Nachrichtenarchiv Oktober 2010

Nachrichtenübersicht
Fachforen zum Ökolandbau auf der EuroTier 2010
Gewinn bei Agrochemie-Konzern Monsanto bricht ein
EU: Mehrheit für nationale Gentechnik-Anbauverbote
EUROSOLAR-Präsident Herrmann Scheer gestorben
Baden-Württemberg bremst den Ökolandbau aus
EU-Agrarpolitik soll stärker an Umweltmaßnahmen ausgerichtet werden
Neue Ausgabe der Ökologie & Landbau erschienen
"Bio-Bodenfonds Schorfheide" erwirbt 2.550 Hektar Land
EU-Reinheitsgebot für Saatgut in Gefahr?
Mehr Biolandbau ist vorbeugender Hochwasserschutz

Fachforen zum Ökolandbau auf der EuroTier 2010

(28.10.2010) Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) und die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) bieten ein umfassendes Fachprogramm zur ökologischen Tierhaltung auf der internationalen Leitmesse EuroTier 2010 an, die vom 16. bis zum 19. November in Hannover stattfindet. In sechs Fachforen sollen aktuelle Forschungsergebnisse von Experten aus Wissenschaft und Praxis aufgegriffen und neueste Erkenntnisse zu Tierfütterung, Tiergesundheit, Tierzucht und Tierhaltung dargestellt werden. Das Fachprogramm richtet sich neben der interessierten Öffentlichkeit vor allem an Biolandwirte und Berater sowie an Land- und Teichwirte, die eine Umstellung auf eine ökologische Wirtschaftsweise planen.

Gewinn bei Agrochemie-Konzern Monsanto bricht ein

(21.10.2010) Der Agrochemie-Konzern Monsanto hat erneute Gewinnverluste hinnehmen müssen. Der Gewinn im Ende August abgeschlossenen Geschäftsjahr 2010 sank von 1,54 Millarden Euro im Jahr zuvor auf 0,8085 Millarden Euro. Der Umsatz ging um 10,4 Prozent zurück. Besonders im Bereich der Agrarproduktivität sank der Umsatz deutlich. Dazu zählt das Geschäft mit dem Glyphosat-haltigen Herbizid Roundup, das in Kombination mit den gentechnisch veränderten Soja-Bohnen Roundup Ready verkauft wird. Roundup ist kürzlich in die Kritik geraten, weil neue wissenschaftliche Erkenntnisse die hohen Gesundheitsrisiken belegen, die von der Anwendung von Glyphosat ausgehen. Beim Geschäft mit Saatgut und Gentechnik stieg hingegen der Umsatz. 70 Prozent des gesamten Umsatzes Monsantos macht dieser Bereich aus. Monsanto ist der weltweit größte Gentechnik- und Saatgut-Konzern. Er produziert die einzig in der EU zum Anbau zugelassene Gentechnik-Mais-Pflanze MON 810, für die in mehreren EU-Ländern jedoch ein Anbau-Verbot gilt.

EU: Mehrheit für nationale Gentechnik-Anbauverbote

(18.10.2010) Die EU-Mitgliedsstaaten sollen mehr Mitspracherechte beim Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen bekommen. Ein entsprechender Vorschlag von EU-Verbraucherkommissar John Dalli erhielt beim Umweltministerrat in der vergangenen Woche Zustimmung von einer Mehrheit der EU-Umweltminister. Der im Juli dieses Jahres vorgelegte Entwurf sieht vor, nationale Selbstbestimmung von Gentechnik-Anbauverboten einzuführen. Im Gegenzug soll die Zulassung von Gentechnik-Pflanzen zukünftig beschleunigt werden. Vergangene Woche sprachen sich sowohl gentechnikkritische Staaten wie Griechenland und Österreich für den Vorschlag aus als auch der Gentechnik bisher aufgeschlossene Staaten wie die Niederlande oder Großbritannien. Frankreich, Spanien und Deutschland lehnten den Vorschlag ab. Die deutsche Regierung sorgt sich vor allem um den EU-Binnenmarkt, während Frankreich eine Überarbeitung der oft kritisierten Regeln für die wissenschaftliche Beurteilung von Gentechnik-Pflanzen fordert. Bis zum Jahresende will die Kommission einen Bericht über die sozioökonomischen Kriterien bei der Zulassung von Gentechnik-Pflanzen vorlegen.

EUROSOLAR-Präsident Herrmann Scheer gestorben

(15.10.2010) Herrmann Scheer ist tot. Der Präsident der Europäischen Vereinigung für Erneuerbare Energien EUROSOLAR e.V. und Vorsitzende des World Council for Renewable Energy (WCRE) starb am 14. Oktober plötzlich und unerwartet im Alter von 66 Jahren. Scheer war seit 1965 Mitglied der SPD und saß für die Partei seit 1980 im Bundestag. Von 1993 bis November 2009 gehörte er dem Parteivorstand an. Er engagierte sich vor allem für die Umwelt und den Einsatz erneuerbarer Energien und erhielt dafür zahlreiche internationale Auszeichnungen, darunter den Weltsolarpreis 1998. Ein Jahr später wurde er für seinen "unermüdlichen Einsatz zur weltweiten Förderung der Sonnenenergie" mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Vom amerikanischen "Time Magazine" wurde Scheer als "Hero for the Green Century" (Held des grünen Jahrhunderts) ausgezeichnet. Er schrieb zahlreiche Bücher und war auch als Herausgeber tätig.

Baden-Württemberg bremst den Ökolandbau aus

(13.10.2010) "Baden-Württemberg droht damit, die Türe für eine Ausweitung des Ökolandbaus zuzuschlagen", so die Bilanz der Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg (AÖL) nach Gesprächen im Landwirtschaftsministerium. Laut Aussage von Ministeriumsmitarbeitern wird es im kommenden Jahr keine Erhöhung der Prämien aus dem Agrarumweltprogramm MEKA geben. Zudem ist im Gespräch, die Höhe der Mittel einzufrieren. Damit würden landwirtschaftliche Betriebe, die auf Ökolandbau umstellen möchten, dafür zukünftig keine Landesförderung mehr erhalten. Laut AÖL wäre das deutschlandweit einmalig und würde das mögliche Wachstum des Ökolandbaus im Südwesten massiv ausbremsen. Die AÖL setzt sich deshalb für ein neues Finanzierungsmodell der EU-Agrarzahlungen ein. Besonders wirksame Agrarumweltmaßnahmen müssten in Zukunft auch zu hohen Teilen durch die EU mitgetragen werden. Bisher werden die Direktzahlungen zu 100 Prozent durch die EU finanziert, während Maßnahmen wie Agrarumweltprogramme und die Förderung des ökologischen Landbaus von den Ländern ko-finanziert werden müssen. So führt die prekäre Haushaltslage in den Ländern dazu, dass effiziente Fördermaßnahmen gekürzt oder ganz gestrichen werden.

EU-Agrarpolitik soll stärker an Umweltmaßnahmen ausgerichtet werden

(12.10.2010) Die EU-Kommission will offenbar die Gemeinsame EU-Agrarpolitik für den Zeitraum nach 2013 stärker am Umweltschutz ausrichten. Umweltorganisationen und Verbände begrüßen einige Ansätze der jetzt bekannt gewordenen ersten Entwürfe der EU-Kommission für die Europäische Agrarpolitik. Ein Schritt in die richtige Richtung ist laut Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) beispielsweise der Vorschlag, Direktzahlungen aus Brüssel unmittelbar an Umweltleistungen binden zu wollen. Künftig sollen entsprechend den Entwürfen Landwirtschaftsbetriebe eine Basisprämie je Hektar erhalten. Dies aber nur, wenn sie sich jährlich zu Umweltmaßnahmen verpflichten. Laut Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) zeigt die Kommission damit, dass sich der notwendigen sozialen und ökologischen Qualifizierung der Direktzahlungen ernsthaft zuwendet. Das ist eine erste Bestätigung für die Arbeit der gesellschaftlichen Verbände, die sich auf deutscher Ebene in der Verbändeplattform zusammengefunden haben.

Neue Ausgabe der Ökologie & Landbau erschienen

(11.10.2010) In ihrer Ausgabe 4/2010 räumt die ÖKOLOGIE & LANDBAU auf mit Vorurteilen wie "Wiederkäuer sind Klimakiller" und liefert Fakten, stellt Zusammenhänge klar und diskutiert über die Bedeutung und Potenziale von Wiederkäuern und Grünland in der derzeitigen Klima- und Welternährungsdebatte, und sie hinterfragt, welche Ansätze der Ökolandbau dazu liefert. Ist die Ökorinderhaltung so schädlich wie oft unterstellt wird? Es wird erläutert, welchen Beitrag die Weidewirtschaft mit Wiederkäuern zur Boden-fruchtbarkeit leisten kann und warum sie das Potenzial hat, mehr Kohlenstoff zu speichern als jede andere landwirtschaftliche Praxis. Außerdem in der Diskussion: wie sich eine Kraftfutterreduktion bei Milchziegen positiv für Welternährung und Klimaschutz auswirken kann und dass auch in modernen Biobetrieben Platz ist für extensiv bewirtschaftete, artenreiche Wiesen als Fütterungsgrundlage. ÖKOLOGIE & LANDBAU stellt dar, welche Lobby gebraucht wird, um die Potenziale von Grünland und Wiederkäuern besser zu nutzen, und es wird beleuchtet, welche positiven Auswirkungen Grünfutter auf die Qualität von Biomilch hat.

"Bio-Bodenfonds Schorfheide" erwirbt 2.550 Hektar Land

(06.10.2010) Ein von der GLS-Bank initiierter und von privaten Anlegern mit Kapital ausgestatteter Fonds hat 2.550 Hektar Land erworben. Der "Bio-Bodenfonds Schorfheide" verpachtet das Land mit der Maßgabe einer mindestens 18-jährigen ökologischen Weiterbewirtschaftung an einen Zusammenschluss von zwölf Biobetrieben. Das Land war einst Eigentum der DDR und sollte nun von der bundeseigenen Bodenverwertungs- und -verwaltungsgesellschaft (BVVG) privatisiert werden. Mit Hilfe des Bio-Bodenfonds können sich die Betriebe auch vor dem Hintergrund gestiegener Bodenpreise und der aktuellen Privatisierungspolitik des Bundes weiter entwickeln. Auch der räumliche Zusammenhang und Fortbestand des mit etwa 12.000 Hektar größten ökologischen Ackerbaugebietes in Europa im UNESCO Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin ist damit gesichert. Die Anteile wurden als Genussscheine an Zeichner gegeben. Aufgrund des großen Interesses, sowohl bei ökologisch wirtschaftenden Betrieben, als auch bei Anlegern, will der Fonds nun auch in anderen Regionen Deutschlands Flächen erwerben.

EU-Reinheitsgebot für Saatgut in Gefahr?

(05.10.2010) Die Länder Bayern und Hessen wollen das EU-Reinheitsgebot für Saatgut mit ihren Anträgen an die Agrarministerkonferenz aushebeln. Für Saatgut gilt in der EU ein Reinheitsgebot. Verunreinigungen mit Gen-Saaten sind verboten und Saatgut darf nicht vermarktet werden, wenn es auch nur minimale Spuren von Gentech-Sorten enthält. Diese strengen Regelungen wollen nun die Länder Bayern und Hessen aufheben. Danach sollen die Behörden künftig nur noch dann einen Rückruf des Saatgutes anordnen können, wenn die Verunreinigung in der behördlichen Nachkontrolle über 0,1 Prozent liegt. Bioland und Greenpeace lehnen dies entschieden ab. Saatgut müsse mit hoher Priorität vor jeglicher Verunreinigung mit Gen-Saaten geschützt werden, um die Existenz einer Landwirtschaft ohne Gentechnik zu gewährleisten. Sie fordern die anderen Bundesländer auf, die Anträge aus Bayern und Hessen zur Aufweichung der Nulltoleranz abzulehnen. Stattdessen müssten die Bundesländer Saatgut intensiver überprüfen, damit die Saatgutfirmen ihre Qualitätssicherung verbessern. Die Agrarminister der Länder treffen sich vom 6. bis 8. Oktober in Lübeck zur Agrarministerkonferenz 2010.

Mehr Biolandbau ist vorbeugender Hochwasserschutz

(01.10.2010) Der Ökolandbau kann dazu beitragen, den Hochwasserschutz in Deutschland zu verbessern. Das Wasserrückhaltepotenzial von ökologisch bewirtschafteten Flächen liegt im Vergleich zu konventionell bewirtschafteten Flächen um 39 Prozent höher. Dies ergab eine aktuelle Untersuchung des Julius-Kühn-Instituts. Die Forscher empfehlen daher, die flächenmäßige Ausdehnung des Ökolandbaus als vorrangige ökologische Ausgleichsmaßnahme unbedingt anzustreben und mit Mitteln und Instrumenten der Agrarpolitik zu fördern. Laut Bioland-Verband zeigt die aktuelle Hochwasserlage in Ostdeutschland, wie dringend ein vorsorgender Hochwasserschutz ist. Eine Ausdehnung des Biolandbaus käme den Steuerzahler dabei weitaus günstiger, als allein auf teuren technischen Hochwasserschutz zu setzen. Die Bundesregierung hat sich in der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie das Ziel gesetzt, in den nächsten Jahren 20 Prozent der Agrarfläche auf Biolandbau umzustellen - aktuell ist aber nur ein Anteil von 5,6 Prozent erreicht.