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Startseite > Service > Nachrichtenarchiv > April 2010
(30.04.2010) Der Umsatz mit Fairtrade-Produkten ist in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um 26 Prozent gestiegen. 2009 wurden damit Waren im Wert von 267 Millionen Euro gekauft, wie TransFair e.V. auf seiner Jahrespressekonferenz verkündete. Kaffee (13 Prozent Umsatzplus) ist nach wie vor das wichtigste Fairtrade-Produkt, gefolgt von Blumen (40 Prozent plus), Fruchtsaft (32 Prozent plus) und Textilien aus Fairtrade-zertifizierter Baumwolle. Gründe für das Absatzplus sind laut TransFair e.V. neben der gestiegenen Verbrauchernachfrage auch die größere Produktvielfalt, mehr Lizenzpartner und Einkaufsorte sowie ein stärkeres Engagement des Handels. Bananen zählen nach wie vor ebenfalls zu den Hauptverkaufsprodukten. 2009 wurden 9.500 Tonnen Fairtrade-Bananen verkauft; dies entspricht jedoch einem Absatzminus von 19 Prozent. Das Fairtrade-Siegel, das vom TransFair e.V. vergeben wird, garantiert die Auszahlung von Mindestpreisen und Fairtrade-Prämien, langfristige Lieferbeziehungen und Vorfinanzierung. Für die Verbindung sozialer und ökologischer Standards erhielt TransFair e.V. den "Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2009".
(29.04.2010) Ein breites Bündnis aus Gentechnik-Kritikern hat aus Protest gegen die gentechnisch veränderte Kartoffel Amflora sechs Tonnen Biokartoffeln vor der Eingangstür der BASF-Aktionärsversammlung abgekippt. Zu der Aktion hatten Gentechnikfreies Europa e.V., die Junge Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und Witzenhausener Agrar-Studierende, Landwirte und Gärtner für eine gentechnikfreie Landwirtschaft aufgerufen. Sie wollten darauf aufmerksam machen, dass Amflora für Landwirte eine direkte Bedrohung der Existenz darstellt, da es langfristig zu einer Vermischung mit konventionell angebauten Sorten kommen werde. Die Gentechnik sei das Sahnehäubchen der industriellen Landwirtschaft, die mit ihrem enormen Bedarf an Energie und Ressourcen erst zur Verschärfung von Hunger und Klimawandel geführt hat. Der genehmigte Amflora-Anbau sei deshalb ein Skandal. Die Gentechnik-Kritiker sehen sich bestätigt durch den Weltagrarbericht, der eine regionale, vielseitige, auf lokalem Wissen basierende Modernisierung der Landwirtschaft fordert. Anfang März hatte die EU-Kommission Amflora zugelassen, obwohl sie ein umstrittenes Antibiotika-Resistenzgen enthält und ungenügend auf Umweltrisiken geprüft wurde. Begleitet von Protesten war Mitte April mit der Aussaat in Mecklenburg-Vorpommern begonnen worden.
(28.04.2010) Eine neue Förderinitiative des Bundesministeriums für Forschung und Bildung (BMBF) soll die Agro-Gentechnik mit 50 Millionen Euro vorantreiben. Hintergrund ist eine Studie des BMBF, der zufolge die Agro-Gentechnik-Industrie in Deutschland schrumpft. Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) kritisiert, dass weitere Millionen in die umstrittene Technologie gesteckt werden, während erfolgversprechendere Ansätze für eine nachhaltige Landwirtschaft vernachlässigt werden. Es sei nicht verständlich, weshalb in den einen schrumpfenden Sektor investiert werde. Das Argument, dass die Gentechnik-Branche trotz der Krise neue Arbeitsplätze schaffe, sei absurd. Im Gegensatz zur Agro-Gentechnik wachse die ökologische Lebensmittelwirtschaft seit Jahren ungebrochen. In den zahlreichen mittelständischen Unternehmen des Ökobereichs konnten weit mehr als 160.000 Arbeitsplätze aufgebaut werden. Der BÖLW fordert daher, die Leistungen und Potenziale des Ökolandbaus bei der Lösung der globalen Herausforderungen im Agrarbereich anzuerkennen und diesen in den Fokus der Forschungspolitik des BMBF zu rücken.
(27.04.2010) Ökologisch wirtschaftende bäuerliche Betriebe müssen in Zukunft zum Leitbild der EU-Agrarpolitik werden. Das fordert ein breites Bündnis von Verbänden aus Landwirtschaft, Umwelt-, Natur-, Tier- und Verbraucherschutz. Ziel einer grundlegenden Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP) müsse es sein, die zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft zu stoppen. Die aktuellen Herausforderungen wie Welternährung, Klimawandel, Verlust der biologischen Vielfalt und sowie die von der Landwirtschaft verursachten ökologischen und sozialen Probleme ließen sich nur lösen, wenn das bisherige System der EU-Agrarsubventionen grundlegend verändert werde. Daher müsse die Vergabe von Agrarsubventionen künftig an wirksame ökologische und soziale Kriterien gebunden werden. Dies erklärten Vertreter von EuroNatur, der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, Bioland, Misereor und BUND bei der Vorstellung eines Positionspapiers. Sie fordern Bundesagrarministerin Ilse Aigner auf, die anstehende Reform der EU-Agrarpolitik und eine Neuverteilung der EU-Agrarsubventionen nicht zu blockieren. Derzeit kommen jährlich 55 Milliarden Euro Subventionen vor allem wenigen Großbetrieben der Landwirtschaft und der Lebensmittelindustrie zu Gute.
(27.04.2010) Importierte Maissaaten sind zum Teil mit Gen-Mais verunreinigt. Dies ist das Ergebnis von stichprobenartigen Saatgut-Untersuchungen der Bundesländer, die Greenpeace und Bioland jetzt veröffentlicht haben. 13 Bundesländer testen jedes Frühjahr Maisproben auf gentechnische Verunreinigungen, neun haben bislang ihre Ergebnisse mitgeteilt: Bei 20 Proben in sieben Bundesländern wurden die Behörden bisher fündig (Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Schleswig-Holstein, Hessen, Brandenburg, Bayern und Baden-Württemberg). Im Hinblick auf die Häufung von Verunreinigungen in Saatgut fordern Greenpeace und Bioland umfassendere Kontrollen und rechtzeitige Veröffentlichungen der Ergebnisse vor der Maisaussaat. Das verunreinigte Saatgut wurde zwar vom Markt genommen, die Funde sind dennoch sehr beunruhigend, denn es wurden nur Stichproben getestet. Landwirten wird daher geraten, nur in Deutschland vermehrte Maissaaten zu kaufen.
(26.04.2010) Das umstrittene Patent auf die Züchtung von Schweinen wurde widerrufen. Wie das Europäische Patentamt (EPA) in der vergangenen Woche bestätigte, sprach der Inhaber, der amerikanische Konzern Newsham Choice Genetics, Ende März seinen Verzicht aus, womit das Patent offiziell als widerrufen gilt. Das nun hinfällige Patent bezog sich auf einen Gentest, der die Zucht von besonders ertragreichen Schweinen ermöglichen soll. Der Test spürt ein Leptin-Rezeptor-Gen im Erbgut der Tiere auf, über das die Mastleistung erhöht werden kann. Als problematisch wurde das Patent von Gegnern eingeschätzt, weil sich dieses nicht nur auf den Test, sondern auch auf die Schweine selbst erstrecken könnte und auch Elemente herkömmlicher Züchtung beinhaltete und damit das Verbot umgangen werde, Kreuzungs- und Selektionsverfahren zu patentieren. Mehr als 50 Verbände, 5000 Privatpersonen sowie die hessische Landesregierung hatten daher im April 2009 einen Sammeleinspruch gegen das ursprünglich 2004 vom Agrarkonzern Monsanto angemeldete Patent beim EPA eingereicht. 2008 wurde das Patent in Europa erteilt. Greenpeace und andere Organisationen werteten die Rücknahme des Patents als großen Erfolg für Verbraucher und Landwirte. Nun sei die Bundesregierung gefordert um dem im Koalitionsvertrag beschlossenen Verbot von Patenten auf Nutztiere und -pflanzen gesetzliche Regelungen folgen zu lassen.
(23.04.2010) Das europäische Netzwerk zur Ökolandbauforschung, CORE Organic ist in der vergangenen Woche in eine neue Phase gestartet. Repräsentanten aus 22 europäischen Staaten gaben in Bern das Startsignal für die Arbeit des transnationalen Netzwerks "CORE Organic II". Damit wird eine erfolgreiche Zusammenarbeit fortgesetzt und ausgebaut, die elf Länder mit "Core Organic I" 2004 begonnen haben. Das neue Netzwerk wird von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) gemeinsam mit den dänischen Projektpartnern koordiniert. Die erste Ausschreibung, die für September 2010 geplant ist, soll etwa sieben Millionen Euro für Forschungen in den Bereichen Pflanze, Tier und Lebensmittel umfassen. Unterstützt werden die Forschungen zum Ökolandbau durch ein ERA-Net (European Research Area Network) als Teil der EU-Forschungsrahmenprogramme. Mit diesen Netzwerken will die Kommission nationale Forschungsprogramme zusammenführen und Forschungsressourcen der einzelnen Länder effizienter nutzen.
(23.04.2010) Eine Tochter des deutschen Chemiekonzerns Bayer muss amerikanischen Bauern wegen der Verunreinigung von Feldern mit Gen-Reis rund 50 Millionen US-Dollar (37 Millionen Euro) Schadenersatz zahlen. Das entschied eine Jury in Little Rock im US-Staat Arkansas. Es ist bereits die vierte und mit Abstand höchste Millionenzahlung, zu der Bayer CropScience wegen der von ihr entwickelten Reissorte "Liberty Link" gerichtlich verpflichtet wurde. Bayer und die Universität von Louisiana hatten die genetisch veränderte Reissorte auf Versuchsfeldern angebaut. Das US-Landwirtschaftsministerium erklärte zunächst, eine Vermischung mit herkömmlichen Sorten sei keine Gesundheits- und Umweltgefährdung. Die EU und Japan verboten aber wegen der Kontaminationen US-Reiseinfuhren, was im Jahr 2006 Einkommenseinbußen für amerikanische Reisbauern zur Folge hatte und zu Schadenersatzforderungen führte. Gentechnik-Kritiker wie die Coordination gegen BAYER-Gefahren begrüßten die Entscheidung. Die Grünen sehen die Strafe als Ausdruck der konsequenten Anwendung des Verursacherprinzips. Bislang werde der Gen-Reis hierzulande auf Kosten von Steuerzahlern, Lebensmittelwirtschaft und Handel entsorgt, die für Kontrollen und Analysen zahlen müssen. Die Grünen fordern daher ein internationales Haftungsrecht für Schäden durch Agrogentechnik.
(20.04.2010) Trotz zahlreicher Proteste hat der Chemiekonzern BASF am Montag in Mecklenburg-Vorpommern auf rund 15 Hektar mit der Aussaat von genverändertem Saatgut der Stärkekartoffel "Amflora" begonnen. Gentechnik-Gegner hatten zuvor auf dem selben Acker gentechnikfreie Kartoffeln ausgebracht und damit gegen den Anbau protestiert. Die EU-Kommission hatte Amflora Anfang März zugelassen, obwohl sie ein umstrittenes Antibiotika-Resistenzgen enthält und ungenügend auf Umweltrisiken geprüft wurde. Die Bundesregierung will den Anbau in Deutschland dennoch fördern, obwohl gentechnikfreie Alternativen zur Produktion industriell nutzbarer Stärke existieren. Umweltverbände und die Oppositionsparteien forderten Landwirtschaftsministerin Aigner (CSU) auf, wie zuvor Österreich die EU-Zulassung auszusetzen und den Anbau von Amflora in Deutschland zu verbieten. Auch der Landwirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus, wendet sich gegen den Anbau weil konkrete Regeln fehlen.
(12.04.2010) Die starke Nachfrage nach biologisch produzierten Weinen ist ungebrochen. Seit die Stiftung Ökologie & Landbau vor über 30 Jahren begann, sich für den Wissenstransfer im ökologischen Weinbau zu engagieren, ist viel geschehen - die Herausforderungen durch Klimawandel, Krankheitserreger und neue Schädlinge sind jedoch nicht kleiner geworden. In Ausgabe 2/2010 widmet sich ÖKOLOGIE & LANDBAU den aktuellen Fragen und Entwicklungen und sucht Antworten in Wissenschaft und Praxis. Es werden die positive Entwicklung des Ökoweinbaus, des dynamischen Ökoweinmarkts in Deutschland, Österreich und der Schweiz beschrieben und Chancen und Risiken des Klimawandels für den Weinbau in Deutschland beleuchtet. Des Weiteren werden Marktchancen neuer Weine aus pilzwiderstandsfähigen Sorten aufgezeigt und der Stand der Diskussion bei den europäischen Richtlinien zur biologischen Kellerwirtschaft dargestellt.
(12.04.2010) In der KTBL-Online-Anwendung "Baukost" gibt es von 188 Stallmodellen für Milch- und Mutterkühe, Zuchtsauen und Aufzuchtferkel neuerdings 50 Modelle, die die Anforderungen der EG-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau erfüllen. Für die Milchviehhaltung sind elf Modelle mit Auslauf abrufbar. Vollständig neu ist die Mutterkuhhaltung mit sechs Modellen in unterschiedlichen Bestandsgrößen. Bei den Zuchtsauen stehen zwölf verschieden große Anlagen zur Verfügung, jeweils mit separatem Deckzentrum und Abferkelstall. Im Bereich der Aufzuchtferkel sind zwei Stalltypen in drei verschiedenen Größenordnungen dokumentiert. Für jedes Stallmodell können der Investitionsbedarf und die Jahreskosten insgesamt und pro Tierplatz abgerufen sowie die vorgegebenen Werte individuell angepasst werden. Der Jahreszugang für zwölf Monate kostet 15 Euro.
(06.04.2010) Die Länderarbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau (LÖK) hat in ihrer jüngsten Sitzung klargestellt, dass Aromen in den Geltungsbereich des EU-Rechts fallen und damit öko-zertifizierbar sind. Die Branche begrüßt diesen Schritt, nun müssten jedoch die Vorgaben für die Herstellung von Ökoaromen weiterentwickelt werden. Bioaromen sollen sauber definiert werden, damit eindeutig festgelegt wird, was sie beinhalten dürfen. Das Forschungsinstitut für Biologischen Landbau (FiBL) ruft die Aromenhersteller nun auf, ihre Produkte listen zu lassen. Die "FiBL-Liste Ökoverarbeitung" enthält Handelsprodukte von Zusatz- und Hilfsstoffen sowie Zutaten mit technologischer, sensorischer oder nutritiver Funktion, die bei der Herstellung von Biolebensmitteln eingesetzt werden dürfen. Als solche erleichtert sie Lebensmittelherstellern die Suche nach geeigneten Zulieferern; und Zusatzstofflieferanten wiederum bekommen eine geeignete Angebotsplattform. Die Liste wird vom FiBL Deutschland mit Unterstützung der Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller (AoeL) erstellt und im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau gefördert.