Nachrichtenarchiv September 2010

Nachrichtenübersicht
AbL: Geld aus dem Absatzfonds gehört den Bauern
Agrarkulturpreis Hohenlohe ausgelobt
Rapunzel/IFOAM: "One World Award 2010" verliehen
Verbund Ökologische Praxisforschung gegründet
Visionen für ein besseres Leben
Staatliches Bio-Siegel: Jetzt auf 60.000 Produkten
AoeL fordert neue Regeln für Nahrungsmittelmärkte
BÖLW-Herbsttagung: Wie viel Öko braucht die Welt?
Bayerische Staatsmedaille an 21 Ökolandwirte vergeben
Bio im Fachhandel wächst stärker
SÖL und FiBL Deutschland gründen FiBL & Partner GmbH
Geballte Ökoweinbau-Kompetenz
Ökomonitoring: Biolebensmittel einwandfrei

AbL: Geld aus dem Absatzfonds gehört den Bauern

(30.09.2010) Das nach der Abwicklung des Absatzfonds der CMA und der ZMP noch verbleibende Vermögen soll auf den Bund übertragen werden. Das sieht ein derzeitiger Gesetzentwurf des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMELV) vor, wie top agrar online meldet. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) lehnt das Vorhaben entschieden ab. Das Bundesverfassungsgericht hatte 2009 festgestellt, dass die Abgaben zum Absatzfonds mindestens seit dem Jahr 2002 verfassungswidrig erhoben wurden. Daher könne der Bund nun keinen Anspruch auf die Gelder erheben. Die AbL fordert, das Geld an die Bauern zurückzuzahlen und schlägt vor, das Vermögen bei der nächsten Auszahlung der EU-Direktzahlungen gleichmäßig und pauschal auf alle Betriebe auszuzahlen. Derzeit gibt es noch keine verlässlichen Angaben darüber, ob überhaupt und wie viel Geld am Ende der Abwicklung übrig bleibt.

Agrarkulturpreis Hohenlohe ausgelobt

(27.09.2010) Die bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall schreibt erstmals den Agrarkulturpreis Hohenlohe aus. Mit dem Preis soll das Bewusstsein für die ländliche Kultur gefördert und die Kulturleistungen der ländlichen und bäuerlichen Gesellschaft für unsere Gesellschaft gewürdigt werden. Der Preis wird in den Kategorien Ökologie, Biodiversität sowie Soziales und Kultur vergeben. Diese sind mit je 1.000 Euro dotiert. Ein Gesamtsieger für besondere Verdienste im Bereich nachhaltiger ländlicher Entwicklung erhält 3.000 Euro. Die bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall will mit dem Agrarkulturpreis jährlich besondere Leistungen von aktiven Landwirten und Landfrauen und Personen und Gruppen aus dem ländlichen Raum ehren. Bewerbungen und Vorschläge können bis zum 15.10.2010 eingereicht werden.

Rapunzel/IFOAM: "One World Award 2010" verliehen

(24.09.2010) Hans Rudolf Herren und Rachel Anyango Agola erhalten den One World Award (OWA) 2010. Der internationale Preis wurde von Biopionier und Rapunzel-Vorstand Joseph Wilhelm ins Leben gerufen und wird in Kooperation mit IFOAM verliehen. Im Mittelpunkt stehen Persönlichkeiten mit innovativen Projekten, die sich mit Engagement und Mut für eine lebenswerte Zukunft einsetzen. Herren wurde für sein Engagement für eine innovative Wissenschaft im Einklang mit natürlichen Ökosystemen sowie für die Gründung seiner Stiftung "Biovision", deren Hauptziel die Umsetzung der Weltagrarrat-Empfehlungen ist, gewürdigt. Agola wurde für ihre Verdienste als Pionierin bei der Anwendung der "Push-pull-Methode" zur Verbesserung des Maisanbaus geehrt. Die OWA-Auszeichnung für das Lebenswerk erhielt der Inder Bhaskar H. Save, der drei Generationen von Kleinbauern zum Biolandbau inspiriert und unermüdlich für eine Biostrategie in der indischen Agrarpolitik kämpft. Der OWA-Ehrenpreis für besondere Persönlichkeiten ging an Prof. Wangari Matu Maathai, die 1977 das Green Belt Movement gründete, das in Afrika seitdem mehr als 40 Millionen Bäume gepflanzt hat. Die Preisträger eint, dass sie eine Globalisierung fördern, die sich nicht ausschließlich an der Maximierung von Gewinnen, sondern an den drei Säulen der Nachhaltigkeit, der Ökologie, den sozialen Aspekten und der Ökonomie orientiert.

Verbund Ökologische Praxisforschung gegründet

(22.09.2010) Rund 60 Vertreter der Biobranche sind am 21. September auf die Hessische Staatsdomäne Frankenhausen gekommen, um an der Gründung des "Verbund Ökologische Praxisforschung" (VÖP) teilzunehmen. Nach dem Prinzip "Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile" wollen die beiden führenden Ökoerzeugerverbände Bioland und Naturland sowie die beiden etablierten Forschungs- und Bildungseinrichtungen Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) und Stiftung Ökologie & Landbau (SÖL) in dem VÖP effizienter miteinander kooperieren, um aktuelle und zukünftige Herausforderungen im Ökolandbau besser lösen zu können. Ziel dieses Netzwerks ist es, die Bereiche Forschung & Entwicklung, Wissenstransfer und Bildung besser zu verzahnen. Durch die partnerschaftliche Zusammenarbeit möchte der Verbund mehr Nutzen für die Biobetriebe in Deutschland erreichen, als jeder für sich alleine es könnte. Gemeinsame Projekte sollen Synergien ermöglichen, die der gesamten Biobewegung zugute kommen.

Visionen für ein besseres Leben

(20.09.2010) Anlässlich des 20. Jahrestages der Gründung des “Right Livelihood Award” (Alternativer Nobelpreis) trafen sich eine Vielzahl der insgesamt 137 Preisträger vergangenen Donnerstag in Bonn. Die International Foundation for Organic Agriculture (IFOAM) nutzte diese Gelegenheit, um diejenigen der Laureaten, die aus dem Umfeld des Ökolandbaus kommen, besonders zu würdigen. Rund 200 Teilnehmer aus 15 Ländern kamen zusammen, um an der Konferenz "Inspirationen und Visionen für ein besseres Leben" teilzunehmen. Organisiert wurde die Veranstaltung von der IFOAM und der Agentur Colabora mit dem Ziel, Mut zu machen für Veränderungen und selbst aktiv zu werden gegen die Ernährungs- und Klimakrise. Zehn Preisträger des Alternativen Nobelpreises stellten sich und ihre Arbeit in informativen Plenarsitzungen und Workshops vor. Ein Höhepunkt des Tages war die Veröffentlichung der IFOAM Declaration for Living Change: Die von den Organisatoren und Preisträgern gemeinsam formulierten Überzeugungen und Forderungen, sind als Aufruf zum Wandel allen Völkern der Erde ans Herz gelegt. Die Erklärung stellt das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der Natur, den Respekt für Mensch und Umwelt sowie die Dringlichkeit einer nachhaltigen Entwicklung, die den Schutz der Biodiversität und soziales Wohlergehen berücksichtigt, in den Vordergrund. Das IFOAM-Papier kann online unterzeichnet und heruntergeladen werden.

Berichte über die Tagung:

Staatliches Bio-Siegel: Jetzt auf 60.000 Produkten

(16.09.2010) 60.000 Produkte sind jetzt mit dem staatlichen Bio-Siegel ausgezeichnet. Das meldet die Informationsstelle Bio-Siegel der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), die im Rahmen der vorgeschriebenen Anzeigepflicht alle mit dem Bio-Siegel gekennzeichneten Produkte erfasst. Die BLE ist für die Registrierung des staatlichen Bio-Siegels zuständig. Das deutsche Bio-Siegel als bundeseinheitliches Zeichen für Erzeugnisse aus dem ökologischen Landbau wurde vor neuen Jahren ins Leben gerufen. Nach einer Umfrage des Nürnberger Marktforschungsunternehmens Konzept & Analyse aus dem Jahr 2008 ist es 87 Prozent der Deutschen vertraut. Auch mit der Einführung des neuen EU-Bio-Logos am 01.07.2010 kann das deutsche Bio-Siegel weiter zusätzlich verwendet werden.

AoeL fordert neue Regeln für Nahrungsmittelmärkte

(15.09.2010) Mit Essen spielt man nicht - erst recht nicht an den Börsen. Das sagt die Assoziation ökologischer Lebensmittel-Hersteller (AoeL) mit Blick auf die jüngsten Preisexplosionen an den internationalen Getreide- und Nahrungsmittelmärkten. Es dürfe nicht sein, dass trotz ausreichender Ernten derzeit Engpässe nur deshalb entstehen, weil Spekulanten die Preise von Agrarrohstoffen künstlich in die Höhe treiben. Die AoeL begrüßt daher den Vorstoß der Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner, die gemeinsam mit der französischen Regierung innerhalb der G20 eine Initiative zur Begrenzung der Energie- und Rohstoffpreis-Schwankungen einbringen will. Die Lebensmittel-Hersteller fordern, dass an Terminmärkten nur Produzenten, Händler oder Abnehmer eines Rohstoffs handeln dürfen und reine Spekulanten ausgeschlossen werden.

BÖLW-Herbsttagung: Wie viel Öko braucht die Welt?

(14.09.2010) Die Herbsttagung des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) steht in diesem Jahr unter dem Motto: Wie viel Öko braucht die Welt? - Recht auf Nahrung und Belastungsgrenzen des Erd-Ökosystems. Dazu werden am 28.10.2010 in Berlin Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft diskutieren und sich wichtigen Fragen zum Recht auf Nahrung und den Belastbarkeitsgrenzen ökologischer Systeme stellen: Wie stellt sich die augenblickliche Situation dar und was muss getan werden? Welche konkreten steuer-, forschungs- und finanzpolitischen sowie ordnungsrechtlichen Maßnahmen sind notwendig und realisierbar? Und: Welchen Beitrag kann der Ökologische Landbau leisten bzw. wie kann dieser sicher gestellt werden? Gastredner aus Politik und Wissenschaft werden in Vorträgen und einer Expertenrunde den Stand des Wissens aufzeigen und Lösungen diskutieren.

Bayerische Staatsmedaille an 21 Ökolandwirte vergeben

(12.09.2010) 21 Ökolandwirte aus ganz Bayern sind bei den Bayerischen Ökoerlebnistagen mit der Staatsmedaille ausgezeichnet worden. Landwirtschaftsminister Helmut Brunner würdigte damit ihren langjährigen ehrenamtlichen Einsatz für den ökologischen Landbau in Bayern. "Als Leistungsträger und Vorbilder haben sie in vielen Gremien Verantwortung übernommen und damit einen wichtigen Beitrag zur positiven Entwicklung der ökologischen Landwirtschaft in Bayern geleistet", lobte der Minister die Preisträger. Die Staatsregierung unterstütze zwar den ökologischen Landbau wie kein zweites Bundesland, der erfreuliche Aufwärtstrend wäre aber ohne das große persönliche Engagement der Verantwortlichen in den Anbau-verbänden nicht möglich. Die Zahl der Ökobetriebe in Bayern ist in den vergangenen zwei Jahren um insgesamt 17 Prozent auf 6.250 gewachsen. Sie bewirtschafteten landesweit eine Fläche von mehr als 190.000 Hektar nach ökologischen Vorgaben.

Bio im Fachhandel wächst stärker

(09.09.2010) Im zweiten Jahr hintereinander verzeichnet Bio aus dem Naturkostfachhandel gegenüber den Biosortimenten des konventionellen Lebensmitteleinzelhandel (LEH) und der Discounter das stärkere Wachstum. Das teilt der BNN in einer Pressemeldung mit. So erreichte der Naturkost-fachhandel im ersten Halbjahr 2010 ein Umsatzplus von 9,1 Prozent (2009: plus 6,3 Prozent), während der LEH lediglich auf ein Plus von 4,5 Prozent (2009: minus 4 Prozent) kam. Diese positive Entwicklung geht einher mit einer Zunahme der Arbeitsplätze in der Biobranche. So stieg nach Auskunft des PresseForums BioBranche die Zahl der Beschäftigten in den Jahren 2008 und 2009 um 5,7 Prozent auf rund 180.000 in den Bereichen Erzeugung, Herstellung, Handel und Dienstleistungen.

SÖL und FiBL Deutschland gründen FiBL & Partner GmbH

(06.09.2010) Am 6. September 2010 haben die Stiftung Ökologie & Landbau und FiBL Deutschland e.V. die FiBL & Partner GmbH gegründet. Beide Organisationen sind gleichberechtigte Partner mit jeweils 50 Prozent der Anteile. Durch diese Gründung soll eine größere und damit leistungsfähigere Struktur geschaffen und die bestehende Zusammenarbeit gestärkt werden. Die Geschäftsführung wird durch SÖL-Vorstand Dr. Uli Zerger und Dr. Robert Hermanowski, Leitung FiBL Deutschland, wahrgenommen. Die FiBL & Partner GmbH wird zugleich Partner im Verbund Ökologische Praxisforschung (VÖP), der am 21. September 2010 zusammen mit Bioland und Naturland in Frankenhausen gegründet wird.

Kontakt: Dr. Uli Zerger und Dr. Robert Hermanowski

Geballte Ökoweinbau-Kompetenz

(02.09.2010) Ecovin hat den ersten verbandsüber-greifenden Arbeitskreis zum Ökologischen Weinbau initiiert. Erstmals trafen sich Experten des Ökoweinbaus von Ecovin, Bioland, Demeter, der Forschungsanstalt Geisenheim, dem DLR, der SÖL und des Beratungs-dienstes Ökologischer Weinbau, um aktuelle Themen zu diskutieren. Seit der Gründung vor 25 Jahren finden bei Ecovin interne Arbeitskreissitzungen zum Bioweinbau statt, in denen an den Richtlinien des Verbands gearbeitet wird. Die Teilnehmer äußerten sich sehr positiv über die offene Zusammenarbeit und betonten die Notwendigkeit, zukünftig gemeinsam an aktuellen Themen zu arbeiten.

Ökomonitoring: Biolebensmittel einwandfrei

(02.09.2010) Bioprodukte sind in Hinblick auf Pflanzenschutzmittelrückstände einwandfrei. Das ist das Ergebnis des aktuellen Ökomonitoringberichts des Landes Baden-Württemberg. Dafür wurden 2009 rund 900 Lebensmittel aus ökologischer Erzeugung gezielt auf bestimmte Inhaltsstoffe, Rückstände und Schadstoffe untersucht. Das Untersuchungsspektrum umfasst inzwischen mehr als 500 Stoffe und reicht dabei von in Bioprodukten nicht zugelassenen Zusatzstoffen über Pflanzenschutzmittel in Obst und Gemüse, Furane in Kaffee und Acrylamid in Keksen bis hin zu Dioxin in Eiern und Rindfleisch. Insgesamt vergeben die Lebensmittelkontrolleure des Landes den Ökoprodukten sehr gute Noten, 99 Prozent der Proben sind ohne Beanstandung.