Nachrichtenarchiv Februar 2008

Nachrichtenübersicht
Bio-Wachstum hält unvermindert an - Rohstoffversorgung bleibt Hauptproblem
Bio-Landbau weltweit: Wachstum hält an
Tagung zum Öko-Markt in Mittel- und Osteuropa
Schul- und Lernbauernhöfe in Deutschland bereits auf Jahre ausgebucht
Deutschland ist größter Markt für Bio-Lebensmittel in Europa
Kritik an Freisetzungsantrag für GVO-Weizen: Flugbrand–resistente Sorten längst vorhanden
Naturschutzhof des Monats Februar: Vorwerk Podemus bereichert die biologische Vielfalt der Landschaft

Bio-Wachstum hält unvermindert an - Rohstoffversorgung bleibt Hauptproblem

(25.02.2008) Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) hat auf seiner Bilanzpressekonferenz im Rahmen der BioFach die aktuellsten Zahlen zu Öko-Landbau und Bio-Lebensmitteln präsentiert. Die Zahlen sind in der Neuauflage der Broschüre "Zahlen, Daten, Fakten: die Biobranche 2008" zusammen gestellt. Im Jahr 2007 betrug demnach der gesamte Umsatz mit Bio-Lebensmitteln in Deutschland 5,3 Milliarden Euro. Das entspricht einer Steigerungsrate von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Während der Bio-Markt mit konstantem Umsatzwachstum aufwarten kann, bleibt die heimische Rohwarenknappheit für die Branche problematisch. "Wir hoffen, dass wir die Talsohle durchschritten haben", erläutert Alexander Gerber, Geschäftsführer des BÖLW, die wieder leicht ansteigenden Zahlen. So stellten 2007 nach Angaben des BÖLW knapp 500 Landwirte auf Öko-Landbau um. Das bedeutet ein Plus von 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei der Fläche betrug der Zuwachs 5,8 Prozent auf jetzt 873.010 Hektar ökologisch bewirtschaftete Fläche. "Dass die Chancen des Bio-Marktes von konventionell bewirtschafteten Betrieben so wenig wahrgenommen werden, liegt wesentlich an einer zu geringen Ausstattung der Umstellungsprogramme", so Felix Prinz zu Löwenstein, Vorstandsvorsitzender des BÖLW. Er verwies darauf, dass diese Programme - ebenso wie andere Agrar-Umweltprogramme - den Landwirten Anreize geben sollten, für Umwelt und Natur besondere Leistungen zu erbringen. Die drastisch angestiegenen Erzeugerpreise hätten dazu geführt, dass die Programme in ihrer bisherigen Ausgestaltung nicht mehr funktionierten und nun neu kalkuliert werden müssten.

Näheres: Pressemitteilung und Broschüre: Zahlen, Daten, Fakten: Die Biobranche 2008

Bio-Landbau weltweit: Wachstum hält an

(20.02.2008) Die weltweit biologisch bewirtschaftete Fläche stieg im Jahr 2006 gegenüber dem Vorjahr um 1,8 Millionen auf 30,4 Millionen Hektar; mehr als ein Drittel davon liegt in Australien/Ozeanien und knapp ein Viertel in Europa. Diese neuen Zahlen für das Jahr 2006 gehen aus der Studie "The World of Organic Agriculture - Statistics and Emerging Trends 2008" hervor, die soeben erschienen ist. Die Internationale Vereinigung Ökologischer Landbaubewegungen (IFOAM), das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) und die Stiftung Ökologie & Landbau (SÖL) werden die Studie an der BioFach 2008 vorstellen (Freitag 22. Februar, 10.00 Uhr, Raum Shanghai). Die größte Bio-Fläche befindet sich in Australien mit 12,3 Millionen Hektar, gefolgt von China (2,3 Millionen Hektar), Argentinien (2,2 Millionen Hektar) und den USA (1,6 Millionen Hektar). Spitzenreiter beim Anteil an der gesamten Landwirtschaftsfläche sind die europäischen Alpenländer - wie Österreich (13 %, 361.487 Hektar) und die Schweiz (12 %, 125.596 Hektar). Der globale Markt für Bio-Produkte wird vom Marktforschungsunternehmen Organic Monitor für das Jahr 2006 mit 38,6 Milliarden US-Dollar beziffert, wobei der größte Anteil der Bioprodukte in Europa und Nordamerika umgesetzt wird. Im Vergleich zu 2005 ist der Markt um fünf Milliarden US-Dollar gewachsen. Auch für 2007 und die kommenden Jahre wird ein gesundes Wachstum erwartet. IFOAM-Direktorin Angela Caudle de Freitas betont, dass die steigende Nachfrage nach Bio-Produkten insbesondere für Produzenten in Entwicklungsländern Chancen bietet.

Näheres: IFOAM-, FiBL-, SÖL-, Nürnberg Messe-Pressemeldung (PDF 46KB)

Tagung zum Öko-Markt in Mittel- und Osteuropa

(19.02.2008) Für europäische Hersteller und Händler von Öko-Lebensmitteln findet am 26. und 27. Mai 2008 in Warschau eine internationale Tagung statt. Beim "Organic Marketing Forum" in Warschau treffen sich zum dritten Mal führende Unternehmen der Branche, um den Öko-Markt in Mittel- und Osteuropa kennen zu lernen und um Handelskontakte zu knüpfen. EkoConnect, Internationales Zentrum für den ökologischen Landbau Mittel- und Osteuropas e. V., organisiert die Tagung in Zusammenarbeit mit dem polnischen Öko-Erzeuger-Verband Ekoland und der Organic Retailers Association. Es werden etwa 350 Teilnehmer erwartet, womit das Forum zu den wichtigsten Treffen für Marktakteure in Mittel- und Osteuropa gehört. Das Programm des Forums enthält 20 Vorträge von Unternehmern und erfahrenen Experten und eine Exkursion zu Handelsunternehmen in Warschau. In diesem Jahr werden der Umgang mit der Rohstoffknappheit in der Verarbeitung und Strategien zur Reaktion auf die sich schnell wandelnden Bio-Märkte wichtige Themen sein.

Näheres: www.organic-marketing-forum.org

Schul- und Lernbauernhöfe in Deutschland bereits auf Jahre ausgebucht

(14.02.2008) 120 Teilnehmende aus ganz Deutschland haben sich Anfang Februar auf der 15. Bundestagung "Lernort Bauernhof" in Altenkirchen getroffen. Seit über 15 Jahren wird diese Tagung von der Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugend im ländlichen Raum (BAG ejl) mit der Evangelischen Landjugendakademie Altenkirchen zusammen organisiert. Daraus ist eine Vernetzung der Schul- und Lernbauernhöfe in Deutschland entstanden, die sich in der Bundesarbeitsgemeinschaft Lernort Bauernhof (BAGLoB) zusammengeschlossen hat. In vielen Bundesländern und manchen Regionen Deutschlands sind in den letzten Jahren Koordinationsstellen aufgebaut worden, die Besuche von Schulen, Kindergärten und Jugendgruppen auf landwirtschaftliche Betriebe vermitteln. Da die Schul- und Lernbauernhöfe in Deutschland bereits auf Jahre ausgebucht sind, wurde auf der Bundesversammlung die Notwendigkeit betont, dass neue Betriebe gewonnen werden müssen und diese Unterstützung benötigen - finanziell und in Form von Weiterqualifizierung. Schul- und Lernbauernhöfe sind Bildungsstätten für nachhaltige Entwicklung. Im Lernfeld Landwirtschaft können sowohl Antworten auf grundlegende Fragen des Mensch-Natur-Verhältnisses gefunden als auch ökonomische, ökologische und globale Zusammenhänge erfahren werden. Die Stärke des Lernortes Bauernhof liegt dabei in seiner breiten Angebotspalette.

Näheres: Pressemeldung und Bundesarbeitsgemeinschaft Lernort Bauernhof (BAGLoB)

Deutschland ist größter Markt für Bio-Lebensmittel in Europa

(11.02.2008) Aktuelle Zahlen zum Umsatz mit Bio-Lebensmitteln in Europa hat die Zentrale Markt- und Preisberichtstelle GmbH (ZMP) zusammengestellt und veröffentlicht: In Europa wurden demnach 2006 etwa 14,3 Milliarden Euro mit Bio-Lebensmitteln umgesetzt. Deutschland war mit 4,6 Milliarden Euro und 32 Prozent Anteil mit Abstand größter Markt in Europa. Es folgten Großbritannien mit 2,8 Milliarden Euro Umsatz, Italien mit 1,9 Milliarden Euro und Frankreich mit 1,7 Milliarden Euro Umsatz. Bei den Ausgaben je Einwohner steht Deutschland mit jährlich 56 Euro jedoch nur an fünfter Stelle. Die Schweizer geben im europäischen Vergleich am meisten pro Jahr für Bio-Lebensmittel aus, nämlich 102 Euro. Ihnen folgen die Liechtensteiner mit 86 Euro, die Dänen mit 80 Euro und die Österreicher mit 64 Euro je Einwohner und Jahr.

Näheres: ZMP-Grafik: Umstatz mit Bio-Lebensmitteln in Europa 2006

Kritik an Freisetzungsantrag für GVO-Weizen: Flugbrand–resistente Sorten längst vorhanden

(06.02.2008) Ökologische Getreidezüchter erheben deutliche Kritik an dem Antrag, Versuchsfelder mit gentechnisch verändertem Weizen in der Nähe von Rostock und in Üplingen (Sachsen-Anhalt) zu genehmigen. Die bio-dynamischen Züchter Dr. Karl-Josef Müller (Darzau) und Dr. habil. Hartmut Spieß (Bad Vilbel) fordern Minister Seehofer auf, diesen Versuchsanbau zu verhindern. Die gentechnische Veränderung des Weizen liege in der Resistenz gegen Weizenflugbrand, einer Pilzerkrankung des Getreides. „Eine Resistenz gegen Flugbrand gentechnisch zu etablieren ist bei den enormen Kosten, der hohen Bedenklichkeit gegenüber gentechnischen Verfahren in der Pflanzenzüchtung sowie der grundsätzlichen Ablehnung von GVO in der Bevölkerung überflüssig, wenn nicht unsinnig“, argumentieren die beiden renommierten ökologischen Züchter. Es gebe bereits eine große Anzahl zugelassener herkömmlicher Sorten und einige ökologisch gezüchtete, die über eine Flugbrandresistenz verfügen. Den Bauern ständen ausreichend Flugbrand-resistente Weizensorten zur Verfügung, die ohne gentechnische Manipulation gezüchtet worden sind. „Wenn jetzt auch bei Getreide gentechnisch veränderte Lebensmittel drohen, wird der Wille der Verbraucher grob missachtet“, resümiert Stephan Illi, Geschäftsführer von Demeter.

Näheres: Demeter-Pressemeldung

Naturschutzhof des Monats Februar: Vorwerk Podemus bereichert die biologische Vielfalt der Landschaft

(01.02.2008) Mit Vorwerk Podemus, Naturschutzhof des Monats Februar, schließt die Vorstellung der zwölf Naturschutzhöfe, die im Rahmen des Förderpreises Naturschutzhöfe 2006 ausgezeichnet wurden, ab. Die Landwirte haben mit vorbildlichen Leistungen gezeigt, wie sie umfassend und auf vielfältige Weise Naturschutz in die Praxis ihres Betriebes einbinden. Vorwerk Podemus von Familie Probst ist ein 280 Hektar großer, innovativer Bio-Betrieb am Rande von Dresden mit eigener Fleischverarbeitung und Direktvermarktung. Die Familie verfolgt das Ziel, auf ihrem Betrieb die Landschaft dem traditionellen Vorbild einer strukturreichen Gefildelandschaft wieder anzunähern. In bedeutendem Umfang wurden Hecken und Baumreihen gepflanzt. Noch erhaltene Strukturelemente wie Streuobstwiesen und ehemalige Weinbergsmauern werden gepflegt und erneuert. Ein vielseitiger Ackerbau trägt zur Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität bei in einem sonst von engen Fruchtfolgen geprägten Ackerbaugebiet. Mit diesen Maßnahmen bereichert Vorwerk Podemus die biologische Vielfalt der Landschaft. Der Förderpreis Naturschutzhöfe 2006 wurde vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) initiiert und gemeinsam mit der Stiftung Ökologie & Landbau (SÖL) durchgeführt. Weitere Projektpartner waren der Naturschutzbund (NABU) / Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV), der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) / Bund Naturschutz Bayern (BN) sowie die Stiftung Europäisches Naturerbe (Euronatur). Das Projekt wurde vom Bundesumweltministerium gefördert.

Näheres: Pressemeldung, Betriebsportrait