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Startseite > Service > Nachrichtenarchiv > Dezember 2010
(20.12.2010) Verbraucher sollen sich einen Überblick über Produkte verschaffen können, die Nano-Partikel enthalten. Zu diesem Zweck hat die Umweltorganisation BUND nun eine Datenbank mit rund 200 in Deutschland erhältlichen Kosmetika, Lebensmittelverpackungen oder Textilien erstellt, in denen Nano-Bestandteile vorkommen. Der Umweltverband kritisiert, dass es derzeit keine Kennzeichnungspflicht für Nano-Partikel gebe, obwohl die damit verbundenen Risiken für Gesundheit und Umwelt noch nicht geklärt seien. Im Vergleich zu größeren Partikeln gleicher chemischer Zusammensetzung weisen Nanoteilchen eine höhere chemische Reaktivität, eine größere biologische Aktivität und ein stärkeres katalytisches Verhalten auf. Ursache dafür ist die bei gleichbleibendem Gesamtvolumen stark vergrößerte Oberfläche von Nano-Stoffen. Der BUND geht davon aus, dass einige Nano-Materialien aufgrund ihrer Winzigkeit giftig wirken und sogar die Blut-Hirn-Schranke überwinden können. Verbraucher sind aufgerufen, auf weitere Produkte hinzuweisen, damit diese in die Datenbank aufgenommen werden können.
(16.12.2010) Die beiden regionalen Fachmessen BioNord und BioSüd an den Standorten Augsburg und Hannover verzeichneten 2010 Aussteller- und Besucherrekorde. Angesichts der hohen Gästezahl forderten Besucher und Aussteller eine Verlängerung der Veranstaltungen. Eine daraufhin durchgeführte Ausstellerbefragung ergab ein zweideutiges Ergebnis: Der Wunsch, Kosten zu vermeiden sowie die Befürchtung, die Messen könnten durch zu schnelles Wachstum ihren persönlichen Charakter verlieren, steht einer Entlastung des Standpersonals entgegen. Für das Jahr 2011 wird die BioSüd daher erneut eintägig am Sonntag stattfinden. Die BioNord indes öffnet ihre Türen zusätzlich zum traditionellen Messe-Sonntag bereits am Samstagmittag. Damit steht ein halber zusätzlicher Messetag zur Verfügung. BioSüd und BioNord verstehen sich als Forum für die authentische Biobranche, deren Vertriebswege der Naturkostfachhandel, Biosupermärkte, Reformhäuser und Naturkosmetikfachgeschäfte, aber auch Hofläden und Abokisten sind.
(14.12.2010) Die Kontrolle von Pestiziden in Lebensmitteln und Grundwasser kostet die deutschen Steuerzahler jährlich rund 17 Millionen Euro. Dies ist das Ergebnis einer Greenpeace-Studie zu den Kosten der staatlichen Pestizid-Überwachung. Als Grundlage zog die Umschutzorganisation dazu Daten des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) heran. Es zeigte sich, dass die Kosten des Pestizid-Einsatzes vorrangig aus der Zulassung von Wirkstoffen und den Laboranalysen von Lebensmittel- und Grundwasserproben entstehen. Greenpeace fordert die Bundesregierung auf, die Umlegung der Kosten des Pestizid-Einsatzes auf den Steuerzahler zu beenden. Auch Naturland verlangt in diesem Zusammenhang, dass die Inverkehrbringer und Nutzer von Pestiziden und Agro-Gentechnik für die Folgekosten aufkommen müssen und empfiehlt die Umstellung auf Öko-Landbau.
(13.12.2010) Bereits seit acht Jahren bietet die Internetdatenbank www.bioC.info aktuelle Informationen zum Zertifizierungsstatus von etwa 25.000 zertifizierten Betrieben und Unternehmen aus Deutschland, Österreich und Luxemburg. Um die Datenbank rechtlich auf eine breitere Basis zu stellen, gründeten am 09.12.2010 Öko-Kontrollstellen, der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft e.V. (BÖLW), das Forschungsinstitut für biologischen Landbau e.V. (FiBL) und der bioC-Gründer Ulrich Fischer als Gemeinschaftsprojekt die bioC GmbH. Die GmbH wird ihre Geschäftstätigkeit zum 1. Januar 2011 aufnehmen. Das Verzeichnis der zertifizierten Biounternehmen macht damit einen weiteren Schritt in Richtung einer internationalen Internetplattform. Ein elektronisches Benachrichtigungssystem soll künftig sicherstellen, dass die Abnehmer bei Zertifikatsverlust sofort informiert werden. Gesellschafter sind die Kontrollstellen ABCERT AG, ABCG GmbH, ars probata GmbH, Kontrollservice BIKO Tirol, IMO GmbH, GfRS mbH, Kontrollverein Ökologischer Landbau e.V., ÖKOP-Zertifizierungs GmbH, SLK Ges.m.b.H., der BÖLW, das FiBL und Ulrich Fischer.
(10.12.2010) Das umstrittene europäische Patent auf die Züchtung von Brokkoli hat voraussichtlich keinen Bestand. In einer Vorentscheidung befand das Europäische Patentamt (EPA) in München, dass Patente "auf im Wesentlichen biologische Züchtungsverfahren" nicht zulässig sind. "Damit ist aber noch kein Durchbruch erzielt", kommentierte Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), die Entscheidung. Auch Umweltschützer sind skeptisch. Sie befürchten, dass durch die Hintertür ein Patentschutz für Lebewesen trotzdem möglich sein wird. Grundsätzlich sind Patente auf Saatgut, Tierrassen und Pflanzensorten verboten. Das EPA erlaubt jedoch Patente auf technische Züchtungsverfahren, die nicht "im Wesentlichen biologisch" sind. Das "Brokkoli-Patent" hatte sich das britische Unternehmen Plant Bioscience vor acht Jahren gesichert. Es gilt auch für Samen und ausgewachsene Pflanzen der speziellen Brokkolisorte, die besonders viele Glucosinolate enthält. Ein Jahr später legten zwei Firmen aus Frankreich und der Schweiz Beschwerde ein.
(09.12.2010) Das Wissen um die Vorteile von Ökoprodukten für den Tier-und Umweltschutz sowie das eigene Wohlbefinden wird unter deutschen Biokäufern immer größer. Dies ist das Ergebnis des Ökobarometers 2010, das das Marktforschungsinstitut TNS Emnid im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) erstellt hat. Die wichtigsten Gründe für den Kauf von Ökowaren sind die artgerechte Tierhaltung, eine möglichst geringe Schadstoffbelastung sowie die regionale Herkunft der Produkte. Im Vergleich zu den Vorjahren interessieren sich Konsumenten stärker für die Erzeugungs-und Verarbeitungsgeschichte, die hinter einem Produkt steckt. Knapp die Hälfte aller im Rahmen des Ökobarometers befragten Biokäufer gab an, dass Prinzipien wie die gerechte Entlohnung von Erzeugern oder faire Arbeitsbedingungen ihre Kaufentscheidung für Bioprodukte positiv beeinflusse. Beim Außer-Haus-Verzehr spielen Biolebensmittel in den Augen der Umfrage-Teilnehmer allerdings keine große Rolle. Auch das am 1. Juli 2010 eingeführte EU-Bio-Logo ist 70 Prozent der deutschen Biokäufer noch nicht bekannt.
(07.12.2010) Analysen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg ergaben, dass der Markt für Biolebensmittel in den ersten neun Monaten 2010 mit 5,8 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau blieb. Der Lebensmitteleinzelhandel, der im vorigen Jahr drei Prozent beim Bioumsatz einbüßte, liegt nach den ersten neun Monaten des laufenden Jahres mit einem Plus von zwei Prozent wieder eine Nasenlänge vorn. Nach Berechnungen des Marktforschungunternehmens A.C. Nielsen schneiden Discounter mit Biowaren insgesamt schlechter ab, es gibt jedoch zwischen den Unternehmen Unterschiede: Aldi Nord hat in den letzten Monaten im Bereich Molkereiprodukte noch einmal aufgestockt und auch Aldi Süd liegt derzeit bei stabilen drei Prozent. Lidl dagegen hat sein Biosortiment gegenüber dem Vorjahr deutlich gestutzt. Auch der Rewe-Discounter Penny bewegt sich in Bezug auf Bio eher rückläufig, bezogen auf den Umsatz stellt das Sortiment gerade noch zwei Prozent. Es sei unverkennbar, dass die reinen Biomärkte beim Kunden nach wie vor einen Vertrauensvorschuss hätten. Bei den Supermärkten und den kleinen Verbrauchermärkten spielt Bio aber weiterhin eine wachsende Rolle. Diese Entwicklung sorgt dafür, dass der Anteil von Bio im Lebensmitteleinzelhandel unter dem Strich doch noch wächst und laut Nielsen aktuell bei knapp 3,7 Prozent liegt.
(06.12.2010 ) Die Assoziation ökologischer Lebensmittel-Hersteller (AoeL) und das Max Rubner-Instituts (MRI) veranstalteten am 30. November in Karlsruhe eine Konferenz zum Thema "Lebensstil und Unternehmenskultur". Die Tagung beschäftigte sich v. a. mit der Frage der Qualität von Bioprodukten, welche sich nicht nur mit technologischen oder ernährungsphysiologischen Analysen beantworten lässt, sondern vor allem im Zusammenspiel von Lebensmittelkultur, Unternehmenskultur und Lebensstil. Peter Geldner (Meyermühle) vertrat als Referent die Gruppe der Biopioniere, die zu Beginn - nach seiner Sicht - das Ganze noch im Blick hatten. Prof. Ingrid Hoffmann (MRI) stellte den Verbraucher in den Fokus, in dem sie Ergebnisse der Nationalen Verzehrsstudie II präsentierte: Biokäufer leben gesünder! Prof. Dr. Achim Spiller (Uni Göttingen) ging darauf ein, welche Potenziale Ergebnisse der Nationalen Verzehrsstudie für das Marketing der Biounternehmen bieten. Beispielhaft beschrieben drei Biohersteller ihre Sicht der Unternehmenskultur: die Münchner Hofpfisterei, die Ökologischen Molkereien Allgäu und die Herrmannsdorfer Landwerkstätten. Alexander Beck (AoeL) forderte als Fazit nicht nur die Frage, ob Bio nun gesund sei, sondern eine ganzheitliche Betrachtung in den Mittelpunkt der Debatte zu stellen.
(01.12.2010) Fast 150 Professoren in Deutschland wenden sich in einem aktuellen öffentlichen Appell gegen die industrielle Intensivtierhaltung. Sie fordern den Ausstieg aus der Massentierhaltung und die Umstellung zu einer sozial und ökologisch verträglichen, tiergerechten Landwirtschaft. Die Initiative, die auch vom Netzwerk "Bauernhöfe statt Agrarfabriken" und PROVIEH - Verein gegen tierquälerische Massentierhaltung mit initiiert wurde, ruft zur Unterzeichnung des Appells auf. Mehrere Tausend Menschen haben sich bereits an der Unterschriftenaktion beteiligt, am Ende sollen die Unterschriften medienwirksam an Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner übergeben werden. Die Initiatoren der Aktion wollen vor allem eine breitere öffentliche Debatte über die Massentierhaltung anstoßen und politischen Druck erzeugen.