Nachrichtenarchiv Juli 2010

Nachrichtenübersicht
BÖLW wird Gastgeber der BioFach
Indikatorenbericht 2010: Entwicklung des Ökolandbaus "wolkig
UNESCO ehrt Karstadt-Projekt "Bio erleben"
Neues Internetportal: www.die-bessere-agrarpolitik.de
Neun Prozent Umsatzwachstum im Biofachhandel
Italien: Biofläche um 10 Prozent gewachsen
Gentechnikfreies Europa 2010 - Jetzt anmelden
Neue Ö&L: Weiterentwicklung des Ökolandbaus
Ökolandbau wächst stabil weiter
Koexistenz-Vorschläge "vollkommen inakzeptabel"
Bücher und Tomaten: Amazon wird Lebensmittelhändler
Marktanalyse für ökologische Aquakulturerzeugnisse

BÖLW wird Gastgeber der BioFach

(30.07.2010) Der Bundesverband Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) und die NürnbergMesse arbeiten künftig bei der Weltleitmesse BioFach noch enger zusammen. Der BÖLW übernimmt dabei als nationaler Träger eine Gastgeberfunktion gegenüber der internationalen Biobranche, während die International Federation of Organic Agriculture Movements (IFOAM) weiterhin Schirmherr und ideeller Träger der BioFach mit ihren fünf Töchtern in Japan, USA, Brasilien, China und Indien bleibt. Mit diesem Schritt möchte der BÖLW "gemeinsam mit der Biofach gesellschaftspolitische Akzente setzen und ihre zentrale Bedeutung für den deutschen Markt unterstreichen", so Felix Prinz zu Löwenstein, Vorstandsvorsitzender des BÖLW. Claus Rättich, Mitglied der Geschäftsleitung der NürnbergMesse, bezeichnet die Übereinkunft als "zukunftsweisende Kooperation" und auch Markus Arbenz, Geschäftsführer der IFOAM, ist begeistert, dass "der BÖLW für eine engere Zusammenarbeit im Rahmen der BioFach gewonnen werden konnte".

Indikatorenbericht 2010: Entwicklung des Ökolandbaus "wolkig"

(29.07.2010) Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat heute den Indikatorenbericht 2010 zur nachhaltigen Entwicklung in Deutschland vorgelegt. Nach 2006 und 2008 ist das die dritte Bestandsaufnahme, die anhand von 35 Indikatoren zeigen soll, inwieweit die gesteckten Ziele der deutschen Nachhaltigkeits- strategie in 21 Bereichen voraussichtlich erreicht werden. Im Bereich Landbewirtschaftung ist neben dem Stickstoffüberschuss der ökologische Landbau Indikator zur Messbarkeit der Nachhaltigkeit. Für ihn ist als Ziel ein 20-prozentiger Flächenanteil festgelegt - allerdings ohne Zeitvorgabe. In dem Bericht wird diesmal bei der Bewertung auf plakative Wettersymbole zurückgegriffen - von "sonnig" bis "Gewitter". Der Ökolandbau erhält ein "wolkig", da er sich zwar in die von der Nachhaltigkeitsstrategie gewünschte Richtung entwickelt, diese aber nicht schnell genug stattfindet. Der Indikatorenbericht dient als Informationsgrundlage, aus der politische Maßnahmen abgeleitet werden können, die zur Erreichung der dort genannten Ziele führen.

UNESCO ehrt Karstadt-Projekt "Bio erleben"

(28.07.2010) Das Projekt "Bio erleben" ist zum zweiten Mal mit dem Titel "Offizielles UNESCO-Projekt der Weltdekade für nachhaltige Bildung" ausgezeichnet worden. Bei dem Projekt kooperiert die Kaufhauskette Karstadt mit Grundschulen in 15 deutschen Städten. In der Feinkostabteilung der Kaufhausfiliale vor Ort bereiten die Schüler mit einem Koch ein Menü mit Zutaten aus ökologischem Anbau zu. Gleichzeitig gibt der Koch entsprechende Hinweise über die Vorzüge biologischer Lebensmittel. Im Vorfeld werden die Schüler im Unterricht auf die Aktion vorbereitet. Auch die Eltern werden eingebunden und erfahren im Zuge eines speziellen Elternabends Neues und Wissenswertes über ökologischen Landbau. Das Projekt startete 2007 und wird vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gefördert. Die UNESCO vergibt weltweit Auszeichnungen an besondere Projekte, die sich als Beispiele für umweltgerechte und nachhaltige Entwicklung hervorgetan haben.

Neues Internetportal: www.die-bessere-agrarpolitik.de

(27.07.2010) Die Stiftung Euronatur hat in Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) eine neue Internetseite zur Zukunft der Gemeinsamen Agrarpolitik nach 2013 erstellt. Unter www.die-bessere-agrarpolitik.de werden die Ergebnisse des Analyse- und Diskussionsprozesses der Verbändeplattform zur Reform der Agrarpolitik dargestellt. Die Verbändeplattform ist ein Zusammenschluss von 29 Verbänden aus den Bereichen Umwelt- und Naturschutz, Landwirtschaft, Entwicklungspolitik sowie Tier- und Verbraucherschutz. Auf der neuen Internetplattform sind die Forderungen für eine ökologische Neuausrichtung der Agrarpolitik, die am Gemeinwohl orientiert ist, Umweltaspekte berücksichtigt und eine nachhaltige ländliche Entwicklung fördert, formuliert und Lösungsvorschläge für eine zukunftsfähige Landwirtschaft dargestellt. Das Portal soll der Öffentlichkeit ermöglichen, ein genaues Bild von den derzeitigen politischen Prozessen zu erhalten und sich in die Debatte einzubringen.

Neun Prozent Umsatzwachstum im Biofachhandel

(26.07.2010) Der Umsatz im deutschen Naturkostgroßhandel ist im ersten Halbjahr 2010 um 9,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen. Dabei waren frische und verpackte Bioprodukte annähernd gleich stark gefragt. Diese Bilanz ergab die aktuelle Auswertung der Daten, die der Bundesverband Naturkost Naturwarten (BNN) Herstellung und Handel monatlich von den Biogroßhandelsunternehmen erhält. Auch das "Umsatzbarometer BioHandel" meldete positive Ergebnisse für das erste Halbjahr 2010. Danach erzielte der Naturkost-Einzelhandel einen Zuwachs von 4,8 Prozent im Vergleich zur Vorjahresperiode. Aus methodischen Gründen erscheinen die Zuwachsraten im Umsatzbarometer regelmäßig geringer als beim BNN Herstellung und Handel, da neu eröffnete Läden und Erweiterungsflächen nicht berücksichtigt werden. In Deutschland bewirtschafteten Ende 2009 mehr als 21.000 Biobetriebe fast eine Million Hektar. Das sind 5,6 Prozent der deutschen Landwirtschaftsfläche.

Italien: Biofläche um 10 Prozent gewachsen

(20.07.2010) In Italien ist die Biofläche 2009 um 10,4 Prozent gewachsen. 1,1 Millionen Hektar werden damit ökologisch bewirtschaftet. Mit insgesamt 40.462 reinen Ökobetrieben ist Italien damit nach eigenen Angaben EU-weit führend. Weitere 2.465 Unternehmen produzieren und verarbeiten ihre Erzeugnisse selbst. Darauf hat die Regierung unter Bezug auf Daten des nationalen Informationssystems für Biolandwirtschaft (SINAB) hingewiesen. Italien liegt weltweit auf dem sechsten Platz im Ökobereich hinter Australien, Argentinien, Brasilien, China und den USA. Schwerpunkte der italienischen Bioproduktion sind laut der offiziellen Statistik Getreide, Obst und Gemüse und Zitrusfrüchte. Einen ebenfalls hohen Anteil haben Futtermittel, Wiesen und Weideflächen. Verstärkt biologisch kultiviert werden mittlerweile auch Zitrusfrüchte und Trauben. Landwirtschaftsminister Galan kündigte einen weiteren Bürokratieabbau an und sagte zu, dass die Regierung den Export von Bioprodukten mit staatlicher Hilfe weiter ausbauen will.

Gentechnikfreies Europa 2010 - Jetzt anmelden

(16.07.2010) Gentechnikfreies Europa 2010 - die 6. Konferenz der Gentechnikfreien Regionen in Europa, findet vom 16.-18. September in Brüssel und Gent statt. Anmeldungen sind jetzt möglich. Die Tagung soll zur weiteren Vernetzung und Strategiebildung der Anti-Gentechnik-Bewegung in Europa beitragen. Kommende Herausforderungen sollen diskutiert und gemeinsame Aktionen zu GVOs und anderen relevanten Themen vorbereitet werden. Die Organisatoren, darunter die Zukunftsstiftung Landwirtschaft, IFOAM EU-Gruppe, das Gen-Ethische Netzwerk, Save our Seeds und Greenpeace laden alle Organisationen, Initiativen und Institutionen, die sich für gentechnikfreie Lebensmittel und Landwirtschaft einsetzen, zur Teilnahme ein.

Neue Ö&L: Weiterentwicklung des Ökolandbaus

(15.07.2010) Der Ökolandbau hat eine vielversprechende Zukunft vor sich. Vorausgesetzt Qualität, Glaubwürdigkeit, Prinzipientreue und Innovationskraft werden kontinuierlich weiterentwickelt. In den nächsten Jahren steht die Branche daher vor vielen neuen Aufgaben, die sie anpacken muss: Biodiversität, Energieeffizienz, Nährstoffkreisläufe und Sozialstandards. Die soeben erschienene Ausgabe 3/2010 der ÖKOLOGIE & LANDBAU ergründet, wie sich der Ökolandbau diesen Herausforderungen stellt und beleuchtet, wie sich die Maßstäbe der Bioproduktion verändert haben und was die Branche tut, um ihre Normen und Werte kontinuierlich zu hinterfragen und einzulösen.

Ökolandbau wächst stabil weiter

(06.07.2010) Ungeachtet der schwierigen gesamtwirtschaftlichen Lage hat der ökologische Landbau in Deutschland auch im Jahr 2009 weiter zugelegt. So ist die ökologisch bewirtschaftete Fläche in Deutschland 2009 um 4,3 Prozent (2008: 5 Prozent) gewachsen. Die Zahl der ökologisch wirtschaftenden Betriebe stieg um 6,2 Prozent an (2008: 6,1 Prozent). Dies geht aus den Jahresmeldungen der Länder über den ökologischen Landbau 2009 hervor. Demnach wurden im vergangenen Jahr in Deutschland etwa 947.115 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche (LF) von insgesamt 21.047 Betrieben nach den europäischen Regeln des ökologischen Landbaus bewirtschaftet. Das ist ein Zuwachs von 39.329 Hektar Nutzfläche gegenüber 2008. Entsprechend hat die Zahl der Ökobetriebe gegenüber dem Vorjahr um 1.234 zugenommen. Insgesamt liegt der Anteil der Ökolandwirtschaft bei 5,6 Prozent - gemessen an der Gesamtzahl der landwirtschaftlichen Betriebe. Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) sieht den Ökolandbau daher als Zukunftssektor, der sich auch unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen stabil weiter entwickelt. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern würden jedoch zeigen, wie wichtig die politischen Rahmenbedingungen sind, damit Landwirte die Chance zur Umstellung auf den ökologischen Landbau ergreifen. Als inakzeptabel wird daher die Streichung der Ökoförderung in Schleswig-Holstein angesehen.

Koexistenz-Vorschläge "vollkommen inakzeptabel"

(06.07.2010) Der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik des Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) hat seine Stellungnahme "Koexistenz Gentechnik in der Land- und Ernährungswirtschaft" vorgelegt. Dieses Papier wird von Gentechnik-Kritikern als "blanker Hohn" ( Assoziation ökologischer Lebensmittel-Hersteller - AoeL) und "Generalangriff auf die gentechnikfreie Produktion" (Save our Seeds - SOS) abgelehnt, denn darin wird unter anderem gefordert, aus Kostengründen einen Grenzwert für Saatgut-Verunreinigungen von 0,3 Prozent einzuführen, obwohl der Beirat selbst darauf hinweist, dass dies eine Koexistenz erheblich erschweren wird und derart hohe Verunreinigungen bisher kaum vorgekommen sind. Ausserdem solle der Kennzeichnungsgrenzwert von 0,9 Prozent für Lebensmittel festgeschrieben werden - unabhängig davon, ob die Verunreinigung vermeidbar wäre. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) wirft dem Beirat vor, die EU-Gesetze zur Gentechnik bewusst falsch darzustellen, offenbar mit dem Ziel, der Verunreinigung der Land- und Lebensmittelwirtschaft mit gentechnisch veränderten Organismen aktiv Vorschub zu leisten.

Weitere Informationen:

Bücher und Tomaten: Amazon wird Lebensmittelhändler

(05.07.2010) Der Online-Einzelhändler Amazon verkauft seit 1. Juli 2010 in Deutschland auch Lebensmittel, darunter Bioprodukte und fair gehandelte Waren. Kunden können aus 25 Kategorien wählen, wobei auch frische Ware wie Fleisch, Gemüse und Obst angeboten wird. Die knapp 3.300 Produkte stammen von über 60 Anbietern. Die Bundesverbände Naturkost Naturwaren (BNN) sehen die Angebotserweiterung bei Amazon sehr kritisch: sind der Ansicht, dass sich ein anonymes Lieferantenumfeld, wie es für Amazon typisch sei, nicht für die qualitativ hochwertigen, ökologisch und sozial nachhaltigen Naturkostmarken eigne. Produkte und Lieferanten seien austauschbar, Beziehungspflege könne aufgrund der Sortimentsbreite nicht stattfinden. Dagegen biete nur der Fachhandel die angemessene persönliche Beratung, eine ansprechende Warenpräsentation, Frische und Freundlichkeit.

Marktanalyse für ökologische Aquakulturerzeugnisse

(01.07.2010) Deutschland ist weltweit der wichtigste Abnehmer für ökologische Aquakulturerzeugnisse. Das ist das Ergebnis der Studie "Marktanalyse für ökologische Aquakulturerzeugnisse", die die Uni Kassel in Kooperation mit der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft durchgeführt hat. Ziel war es, Markttransparenz für ökologische Aquakulturerzeugnisse zu schaffen. Dem noch sehr kleinen Markt werden mittelfristig hohe Wachstumsraten zugeschrieben. Der Wareneinkauf des Handels und der Verarbeitung wird jedoch von Importen dominiert, da die heimische Produktion nur eine marginale Rolle einnimmt. Hier wurden für Forellen im Gegensatz zum Karpfen sehr gute Marktchancen festgestellt. Das insgesamt nicht ausreichende Angebot hemmt die Entwicklung des Marktes bislang. In Österreich wurden drei Erfolgsfaktoren für die Partizipation heimischer Produkte am Markt identifiziert: die enge Vernetzung der Erzeuger, die eigene Teilstückvermarktung der Erzeugnisse (auch beim Karpfen) und die staatliche Förderung einer extensiven Teichwirtschaft.