Nachrichtenarchiv Juni 2011

Nachrichtenübersicht
Gutachter für die Evaluation des BÖLN gesucht!
Mehr Spielräume für nationale Anbauverbote
Ökolandbau weiter auf Wachstumskurs
Behm kritisiert Vernachlässigung der Ökolandbauforschung
Rheinland-Pfalz fördert Neueinsteiger in den Ökolandbau
EHEC: kein systembedingtes Problem
Neues Internetportal der Kampagne www.biofair-vereint.de

Gutachter für die Evaluation des BÖLN gesucht!

(30.06.2011) Zur Begutachtung von Forschungsprojekten, die im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) gefördert wurden, werden deutschsprachige Praktiker oder Wissenschaftler in der ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft gesucht. In der Begutachtung wird geklärt, inwieweit die Ergebnisse einer repräsentativen Auswahl von Forschungsprojekten dazu beitrugen, die ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft in Deutschland zu stärken und die Voraussetzungen für die Ausweitung des Anbaus und der Marktanteile zu schaffen. Die Projektbewertung soll von einer möglichst breiten Basis von Sektorbeteiligten (Praxis, Beratung und Wissenschaft) getragen werden. Alle Gutachter/innen erhalten eine Aufwandsentschädigung. Den Auftrag für die Koordination des Begutachtungsprozesses hat eine internationale Bietergemeinschaft erhalten. Diese besteht aus den deutschsprachigen Kooperationspartnern InterVal GmbH (Berlin), Organic Research Centre (Elm Farm Großbritannien) und der Hochschule für nachhaltige Entwicklung (FH) Eberswalde. Die Ergebnisse der Evaluation sollen Ende Juni 2012 vorliegen.

Interessierte Praktiker, Berater und Wissenschaftler geben dem Projektteam ihr Interesse an der Mitwirkung an der Evaluation bis 15.7.2011 (per Email an Anja Vieweger: anja.v@organicresearchcentre.com) bekannt und stellen dazu anhand geeigneter Unterlagen (z.B. Lebenslauf) folgende Aspekte dar:
a) breiter Überblick und ein vertieftes Verständnis der Praxis der ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft
b) Expertin/Experte in einem der genannten Bereiche mit mehrjähriger Erfahrung in Forschung oder Praxis in der ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft
c) Bewertung von Projekten hinsichtlich der Praxisrelevanz, der Nützlichkeit, des erfolgten Wissenstransfers oder der wissenschaftlichen Qualität.

Mehr Spielräume für nationale Anbauverbote

(29.06.2011) Am 06. Juli stimmen die EU-Parlamentarier darüber ab, ob den einzelnen Mitgliedsstaaten mehr Möglichkeiten gegeben wird, über den Anbau von Gentechnik-Pflanzen in ihrem Land selbst zu entscheiden. Im Sommer letzten Jahres hatte die Europäische Kommission den Vorschlag zu neuen Regelungen im europäischen Gentechnik-Recht gemacht. Der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments hat sich nun im Gegensatz zur Kommission dafür ausgesprochen, dass die Länder den Anbau auch verbieten können, wenn sie Risiken für die Umwelt befürchten. Dies können Gefahren für die biologische Vielfalt, Schädlingsresistenzen, aber auch wissenschaftliche Unklarheiten sein. Damit werden Anbauverbote der Mitgliedsländer rechtlich abgesichert. Um die deutschen Abgeordneten zu veranlassen, für den Vorschlag des Umweltausschusses zu stimmen, haben Bio-, Umwelt- und Bauernverbände einen Brief an die Parlamentarier verfasst. Alle Bürger können sich über die BUND-Aktion direkt an die Fraktionsspitzen im Europäischen Parlament wenden.

Ökolandbau weiter auf Wachstumskurs

(27.06.2011) Der ökologische Landbau in Deutschland erzielte im Jahr 2010 wieder solide Wachstumsraten. Bei einem Zuwachs der ökologisch bewirtschafteten Fläche um 4,6 Prozent hat sich die Zahl der ökologisch wirtschaftenden landwirtschaftlichen Betriebe um 4,3 Prozent erhöht. Dieses geht aus den Jahresmeldungen der Länder über den ökologischen Landbau 2010 hervor, die dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) vorliegen. Demnach wurden bis Ende 2010 in Deutschland 990.702 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche von insgesamt 21.942 Betrieben nach den EU-weiten Regelungen des ökologischen Landbaus bewirtschaftet. Die Zahl der landwirtschaftlichen Ökobetriebe nahm damit gegenüber dem Vorjahr um 895 und die nach den Regelungen der EU-Öko-Verordnung bewirtschaftete Fläche um 43.588 Hektar zu. Der Anteil an der Gesamtzahl der landwirtschaftlichen Betriebe beträgt im Jahr 2010 7,3 Prozent, der an der gesamten landwirtschaftliche Nutzfläche 5,9 Prozent. Auch bei den verarbeitenden Betrieben im Ökosektor ist gegenüber dem Vorjahr wiederum eine Zunahme zu verzeichnen. Im Ökosektor waren 2010 insgesamt 32.714 Unternehmen (Erzeuger, Verarbeiter, Importeure) tätig. Das sind 4,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Behm kritisiert Vernachlässigung der Ökolandbauforschung

(21.06.2011) Eine systematische Benachteiligung des Ökolandbaus in der Agrarforschung hat die grüne Bundestagsabgeordnete Cornelia Behm der Bundesregierung vorgeworfen. Von den 58 Millionen Euro an Drittmitteln, die von den Agrarforschungsinstituten des Bundes in den vergangenen drei Jahren eingeworben worden seien, hätten für Forschungsprojekte im Rahmen des Ökolandbaus nur 120.000 Euro zur Verfügung gestanden, so Behm. Die Abgeordnete stellte zudem der Summe von 2,4 Milliarden Euro, die die Bundesregierung in den nächsten sechs Jahren im Rahmen ihrer Bioökonomiestrategie "vordringlich in die Grüne Gentechnik" investieren will, die Ausstattung des Bundesprogramm Ökolandbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft mit 16 Millionen Euro jährlich gegenüber. Von dieser Summe dürfte laut Behm nach der Öffnung des Programms wiederum nur die Hälfte dem Ökolandbau zugute kommen. Die Grünen-Politikerin sieht darin eine "systematische Vernachlässigung des Ökolandbaus", die weder seiner wirtschaftlichen noch seiner gesellschaftlichen Bedeutung für Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz gerecht werde.

Rheinland-Pfalz fördert Neueinsteiger in den Ökolandbau

(20.06.2011) Das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten wird noch in diesem Jahr ein Antragsverfahren zur Förderung von Neueinsteigern in den ökologischen Landbau ermöglichen. "Ziel ist es, den ökologischen Landbau als besonders umwelt- und tiergerechte Form der Landwirtschaft in Rheinland-Pfalz weiter auszubauen und so die bestehenden Marktchancen für Ökoprodukte zu nutzen", so die rheinland-pfälzische Umwelt- und Landwirtschaftsministerin Ulrike Höfken. Das Verfahren für den ökologischen Landbau wird im Rahmen des rheinland-pfälzischen Programms Agrar-Umwelt-Landschaft (PAULa) voraussichtlich im November eröffnet. Das Antragsverfahren kann erst am Jahresende eröffnet werden, da derzeit eine Prämienerhöhung im Ökolandbau und die Einführung eines Kontrollkostenzuschusses geprüft und nach Abstimmung mit den Wirtschafts- und Sozialpartnern der EU-Kommission zur Genehmigung vorgelegt wird. Ziel ist es aber, dass bis zur Ernte im kommenden Jahr mindestens zwölf Monate Umstellungszeit eingehalten werden können. Derzeit bewirtschaften in Rheinland-Pfalz etwa 920 Betriebe eine Fläche von 37.733 Hektar nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus.

EHEC: kein systembedingtes Problem

(17.06.2011) Über den EHEC-Erreger, der in Deutschland inzwischen zu mindestens 35 Todesfällen geführt hat, ist viel spekuliert worden. Erhärtet hat sich der Verdacht, dass Sprossen eines niedersächsischen Biobetriebs an der Ausbreitung der Infektionen beteiligt waren. Es konnte über die Indizienketten eine Verbindung zwischen ihm und 26 Ausbruchsorten hergestellt wurden. Nach wie vor ist jedoch unklar, woher der Erreger stammt und wie er auf die Sprossen geraten konnte. Denn die Kontamination mit EHEC-Keimen ist kein Problem einer spezifischen Produktionsweise, sondern ein Hygieneproblem. Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) hat die wissenschaftlichen Fakten zusammen getragen und auch der Biodachverband, der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) klärt auf.

Neues Internetportal der Kampagne www.biofair-vereint.de

(07.06.2011) Die Kampagne www.biofair-vereint.de bringt unter dem Motto "BIO ohne FAIR ist wie ICH ohne DICH" Verbrauchern die Bedeutung von regionalen biologischen und fairen Lebensmitteln näher. www.biofair-vereint.de ist eine Kampagne des BioFairVereins, einer bundesweiten Initiative von Unternehmen aus der Biolebensmittelbranche, für die Werteorientierung und wirtschaftliches Handeln zusammengehören. Das neue Internetportal bietet Informationen rund um das Thema Bio&Fair in Form von Videos, podcasts, Bildern und Texten. Dabei wird insbesondere Wert auf einen Dialog zwischen Verbraucher und Biobauern, -herstellern und -handel gelegt. Alle Statements und Interviews der beteiligten Akteure sind auch in einem eigenen YouTube-Kanal zu finden. Außerdem lädt die Kampagne zur Diskussion auf Facebook ein.