Nachrichtenarchiv Januar 2011

Nachrichtenübersicht
Kampagnen-Start "Meine Landwirtschaft - unsere Wahl"
Förderpreis Ökologischer Landbau verliehen
Förderung des Ökolandbaus: Deutschland im europäischen Vergleich
Neue Studie: Konsum von Bioprodukten
Erfolgreiche Demo in Berlin: "Wir haben es satt!"
Messegastronomie mit Biozertifikat
BÖLW: Systemwechsel einleiten
Aktueller ForschungsReport: Innovationen für den Ökolandbau
Biotouren zur BioFach 2011
Film-Tipp "Good Food Bad Food"
UN gründet Weltbiodiversitätsrat
Neue Ausgabe der Ökologie & Landbau: Bioprodukte & Gesundheit
Tag des Ökologischen Landbaus und Preisverleihung

Kampagnen-Start "Meine Landwirtschaft - unsere Wahl"

(31.01.2011) Was für Lebensmittel landen auf unseren Tellern? Wie werden sie produziert? Welche Agrarpolitik steckt dahinter? Diese und weitere Themen stellt die Kampagne: "Meine Landwirtschaft - unsere Wahl" in den Mittelpunkt. Anlass für sie ist die anstehende Reform der EU-Agrarpolitik, die im Jahr 2011 in die entscheidende Phase eintritt. Die Diskussion über nachhaltige oder industrielle Landwirtschaft ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen und wird politische und private Entscheidungen über die Zukunft unseres Essens prägen. Die Kampagne soll diese Diskussion verstärken und sie nach Berlin und Brüssel tragen - für eine tiefgreifende Reform der Agrarpolitik. Bereits 23 Verbände aus Landwirtschaft, Entwicklungs-, Umweltpolitik und Verbraucherschutz beteiligen sich an der auf ein Jahr angelegten Kampagne. So sollen die zahlreichen Aktivitäten einerseits gebündelt und andererseits für weitere Aktionen mobilisiert werden. Die Bürger sind eingeladen, im Internet direkt darüber abzustimmen, für welche Landwirtschaft ihre Steuergelder eingesetzt werden sollen.

Förderpreis Ökologischer Landbau verliehen

(28.01.2011) Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner hat heute auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin den Förderpreis Ökologischer Landbau 2011 an drei ökologisch wirtschaftende Betriebe vergeben. Das Weingut Janson Bernhard KG in Rheinland-Pfalz erhielt den ersten Preis für die gelungene gesamtbetriebliche Konzeption: Betriebsleiterin Christine Bernhard ist es gelungen, Ökologie, Wein und Kultur perfekt miteinander zu verbinden. Neben der Erzeugung hochwertiger Bioweine bietet das Weingut umfangreiche kulturelle Angebote wie Weinseminare, Kochkurse, Live-Musik und Theaterstücke.
Ein weiterer erster Preis ging an den Betrieb Biolandhof Ellenberg in Niedersachsen für seine herausragenden Leistungen in der Züchtung und dem Anbau von Biokartoffeln und für den Erhalt alter Sorten. Eine eigens gegründete Tochtergesellschaft hält zurzeit etwa 100 Sorten in einer Genbank, die Ausgangspunkt für weitere Neuzüchtungen ist.
Der zweite Preis für herausragende Leistungen in der Umsetzung eines gesamtbetrieblichen Konzepts ging an den Betrieb Bioland-KräuterGut Dworschak-Fleischmann in Bayern. Die Familiengärtnerei ist ein erfolgreiches Unternehmen in der ökologischen Produktion von Topfkräutern. Pro Jahr werden etwa 4,5 Millionen Kräutertöpfe für den Naturkosthandel und den konventionellen Lebensmitteleinzelhandel gezogen. Das Sortiment umfasst rund 250 verschiedene Biokräuter.
Insgesamt hatten sich 62 Betriebe um eine Auszeichnung beworben. Der Förderpreis ist mit insgesamt 22.000 Euro dotiert. Er wird seit 2001 an Betriebe vergeben, die erfolgreich ökologisch wirtschaften und mit innovativen Konzepten überzeugen.

Förderung des Ökolandbaus: Deutschland im europäischen Vergleich

(26.01.2011) Deutschland ist der größte Absatzmarkt für Bioprodukte in Europa. Das hat eine im Auftrag der Grünen Bundestagsfraktion erarbeitete Studie der Universität Bonn ergeben. Zwischen 2000 und 2009 wuchs demnach der Umsatz mit Bioprodukten um 180 Prozent. Einziger Makel an dieser sehr positiven Entwicklung: Die heimische Landwirtschaft verliert Marktanteile in diesem boomenden Markt. Denn der Zuwachs an ökologischer Fläche bleibe weit hinter den Nachfragesteigerungen zurück. Vor allem bei Obst und Gemüse, einem besonders wichtigen Segment im Biomarkt, wandere die Produktion ins Ausland ab. Auch die Honorierung der gesellschaftlichen Leistungen, die der ökologische Landbau anerkannter Maßen erbringt, liege in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Staaten nur im Mittelmaß.

Neue Studie: Konsum von Bioprodukten

(25.01.2011) Über ein Viertel der Europäer isst durchschnittlich einmal pro Woche Bioprodukte, vorwiegend Gemüse (59 Prozent) und Obst (52 Prozent) sowie Bioeier (49 Prozent). Die Hälfte der Befragten aus sieben europäischen Ländern verzehrt wesentlich seltener (max. alle 2-3 Wochen) Bioprodukte und ein Viertel verzichtet ganz auf deren Verzehr. Dies ergab die aktuelle TNS-Studie „Nutrition & Health“, in der insgesamt 7.592 Onliner in den sieben Ländern Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Niederlande, Russland und Spanien befragt wurden. Ergebnis: Die meisten Bioprodukte werden von Deutschen und Italienern verzehrt. In Deutschland haben sechs Prozent der Befragten täglich Bioprodukte auf ihrem Speiseplan. Für 46 Prozent der deutschen Verbraucher sind in erster Linie gesundheitliche Aspekte sowie der bessere Geschmack (30 Prozent) und die bessere Umweltverträglichkeit (31 Prozent) die Hauptgründe für den Verzehr von Bioprodukten.

Erfolgreiche Demo in Berlin: "Wir haben es satt!"

(24.01.2011) Bauern, Verbraucher, Tierschützer und Umweltaktivisten sind am 22.01.2011 in Berlin für eine andere Agrarpolitik auf die Straßen gegangen. Knapp 22.000 Demonstranten zogen mit mehr als 70 Traktoren durch das Regierungsviertel zum Brandenburger Tor. Sie forderten eine Abkehr von der industriellen Landwirtschaft, den Ausstieg aus der Gentechnik und die Unterstützung für ökologische Produktionsformen. Zu der Demonstration unter dem Motto "Wir haben es satt! Nein zu Gentechnik, Tierfabriken und Dumping-Exporten" hatte ein Bündnis aus 120 Organisationen aufgerufen. Auf der Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor wurde als Konsequenz aus dem Dioxin- und anderen Lebensmittelskandalen gefordert, Bundesregierung und EU sollten statt der "Agrarfabriken" die bäuerliche Landwirtschaft fördern. Strengere Lebensmittelkontrollen alleine reichten nicht aus. Nötig sei eine grundlegende Wende in der Agrarpolitik. Bundesagrarministerin Ilse Aigner müsse eine echte EU-Agrarreform und den Ausstieg aus der Massentierhaltung voranbringen anstatt beides zu bremsen.

Weitere Informationen zur Demonstration:

Messegastronomie mit Biozertifikat

(20.01.2011) Die größte deutsche Messegesellschaft Deutschlands, die Deutsche Messe AG mit Sitz in Hannover, bietet in einem ihrer Messerestaurants nun zu 100 Prozent Biogerichte an. Geplant ist eine Ausweitung des Bioangebots auf dem gesamten Messegelände in Hannover. Zertifiziert wird die Messegastronomie von der Göttinger Gesellschaft für Ressourcenschutz (GfRS). Mit seinem Bioengagement möchte Klaus-Henning Ost, der Leiter des Bereiches Restaurants, Tagungs- und Kongresswesen, den Messebesuchern auch während des hektischen Messetrubels ein qualitativ hochwertiges, gesundes Essen bieten und so aktiv zum Klima- und Umweltschutz beitragen. Die Deutsche Messe AG führt in Hannover international bekannte Fachmessen wie die CEBIT durch, aber auch die für die regional verankerte Biobranche wichtige BioNord.

BÖLW: Systemwechsel einleiten

(19.01.2011) Auf seiner heutigen Pressekonferenz anlässlich der Internationalen Grünen Woche in Berlin fordert der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) eine Politik für mehr Ökolandbau. Aktuell stelle sich die Frage nach einer zukunftsfähigen Landwirtschaft, die hochwertige und sichere Lebensmittel erzeugt. Gleichzeitig arbeite die Bundesregierung jedoch gegen den ökologischen Landbau und damit genau gegen die Landwirtschaft, die Futterkreisläufe möglichst geschlossen hält, hochtechnische Verarbeitungsverfahren und Stoffe ausschließt und auf Transparenz setzt. Das Bundesprogramm Ökologischer Landbau als explizites Instrument für die Unterstützung des Biolandbaus wurde Ende letzten Jahres für andere Formen der Landwirtschaft geöffnet und damit de facto gekürzt. Die Politik ignoriere nicht nur die gesellschaftliche, sondern auch die wirtschaftliche Entwicklung: Einige Bundesländer steigen aus der Förderung des Ökolandbaus aus und überlassen den wachsenden Biomarkt Importen. Damit würde die Chance vergeben, die der oft einzige Innovationsmotor im ländlichen Raum biete. Fazit: Die Ökologisierung der gesamten Wertschöpfungskette sei unverzichtbar bei der Suche nach Lösungen für die heutigen Umwelt- und Sozialprobleme.

Aktueller ForschungsReport: Innovationen für den Ökolandbau

(18.01.2011) Die neue Ausgabe des ForschungsReports, publiziert vom Senat der Bundesforschungsinstitute, widmet sich den "Innovationen für den Ökolandbau". Das Wissenschaftsmagazin beinhaltet auf 52 Seiten Forschungsprojekte und -ergebnisse verschiedener Einrichtungen zu Insektizidbehandlungen, der Bodendüngung, der finanziellen Leistungsfähigkeit der Ökobetriebe und der Lebensweise der Konsumenten von Bioprodukten. Beispielsweise zeigen Wissenschaftler des Johann-Heinrich-von-Thünen-Instituts (vTI) in ihrer Studie auf, dass sich für die meisten Ökobetriebe die Bewirtschaftungsweise finanziell rechnet. Danach schätzen mehr als 60 Prozent der befragten Biolandwirte, dass ihr Gewinn bei einer konventionellen Bewirtschaftung niedriger ausfallen würde; fast 60 Prozent rechnen damit, dass ihr Hof auch in 20 Jahren noch existiert. In weiteren Beiträgen werden das "Gedächtnis" des Ackerbodens, also die Umsetzung organischen Düngers im Boden, oder die Frage thematisiert, ob sich sogenanntes kaltes Plasma dazu eignet, schädliche Keime auf der Oberfläche von Lebensmitteln wie Obst und Gemüse zu inaktivieren. Außerdem wird zum Beispiel auch erläutert, warum Ökolandwirte so gut wie keinen Raps anbauen.

Biotouren zur BioFach 2011

(17.01.2011) Bio-Markt.Info bietet in Zusammenarbeit mit der BioFach vom 16.-19.2.2011 drei unterschiedliche Touren zu Naturkost-Fachhändlern, Läden mit Naturtextilien, Naturkosmetik und Fairhandels-Sortimenten sowie zum Thema Biolandwirtschaft/Weiterverarbeitung an. Im Anschluss an die Fachhandelstouren wird ein Stadtführer einige Sehenswürdigkeiten in der Altstadt von Nürnberg präsentieren. Die Dauer beträgt zweieinhalb bis fünf Stunden und umfasst einen Bioimbiss.

Film-Tipp "Good Food Bad Food"

(10.01.2011) Am 20. Januar 2011 läuft der neue Dokumentarfilm "GOOD FOOD BAD FOOD - Anleitung für eine bessere Landwirtschaft" in die Kinos an. Die französische Regisseurin Coline Serreau dokumentiert in ihrem Film die drastischen weltweiten Auswirkungen der industrialisierten Landwirtschaft auf Mensch und Umwelt. Als Lösungsansätze zeigt der Film das Potenzial der kleinbäuerlichen und ökologischen Landwirtschaft, die mit ihrem traditionellen Wissen lokale Ressourcen nachhaltig und effizient nutzt. Vom französischen Mikrobiologen, über Wanderarbeiter Brasiliens, bis hin zu Landwirten der weltgrößten Bioplantage in der Ukraine geht es in dem Film um Menschen, die alle ein gemeinsames Ziel verfolgen: die Verbesserung der Bodenqualität und die Wiederherstellung der Saatenvielfalt - zum Schutz der Umwelt und für gesündere Lebensmittel. Partner des Films sind Bioland e.V., Greenpeace, Zukunftsstiftung Landwirtschaft und das Bündnis "Wir haben es satt."

UN gründet Weltbiodiversitätsrat

(07.01.2011) Die UN-Generalversammlung hat Ende des letzten Jahres der Gründung des Weltbiodiversitätsrat formal zugestimmt. In Anlehnung an den Weltklimarat IPPC existiert nun das neue Gutachtergremium zur Biologischen Vielfalt (Intergovernmental Panel on Biodiversity and Ecosystem Services, kurz IPBES) unter dem Dach der Vereinten Nationen. Hauptaufgabe des internationalen politischen Gremiums soll es sein, regelmäßig politischen Entscheidungsträgern unabhängige und zuverlässige Informationen über den Zustand und die Entwicklung der Biodiversität zur Verfügung zu stellen. Außer globalen Analysen sind aber auch nationale und regionale Berichte vorgesehen. Der erste Bericht soll in drei Jahren vorgelegt werden. Die geschätzten jährlichen Kosten von zweieinhalb bis fünf Millionen Euro für Gutachten sowie von etwa drei Millionen Euro für die Unterhaltung eines zentralen IPBES-Sekretariats und möglicherweise regionalen Sekretariaten sollen auf freiwilliger Basis durch die Geberländer getragen werden.

Neue Ausgabe der Ökologie & Landbau:
Bioprodukte & Gesundheit

(05.01.2011) Der Gesundheitsaspekt spielt beim Kauf von Biolebensmitteln eine große Rolle. Aber was sind wirklich die Unterschiede zwischen biologischen und konventionellen Lebensmitteln und welchen Einfluss haben sie auf unsere Gesundheit? Die Ausgabe 1/2011 ergründet, was wir unter einer "gesunden" Ernährung im ganzheitlichen Sinne verstehen, welchen Mehrwert eine ökologische Ernährung hat und wie Bioprodukte von heute aussehen können. Sind Biolebensmittel wirklich gesünder als konventionelle? Zahlreiche Untersuchungen belegen: Ökonahrungsmittel überzeugen nicht nur, weil sie quasi frei von Pflanzenschutzmittelrückständen sind. Sie weisen auch höhere Gehalte an wertgebenden Inhaltsstoffen auf als konventionell erzeugte Produkte. Die Ausgabe zeigt, warum Bio wirklich besser is(s)t.

Tag des Ökologischen Landbaus und Preisverleihung

(03.01.2011) Am 28. Januar 2011 wird im Rahmen der Internationalen Grünen Woche in Berlin der Tag des Ökologischen Landbaus stattfinden. Unter dem Motto "Wem gehört die Biomasse? Der ungleiche Kampf um die Ressourcen der Landwirtschaft" lädt der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) zu seiner Vortragsveranstaltung ein. Vor dem Hintergrund, dass die Ansprüche der weltweiten Bodennutzung wachsen und die Nahrungsmittelproduktion verstärkt mit der Erzeugung von Energie und Rohstoffen für die Industrie konkurrieren wird, stellt der BÖLW die Frage, wem die Biomasse gehört. Wie muss die Bodennutzung aus gesellschaftlicher Sicht gestaltet werden? Welche Konzepte liefern Lösungen zur nachhaltigen Nutzung des Bodens und zur Sicherung des Rechts auf Nahrung? Im Anschluss findet die Verleihung des Förderpreises Ökologischer Landbau des BMELV durch Bundesministerin Ilse Aigner statt. Außerdem präsentieren sich die ausgezeichneten Betriebe mit Ständen und stehen für Fragen zur Verfügung.