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Startseite > Service > Nachrichtenarchiv > Februar 2010
(26.02.2010) Die Standorte von Ackerflächen, auf denen Gen-Raps versehentlich
angebaut wurde, müssen öffentlich gemacht werden. Das hat das Verwaltungsgericht
Schwerin entschieden, nachdem Bioland
und Greenpeace gegen
das Landwirtschafts-ministerium Mecklenburg-Vorpommern geklagt hatten. Sie
hatten geklagt, weil im Jahr 2007 die Aussaat von insgesamt 1.500 Hektar illegal
gentechnisch verunreinigtem Raps in Norddeutschland erfolgt war. Die Behörden
hatten sich unter Berufung auf den Datenschutz geweigert, die Standorte zu
nennen. In den vergangenen Jahren kam es jenseits des angemeldeten und im
Standortregister aufgenommenen Anbaus von Gen-Pflanzen wiederholt zur Aussaat
von ungenehmigten Gen-Saaten, weil Saatgutfirmen an Landwirte verunreinigtes
Saatgut geliefert hatten. So wurde im vergangenen Jahr in Rheinland-Pfalz
und Baden-Württemberg auf 270 Hektar gentechnisch kontaminiertes Maissaatgut
ausgebracht. Trotz Anbauverbot mussten die Saaten nicht umgepflügt werden.
(23.02.2010) Das Biosegment verbuchte nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) auch im Jahr 2009 eine steigende Nachfrage. Das Mengenwachstum fiel jedoch mit 2 Prozent wesentlich geringer aus als in den Vorjahren. Laut einer Analyse der GfK Panel Services kauften im letzten Jahr 94 Prozent der deutschen Haushalte Bioprodukte. Im Schnitt gaben sie dabei 84 Euro aus. Der Anteil des Biosegments an den Gesamtausgaben für Lebensmittel und Getränke summierte sich im Jahr 2009 auf 3,2 Prozent und konnte damit das Niveau von 2008 halten. Durchschnittlich 20-mal im Jahr griffen Verbraucher nach Ökoprodukten, einmal mehr als 2008. Zu den Gewinnern zählten in den vergangenen 12 Monaten Lieferdienste (plus 20 Prozent), Drogeriemärkte (plus 18 Prozent) und der Naturkosthandel (plus 2 Prozent). Rückläufig entwickelten sich die Bioumsätze bei den Reformhäusern (minus 5 Prozent), Discountern und Vollsortimentern (minus 3 Prozent).
(23.02.2010) Die Weltleitmesse für Bioprodukte BioFach, die vom 17. bis 20. Februar in Nürnberg stattfand, versammelte in diesem Jahr rund 43.500 (2009: 46.771) Fachbesucher. Von den 2.557 Ausstellern (2009: 2733), waren etwa zwei Drittel international. Das Thema des Jahres 2010 war "Organic + Fair", was sich in den 180 Veranstaltungen auf dem BioFach-Kongress, einer Sonderausstellung und an den Ständen der Austeller zeigte. Die Messe machte deutlich, dass der Trend zu einem ökologisch nachhaltigen und fairen Konsum ungebrochen ist. Als "Renner des Jahres" wurden dieses Jahr u. a. die Rote Grütze der westfälischen Biomolkerei Söbbeke prämiert. Die Marokko-Pfanne der Davert GmbH erhielt im Bereich haltbare Produkte die Auszeichnung. Der Jury-Preis im Foodbereich ging an alle Personen, Firmen und Organisationen des Biofisch-Sektors.
(22.02.2010) Agrarzahlungen sollten künftig an das Erbringen gesellschaftlicher Leistungen, wie Umwelt- und Klimaschutz, Erhalt der Biodiversität oder die Bereitstellung von Arbeitsplätzen, gebunden werden. Dies forderte Thomas Dosch, Vorstand des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), anlässlich einer BÖLW-Veranstaltung auf der BioFach. Dabei wurde die defensive Haltung der Bundesregierung zur Gestaltung der Agrarpolitik ab 2014 kritisiert: "Es geht nicht darum, die jetzige Verteilung der Fördermittel zu erhalten, sondern dass gesellschaftliche Ziele zur Maßgabe der Politik werden". Auch Vertreter aus der Politik stimmten zu, dass die neuen Herausforderungen, wie Klima-, Gewässer- und Umweltschutz, in der Neuausrichtung der Agrarpolitik berücksichtigt werden müssen. Der BÖLW forderte dazu auf, dem Ökolandbau dabei besonderes Augenmerk zu schenken. Kritisiert wurde, dass die Koalitionsfraktion jetzt Einschnitte in das Bundesprogramm Ökologischer Landbau angekündigt hat. Vertreter des Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, sagten zu, sich dafür einzusetzen, dass die vom Haushaltsausschuss des Bundestags beschlossene Kürzung der Forschungsgelder für den Ökolandbau um drei Millionen Euro rückgängig gemacht wird.
(22.02.2010) Der Umsatz auf bestehenden Flächen des Biofachhandels stieg im Jahr 2009 um 3,1 Prozent (2008: + 1,2 Prozent), einschließlich neuer Flächen sogar um 6,3 Prozent (2008: + 7,4 Prozent). Der Gesamtumsatz lag bei 1,95 Milliarden Euro (2008: + 1,85 Milliarden). Diese jüngsten Zahlen zur Entwicklung des Biofachmarktes gab der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) Herstellung und Handel e.V. auf der BioFach-Messe bekannt. Für den BNN ist dies ein Indiz dafür, dass Verbraucher gerade in Krisenzeiten auf glaubwürdige und zukunftsfähige Konzepte setzen: "Dieser Erfolg spricht für Naturkost. Offensichtlich schätzen die Kunden den Mehrwert von Bio aus dem Biofachgeschäft, insbesondere gegenüber dem Lebensmittel-einzelhandel und Discount, die in ihren Biosegmenten eine rückläufige Entwicklung verzeichnen", sagte Elke Röder, Geschäftsführerin des BNN Herstellung und Handel. Auf diesen Mehrwert zielt die BNN-Kampagne "Bio kann mehr!", die mittlerweile in knapp 400 Biofachgeschäften läuft. Hinter der Kampagne stehen Biounternehmen, für die Bio Kernkompetenz und nicht Imagefaktor ist. Sie setzen nachhaltige Kriterien, wie Klimafreundlichkeit, Umweltschutz, regenerative Energiequellen oder soziale Standards, entlang der gesamten Wertschöpfungskette um.
(22.02.2010) Weltweit werden 35 Millionen Hektar der landwirtschaftlichen Nutzfläche ökologisch bewirtschaftet. Im Vergleich zum Vorjahr sind das fast drei Millionen Hektar mehr Biofläche. Die neuen Zahlen für das Jahr 2008 gehen aus der Studie "The World of Organic Agriculture - Statistics and Emerging Trends 2010" hervor, die soeben erschienen ist. Sie wird herausgegeben vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) und der Internationalen Vereinigung Ökologischer Landbaubewegungen (IFOAM). Die größten Zuwächse gab es in Lateinamerika und in Europa. Fast 1,4 Millionen Produzenten wirtschaften biologisch, die meisten in Entwicklungsländern. Der größte Teil der globalen Biolandwirtschaftsfläche liegt in Ozeanien (34,7 Prozent), gefolgt von Europa (23,4 Prozent) und Lateinamerika (23,0 Prozent). Australien ist das Land mit der größten Biofläche (12 Millionen Hektar), gefolgt von Argentinien (4 Millionen Hektar) und China (1,9 Millionen Hektar). Der globale Markt für Bioprodukte wird vom Marktforschungs-unternehmen Organic Monitor für das Jahr 2008 mit über 50 Milliarden US-Dollar beziffert, wobei der größte Anteil der Bioprodukte in Europa und Nordamerika umgesetzt wird.
(18.02.2010) In Deutschland gibt es jetzt erstmals eine Verbandszertifizierung für Öko, Sozial und Fair. Naturland stellte auf der BioFach in Nürnberg diese neue "Fair Zertifizierung" vor. Sieben Richtlinienanforderungen, die basierend auf der "Grundsatzcharta für den Fairen Handel" entstanden sind, fordern z. B. soziale Verantwortung, verlässliche Handelsbeziehungen, faire Erzeugerpreise und regionalen Rohstoffbezug. Bislang wurden unter anderem Rooibostee aus Südafrika und Bananen aus Ecuador von den Handelsorganisationen dwp und BanaFair sowie Milch von den Milchwerken Berchtesgadener Land zertifiziert. Möglich ist mit der Fair Zertifizierung neben der Produkt- auch eine Unternehmenszertifizierung sowie eine Fair Auslobung für Produkte aus wirtschaftlich benachteiligten Regionen. Neu ist, dass vor einer Produktzertifizierung bereits Unternehmensbereiche wie gesellschaftliches Engagement oder Unternehmensstrategie und Transparenz abgeprüft werden. "Ein Naturland Fair Zeichen in Handelsstrukturen, die billigste Lebensmittel ohne Rücksicht auf Mensch und Umwelt verkaufen" wird es damit laut dem Verband nicht geben.
(16.02.2010) Die Bundesregierung hat angekündigt, 3,3 Millionen Euro aus dem Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL) in die Exportförderung umzuschichten. Dies geht aus einer Pressemitteilung von Bioland hervor. Der Verband fordert von Agrarministerin Ilse Aigner die Rücknahme der Entscheidung. Sie widerspricht dem Koalitionsvertrag, wo festgehalten ist, dass der Ökolandbau insbesondere im Bereich Forschung gefördert werden soll. Bioland kritisiert, dass mit der gestärkten Exportförderung neue Absatzmärkte für die Überproduktion der Intensivlandwirtschaft erschlossen werden sollen. Die Kürzung schwächt die ohnehin knappen Forschungskapazitäten für den ökologischen Landbau und trifft die mehrjährigen Forschungsprojekte, wie z. B. zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und zur Klimawirksamkeit des Biolandbaus. Die Mittel im BÖL betragen jährlich 16 Millionen Euro, davon ca. 8 Millionen für Forschungsprojekte. Diese sollen nun um mehr als ein Viertel gekürzt werden. Das Geld soll der GEFA (German Export Association for Food and Agri Products) zugute kommen, die die Aktivitäten der ehemaligen CMA zur Bewerbung deutscher Agrarprodukte im Ausland übernimmt.
(15.02.2010) Spritzmittel sind der Hauptgrund für die Verringerung der
Tier- und Pflanzenvielfalt. Dies ist das Ergebnis einer groß angelegten
Feldstudie, in der Forscher europaweit die Einflüsse von Pestiziden auf
die Biodiversität von Ackerflächen untersucht haben. Dabei stellte
sich heraus, dass die Artenvielfalt auf Feldern, die regelmäßig
mit Pestiziden behandelt werden, um die Hälfte geringer war als auf ökologisch
bewirtschafteten Äckern. Dieser Effekt zeigte sich auch in der Umgebung
der landwirtschaftlichen Anbauflächen. Für die Studie, die im Fachblatt
der Gesellschaft für Ökologie
Basic and Applied Ecology erschienen ist, wurden in neun Testregionen insgesamt
1350 Weizenfelder untersucht. Bei der Untersuchung richteten die Forscher
ihre Aufmerksamkeit besonders auf Laufkäfer und bodenbrütende Vögel.
Das Ergebnis: Der Einsatz von Pestiziden führt zu einer drastischen Verringerung
auf den behandelten Ackerböden und in der Umgebung. Während auf
einem ökologisch bearbeiteten Feld rund 1.000 verschiedene Arten lebten,
seien es auf einem mit Spritzmitteln behandelten Acker nur noch rund halb
so viele. Das Fazit der Untersuchung: "Die Artenvielfalt in Europa kann
nur erhalten werden, wenn die Verwendung von Spritzmitteln in großen
Teilen der Landwirtschaft auf ein Minimum beschränkt wird."
(10.02.2010) Die Europäische
Kommission hat jetzt das neue EU-Biologo vorgestellt. Ab 1. Juli 2010
ist dieses EU-Biologo für alle verpackten Bioprodukte, die in einem EU-Mitgliedstaat
hergestellt wurden und die notwendigen Normen erfüllen, verbindlich vorgeschrieben.
Für eingeführte Erzeugnisse ist es fakultativ. Neben dem EU-Logo
können auch andere private, regionale oder nationale Logos abgebildet
werden. Das siegreiche Logo wurde in einem europaweiten Wettbewerb ermittelt,
an dem sich Kunst- und Designstudenten beteiligen konnten. Die fast 3500 eingereichten
Wettbewerbsbeiträge wurden von einer internationalen Jury geprüft.
In den letzten beiden Monaten hatten etwa 130.000 Personen im Internet abgestimmt,
um das neue Biologo aus den drei Entwürfen der Endausscheidung auszuwählen.
Das siegreiche Logo mit dem "Euro-Blatt", für das 63 Prozent
aller Teilnehmer gestimmt haben, hat Dusan Milenkovic, ein Student aus Deutschland,
entworfen.
(10.02.2010) Lernen auf dem Bauernhof ist ein wichtiger Beitrag zur Bildung für nachhaltige Entwicklung. Die Bundestagung der Bundes-arbeitsgemeinschaft Lernort Bauernhof (BAGLoB) trägt durch ihre Arbeit dazu bei, durch Qualität, Innovation und Vernetzung den Lernort Bauernhof zu einem pädagogischen und wirtschaftlichen Erfolgsmodell zu machen. Am vergangenen Wochenende fand in Altenkirchen die Jahrestagung der BAGLoB statt. Julia Klöckner, Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, machte zur Eröffnung deutlich, wie wichtig es ist, dass "Kinder wissen wo unsere Nahrungsmittel herkommen," denn dies sei die Grundlage für nachhaltigen Konsum. Die BAGLoB leiste hier seit Jahren wichtige Arbeit, "sie hält die Fäden zusammen und schafft so Verbindungen zwischen Landwirtschaft, Schule und Eltern." Langfristig will Klöckner auch mit Hilfe der BAGLoB dauerhaft Lernort Bauernhof-Programmme in Kommunen, Schulen und Kitas institutionalisieren.
(08.02.2010) Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) hat eine neue Studie zum "Klimaschutz in der Landwirtschaft" vorgestellt. Der NABU fordert darin ein verbindliches Aktionsprogramm für mehr Klimaschutz in der Landwirtschaft. Ziel muss sein, den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase zu verringern und gleichzeitig Natur und Umwelt weniger zu belasten. Wichtige Punkte sind ein Umbruchverbot für Grünland, der dauerhafte Schutz von Mooren, strengere Regeln zum Einsatz von Düngern und mehr Ökolandbau. Der NABU befürchtet, das bei einem Weiter so wie bisher die deutsche Landwirtschaft ihre Treibhausgasemissionen bis 2020 gerade mal um 20 Prozent gegenüber 1990 verringern wird. Notwendig sei aber eine Minderung um 40 Prozent. Im anstehenden Reformprozess der EU-Agrarpolitik müsse sich Deutschland daher vorrangig dafür einsetzen, dass Fördermittel künftig nur noch für öffentliche Güter ausgegeben würden, zu denen insbesondere der Klimaschutz gehöre.
(02.02.2010) Die Stiftung Ökologie & Landbau lädt ein: Thomas Cierpka, Senior Manager bei der International Federation of Organic Agriculture Movements (IFOAM), referiert zum Thema Welternährung und Ökolandbau: Von den aktuell rund 6,6 Milliarden Menschen hungern etwa eine Milliarde, die Mehrheit davon landlose Landarbeiter und Kleinbauern. 8,8 Millionen Menschen sterben jährlich an Hunger. Die landwirtschaftlich nutzbare Fläche pro Kopf ist gesunken und sinkt weiter. Die Landwirtschaft ernährt heute etwa drei Milliarden Menschen mehr als vor 50 Jahren, eine Revolution durch Industrialisierung der Landwirtschaft mit den bekannten Folgen für die Böden, das Klima, die Arten- und Sortenvielfalt etc. In 40 Jahren werden weitere 2,5 Milliarden Menschen auf der Erde leben, die ernährt werden wollen. Eine weitere "Revolution" in der Landwirtschaft ist also notwendig - eine Chance für den Ökolandbau.