Nachrichtenarchiv März 2007

Nachrichtenübersicht
GEO-Tag der Artenvielfalt - die größte Feldforschungsaktion in Europa
9. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau setzt Zeichen für die Zukunft
Deutsches Bio-Siegel als Vorbild für Europa?
Gesucht: Modelle für eine zukunftsweisende Forstwirtschaft
Eine Uni macht mobil: Studierende auf Werbetour in Ungarn und Rumänien
Forschungsinstitut Trenthorst gerettet
Wissenschaftstagung 2007: Identität durch Wandel - Bio muss sich neu denken
Naturschutzhof des Monats - Praktischer Naturschutz in der Landwirtschaft
Apisticus-Preis für Netzwerk Blühende Landschaft
Gentechnik-Eckpunktepapier der Regierung stößt auf breite Kritik

GEO-Tag der Artenvielfalt - die größte
Feldforschungsaktion in Europa

(28.03.2007) Der GEO-Tag der Artenvielfalt ist die größte Feldforschungsaktion in Europa und jährt sich in diesem Jahr zum neunten Mal. Über 20.000 Naturfreunde nahmen 2006 in Deutschland, Österreich, der Schweiz und weiteren Ländern teil. Artenvielfalt auf der Weide! – Unter diesem Motto treten GEO und die Stiftung Naturschutz Thüringen beim diesjährigen GEO-Tag der Artenvielfalt am 9. Juni 2007 wieder zum großen Artenzählen an. Rund um den Ort Crawinkel (Thüringen) ziehen Rinder- und Pferdeherden auf einer Fläche von nicht weniger als 25 Quadratkilometern frei umher. Rund 80 Experten werden diese größte, urtümliche Weidelandschaft Deutschlands für 24 Stunden nach möglichst vielen Arten durchsuchen. Bundesweit werden hunderte weitere Aktionen zum Thema Artenvielfalt von interessierten Laien und Fachleuten organisiert. Bei den Aktionen werden regelmäßig verschollen geglaubte Arten wiederentdeckt und damit wertvolle Beiträge zur Erhaltung und Dokumentation der Tier- und Pflanzenwelt geleistet. „ Ziel des GEO-Tags ist die Bestandsaufnahme unserer unmittelbaren Umwelt. Indem wir die Eigeninitiative fördern, sich mit Biodiversität auseinanderzusetzen, wollen wir dazu beitragen, dass Menschen wieder Zusammenhänge verstehen und sich für das Geschehen in der Natur begeistern“, so Peter-Matthias Gaede, GEO-Chefredakteur. Jeder, der sich für Natur und deren Schutz interessiert, ist eingeladen, an den Begleitaktionen teilzunehmen. Wer einen GEO-Tag organisieren möchte, kann sich bei der Redaktion im Internet unter www.geo.de/artenvielfalt anmelden.

Näheres: www.geo.de/artenvielfalt

9. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau
setzt Zeichen für die Zukunft

(26.03.2007) Rund 600 Wissenschaftler, Berater, Landwirte und Studierende kamen vom 20.-23. März 2007 an der Universität Hohenheim in Stuttgart zusammen, um auf der 9. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau aktuelle Forschungsergebnisse und Entwicklungen zu diskutieren. Von der Tiergesundheit über den Pflanzenbau bis hin zur Betriebswirtschaft, Politik und Globalisierung wurden in mehr als 270 Vorträgen, Postern, Symposien und Arbeitsgruppen die neuesten Erkenntnisse ausgetauscht. In seiner Eröffnungsrede ging der baden-württembergische Landwirtschaftsminister Peter Hauck unter anderem auf das Thema Agro-Gentechnik ein: Er forderte die Schaffung der Möglichkeit zu einer Koexistenz und sieht derzeit keine realistische Chance für den Anbau von gentechnisch verändertem Raps in Baden-Württemberg. Dr. Alexander Gerber, Geschäftsführer des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), regte in seinem Plenumsbeitrag an, "Bio neu zu denken". Angesichts des rasanten Wachstums sei es dringend geboten, die Debatte um die Bewahrung der Identität weiter zu führen, um den Sektor nicht ausschließlich den Kräften des Marktes zu überlassen. Die Ursprünge des Bio-Anbaus waren in erster Linie von ethischen Motiven getragen. Daher müsse gerade jetzt eine Auseinandersetzung mit diesen Werten stattfinden und der Umgang der Handelspartner untereinander überprüft und gegebenenfalls neu gestaltet werden. Durch die Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau ist ein Dialogforum geschaffen, dass die Rahmenbedingungen der Forschung enger mit den Anforderungen der Praxis sowie den gesellschaftlichen Erwartungen verknüpft. Seit Anfang der neunziger Jahre koordiniert die Stiftung Ökologie & Landbau (SÖL) alle zwei Jahre die Wissenschaftstagung zum ökologischen Landbau, jeweils in Zusammenarbeit mit Hochschulen oder Versuchsanstalten. Die nächste Wissenschaftstagung wird vom 11. - 13. Februar 2009 in Zürich stattfinden.

Näheres: Pressemeldung

Deutsches Bio-Siegel als Vorbild für Europa?

(26.03.2007) Die Diskussion um das zukünftige europäische Öko-Logo stand mit auf dem Programm der 9. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau in Hohenheim, auf der sich vom 20. bis 23. März rund 600 Experten mit allen Facetten des Öko-Landbaus und Öko-Marktes beschäftigten. Ab 2009 muss auf allen Bio-Produkten ein einheitliches Logo prangen. Darauf hat sich der Europäische Rat im derzeitigen Verfahren zur Neufassung der EU-Ökoverordnung bereits geeinigt. Die verpflichtende Verwendung des europäischen Logos war im Vorfeld des Beschlusses des Ministerrates durchaus umstritten. Die Inhaber privater Logos befürchten eine Abwertung ihrer etablierten Warenzeichen. EU-Kommissarin Fischer-Boel hat zugesagt, bevor die Verwendung des europäischen Logos 2009 Pflicht wird, ein neues Design zu entwickeln, und um Vorschläge dafür gebeten. "Das deutsche Bio-Siegel sollte als Vorbild für ein neues europäisches Logo dienen" - so der Vorschlag der Agrarökonomen Alexander Zorn, Christian Eichert und Prof. Dr. Stephan Dabbert von der Universität Hohenheim. Das derzeitige europäische Öko-Logo ist in Deutschland kaum bekannt - ganz anders als das sechseckige Bio-Siegel, das bestens eingeführt ist und dessen Erfolgsgeschichte zur großen Verbreitung von Bio-Lebensmitteln beitrug. Der deutsche Markt ist mit Abstand der größte Bio-Markt in Europa und damit hat das deutsche Bio-Siegel die weiteste Verbreitung aller staatlichen Bio-Siegel. "Zeitgemäße Kriterien" fordert der Schweizer Experte Otto Schmid vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FIBL) und führt folgende vier Schlüsselkriterien für das EU-Logo auf: "Zuerst sollte das EU-Logo eindeutig erkennbar sein. Es sollte nicht national geprägt sein und die Regionalität der Bio-Produkte sollte auf gute Art und Weise daran gekoppelt werden können". Schließlich solle es zukunftsweisend und nicht allzu modisch sein. Prof. Dr. Angelika Ploeger von der Universität Kassel unterstreicht ebenfalls die Bedeutung der regionalen Kennzeichnung und wünscht sich ein einheitliches EU-Logo für alle, das Raum bietet, das jeweilige Herkunftsland beziehungsweise den Ort der Verarbeitung der Rohstoffe kenntlich zu machen.

Näheres: Pressemeldung

Gesucht: Modelle für eine zukunftsweisende
Forstwirtschaft

(20.03.2007) Die Gesellschaft für Boden, Technik, Qualität e.V. (BTQ) schreibt diese Jahr die Francé-Verdienstmedaille für forstwirtschaftliche Modelle aus. Auch in der Forstwirtschaft finden in Handel und Verarbeitung seit Langem Konzentrationsprozesse statt. Die Transportwege werden immer länger, der Wertschöpfungsanteil der Erzeugung sinkt. Der Raubbau an den organisch-regenerativen Rohstoffen stellt die Zukunftsfähigkeit unseres Gemeinwesens infrage. Die Gesellschaft für Boden, Technik, Qualität e.V. möchte zeigen, dass es auch anders geht: Mit der Francé-Verdienstmedaille 2007 sollen forstwirtschaftliche Modelle gewürdigt werden, die bezüglich Regionalität, Nachhaltigkeit und Energiebilanz zukunftsweisend sind. Vorschläge können bis zum 25. Juni 2007 schriftlich bei der BTQ eingereicht werden.

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Eine Uni macht mobil: Studierende auf Werbetour
in Ungarn und Rumänien

(15.03.2007) Mit dem Projekt ORGANICagriculTOUR, einer Kampagnentour des Fachbereichs für Ökologische Agrarwissenschaften der Universität Kassel, möchten engagierte Studierende und Mitarbeiter aus Witzenhausen international die Trommel rühren für den ökologischen Landbau. Sie werden Agrarfakultäten besuchen, zunächst in Mittel-, Ost- und Südosteuropa, um dort das Interesse für die ökologische Landwirtschaft zu wecken. Im Rahmen von Projekttagen werden die Studierenden vor Ort mit kreativen und informativen Methoden an das Thema herangeführt und Marktpotentiale für die ökologische Landwirtschaft in Europa aufgezeigt. Außerdem werden die Studienmöglichkeiten am Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften vorgestellt, um die in Europa einzigartigen universitären Lehr- und Forschungsmöglichkeiten in der ökologischen Landwirtschaft bekannter zu machen. Im April 2007 startet erstmals eine dreiwöchige ORGANICagriculTOUR durch Ungarn und Rumänien. Für beide Länder ist die ökologische Landwirtschaft im Hinblick auf den wachsenden europäischen Absatzmarkt für Bio-Produkte von großer Bedeutung. Es sind dort neue Kapazitäten in Erzeugung, Verarbeitung, Zertifizierung und Vermarktung erforderlich. Eine vergleichbare Hochschulausbildung in ökologischer Landwirtschaft fehlt vor Ort. Die ORGANICagriculTOUR soll zweimal jährlich stattfinden und wird mit Hilfe der Universität Kassel, durch Spenden von Bio-Verbänden und von dem Öko-Landbau nahe stehenden Stiftungen, Institutionen und Wirtschaftsunternehmen finanziert.

Näheres: www.organic-agricultour.de

Forschungsinstitut Trenthorst gerettet

(12.03.2003) In Trenthorst wird auch zukünftig Forschung für den Öko-Landbau betrieben. Dies hat Bundesminister Seehofer gegenüber den Bundestagsabgeordneten verkündet. In der Begründung hieß es, dass für den Erhalt des Instituts in Trenthorst haushalterische Gesichtspunkte wie die fünf Millionen-Euro-schweren Investitionen der letzten Jahre und der bestehende Pachtvertrag bis 2059 entscheidend waren. Das ursprüngliche Konzept für eine zukunftsfähige Ressortforschung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hatte die Schließung des Instituts für ökologischen Landbau am Standort Trenthorst und dessen Verlegung nach Mariensee in Niedersachsen vorgesehen. Der Erhalt des Standortes Trenthorst ist nicht zuletzt dem Einsatz vieler Vertreter der Bio-Branche und Abgeordneter aus unterschiedlichen Parteien zu verdanken und wird ausdrücklich begrüßt.

Näheres: www.oel.fal.de

Wissenschaftstagung 2007: Identität durch Wandel -
Bio muss sich neu denken

(08.03.2007) Vom 20. bis 23. März 2007 versammelt die Universität Hohenheim 500 Forscher auf zwei Tagungen zu Öko-Landbau und Öko-Lebensmitteln: zeitgleich finden die Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau und der QLIF-Kongress des EU-Forschungsprojekt "Quality Low Input Food" statt. Der Bio-Sektor steht vor enormen Umwälzungen: Discounter drängen auf den boomenden Öko-Markt. China setzt an, seinen Platz auch in der Öko-Welt zu finden. Die ungeklärte Umsetzung der neuen EU-Ökoverordnung ruft Ängste vor einem Billig-Bio zweiter Klasse hervor. Drei Tage lang beschäftigen sich Experten mit allen Facetten des Öko-Marktes und Öko-Landbaus, mit Globalisierungsthemen wie die internationale Armutsbekämpfung durch Öko-Landbau aber auch mit den klassischen Themen wie Bioenergie, Pflanzenbau, Tierhaltung und allgemeine Agrarpolitik. Folgende wichtige Fragestellungen werden diskutiert: Führt die neue EU-Ökoverordnung zu einem Öko zweiter Klasse? Produzieren andere Länder, wie z.B. China, bald für den heimischen Markt? Kann der Öko-Landbau in der Massenproduktion, welche die Bioenergie verlangt, mithalten? Eingeleitet wird die Veranstaltung unter anderem durch Beiträge von Peter Hauk, Minister für Ernährung und Ländlichen Raum Baden-Württemberg, von Dr. Timothy Hall von der Direktion Forschung der Europäischen Kommission und von Wolfgang Reimer vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Die Stiftung Ökologie & Landbau koordiniert seit Anfang der neunziger Jahre alle zwei Jahre eine allgemeine Wissenschaftstagung zum ökologischen Landbau, jeweils in Zusammenarbeit mit Hochschulen oder Versuchsanstalten. Damit wird ein Dialogforum geschaffen, welches einen lebendigen und nachhaltigen Austausch von Forschungsergebnissen ermöglicht.

Näheres: www.wissenschaftstagung.de

Naturschutzhof des Monats - Praktischer Naturschutz
in der Landwirtschaft

(06.03.2007) Heute startet die Kampagne "Naturschutzhof des Monats" des Projekts Förderpreis Nautrschutzhöfe. Auf den Internetseiten www.naturschutzhoefe.de, www.soel.de, www.bfn.de, www.euronatur.org, www.bund.net und www.lbv.de wird anhand von Betriebsportraits und Fotogalerien gezeigt, wie die prämierten Höfe Naturschutz auf ihrem Betrieb umsetzen. Naturschutzhof des Monats März ist Bioland-Weingut Seiler in Weyher Rheinland-Pfalz, dessen Bewirtschaftungssystem das Ziel hat, nicht nur die Rebe optimal mit Nährstoffen und Wasser zu versorgen, sondern gleichzeitig die Artenvielfalt zu fördern. Zudem hat Ludwig Seiler viele Möglichkeiten entwickelt, Öko-Nischen im Weinberg und rund um den Hof einzurichten. Für diese Leistungen wurde der Winzer am 13. Februar 2007 durch Bundesumweltminister Sigmar Gabriel mit dem Förderpreis Naturschutzhöfe ausgezeichnet. Ziel des Förderpreises Naturschutzhöfe ist der Aufbau eines deutschlandweiten Netzes von Naturschutzhöfen, die auf ganz unterschiedliche Weise Naturschutz in die landwirtschaftliche Praxis integrieren und zur Nachahmung anregen. Der Förderpreis Naturschutzhöfe wurde erstmals vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) und der Stiftung Ökologie & Landbau (SÖL) vergeben. Weitere Projektpartner sind der Naturschutzbund (NABU) / Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV), der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) / Bund Naturschutz Bayern (BN) sowie die Stiftung Europäisches Naturerbe (Euronatur).

Näheres: Pressemeldung, Naturschutzhof des Monats März: Bioland-Weingut Seiler

Apisticus-Preis für Netzwerk Blühende Landschaft

(05.03.2007) Der "Oscar der Imkerei", der Apisticus-Preis 2007 ging dieses Jahr an Utto Baumgartner vom Netzwerk Blühende Landschaft. Der Preis wurde am 12. Februar 2007 auf dem Apisticus-Tag in Münster als Anerkennung für besondere Verdienste für die Imkerei überreicht. Der nordrhein-westfälische Landwirtschaftsminister Eckhard Uhlenberg betonte in seiner Laudatio zur Preisverleihung die besondere Leistung des Netzwerks Blühende Landschaft: In der relativ kurzen Zeit seines Bestehens sei es dem Netzwerk gelungen, in der ganzen Bundesrepublik und darüber hinaus ein Bewusstsein für die Notlage der Blüten besuchenden Insekten zu wecken. Zahlreiche Organisationen und Personen konnten für eine konstruktive Zusammenarbeit gewonnen werden. Sowohl Imkerorganisationen wie der Deutsche Imkerbund (DIB), der Deutsche Berufs- und Erwerbsimkerbund (DBIB) als auch viele namhafte Organisationen aus den Bereichen Naturschutz, Landwirtschaft und Landschaftspflege haben sich im Netzwerk Blühende Landschaft zusammengefunden. In Zusammenarbeit mit Wissenschaft und Praxis wurden Konzepte entwickelt, mit Hilfe derer in der Landwirtschaft, in Gärten und auf öffentlichen Flächen mit geringem Aufwand blühende Flächen geschaffen werden können. Für Utto Baumgartner ist "die Ehrung des Netzwerks Blühende Landschaft auf dem Apisticus-Tag ein wertvolles Signal an Öffentlichkeit und Politik, das die Wichtigkeit von Veränderungen unserer Kulturlandschaft deutlich macht."

Näheres: www.bluehende-landschaft.de

Gentechnik-Eckpunktepapier der Regierung
stößt auf breite Kritik

(01.03.2007) Die Eckpunkte zur Novellierung des Gentechnik-Gesetzes, die am 28. Februar in Berlin dem Kabinett vorgelegt worden sind, haben bei Bio- und Umweltschutzverbänden zahlreiche Proteste hervorgerufen. Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) meldete, dies sei eine Abkehr vom Schutz gentechnikfreier Landwirtschaft und Lebensmittelerzeugung. "Absurd ist, dass gentechnikfreie Lebensmittel teurer werden, denn nach dem Eckpunktepapier werden die zusätzlichen Kosten des GVO-Anbaus den gentechnikfrei arbeitenden Unternehmen aufgebürdet", kommentierte Felix Prinz zu Löwenstein den Entwurf des Eckpunktepapiers. Der BÖLW-Vorsitzende bezeichnete es als unverständlich, weshalb Seehofer von der Linie der CSU abrückt, und warum sich die Forderungen der SPD nicht in dem Papier wieder finden. Zu den wichtigsten Kritikpunkten des BÖLW zählen: 1. Obwohl die Europäische Freisetzungsrichtlinie den Staaten das Recht gebe, für eine Vermeidung von Kontaminationen zu sorgen, sei die Zielsetzung des Eckpunktepapiers lediglich, Kontaminationen unter dem Kennzeichnungs-Schwellenwert der EU von 0,9 Prozent zu halten. 2. Die Schwelle für die Haftung von Schäden ist mit 0,9 Prozent gentechnisch veränderten Anteilen zu niedrig angesetzt. 3. Die Kosten für Labor-Untersuchungen auf Kontamination sollten nicht die Nachbarn von Gentechnik-Anbauern übernehmen müssen. Stattdessen sollte den Gentechnik-Verwendern auf eigene Kosten ein „Auskreuzungsmonitoring“ auferlegt werden, mit dem überwacht würde, ob es in einem definierten Bereich um ihre Gentechnikfelder zu Kontaminationen kommt. 4. Das Eckpunktepapier sieht vor, Schäden aus Forschungsfreisetzungen nur beim unmittelbaren Nachbarn haftungspflichtig zu machen, wobei der Staat haften soll. Der BÖLW fordert, auch bei Forschungs-Freisetzungen die Versuchsansteller vollumfänglich in die Haftung zu nehmen. Weiterhin fordert der BÖLW die geltende, unkomplizierte und durch jedermann handhabbare Regelung des Anbauregisters unbedingt beizubehalten.

Näheres:
BÖLW: Gentechnik-Eckpunktepapier der Regierung: Eine Lizenz zum Verschmutzen
Bioland: Gentechnikpläne der Bundesregierung realitätsfern
BUND: Seehofers Gentechnikpläne verraten Landwirte, Lebensmittelhersteller und Verbraucher
Deutsche Welle: Seehofer will Erforschung der grünen Gentechnik fördern
Greenpeace: Seehofer bleibt Genhofer
Save Our Seeds: Gentechnikgesetz: Wie das Eckige ins Runde kommt