen vorgenommen haben. Laut einer Umfrage erwarten 46 Prozent der Teilnehmer 2011 ein Beschäftigungswachstum, rund die Hälfte rechnet mit einer konstanten Zahl an Arbeitsplätzen, nur fünf Prozent mit einem Abbau von Jobs.