Nachrichtenarchiv Dezember 2007

Nachrichtenübersicht
Tag des Ökologischen Landbaus 2008: Die Rolle des ökologischen Landbaus in der Politik
Globaler Aufruf gegen Patente auf Saatgut und Nutztiere
BUND wählte Hubert Weiger als neuen Vorsitzenden
Klimaprogramm der Bundesregierung greift Reformbedarf in der Landwirtschaft nicht auf
Dagi Kieffer erhält Auszeichnung des Landes Rheinland-Pfalz
Naturschutzhof des Monats Dezember: Bannmühle - Naturschutz schmeckt

Tag des Ökologischen Landbaus 2008: Die Rolle
des ökologischen Landbaus in der Politik

(20.12.2007) Am 25. Januar 2008 findet im Rahmen der Internationalen Grünen Woche Berlin der Tag des Ökologischen Landbaus 2008 statt. Unter dem Titel "Vom Aussitzen zum Anpacken - Die Rolle des Ökologischen Landbaus in der Politik" lädt der Bund Ökologische Lebenmittelwirtschaft (BÖLW) zur Diskussion ein. Nachhaltig erzeugte und gesunde Lebensmittel sind von einem Randphänomen zu einem zentralen gesellschaftlichen Anliegen geworden. Umwelt- und tiergerechte Erzeugung, multifunktionale Landschaften sowie die Schaffung von Arbeitsplätzen und regionaler Infrastruktur sind Leistungen der Landwirtschaft, welche die Gesellschaft bereit ist zu honorieren. Tatsächlich aber ist es für die heimischen Landwirte nicht lukrativ, sich an den Kundenwünschen zu orientieren und der „Bio-Boom“ wird zum großen Teil durch Importe aus dem Ausland bedient. Deshalb ist die Frage zu stellen, ob die agrarpolitischen Steuerungsinstrumente zielgerichtet und effizient eingesetzt werden, denn der ökologische Landbau bietet ein fundiertes und bewährtes Instrument, um diesen Widerspruch aufzulösen. Der diesjährige Tag des Ökologischen Landbaus versteht sich als Impulsgeber in der Auseinandersetzung um diese Frage.

Näheres: Programm und Anmeldung

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Globaler Aufruf gegen Patente auf Saatgut und
Nutztiere

(18.12.2007) Mit einem globalen Aufruf, der am 13. Dezember 2007 dem Europäischen Patentamt (EPA) in München präsentiert worden ist, protestieren 48 Bauernverbände aus aller Welt gegen Patente auf Saatgut und Nutztiere. Unterstützt wird der Aufruf auch von Entwicklungsorganisationen und Umweltverbänden. Die Unterzeichner - insgesamt 173 Organisationen - wenden sich insbesondere gegen Patente auf Saatgut und Nutztiere. "Es ist das größte globale Bündnis dieser Art und sendet ein klares Signal an die Politik und die Patentämter in aller Welt", sagt Mute Schimpf vom Hilfswerk Misereor. Anlass der Aktion sind Patente auf Pflanzen und Tiere, die aus ganz normaler, konventioneller Zucht (ohne Gentechnik) stammen. In Europa wurde unter anderem ein Verfahren zur Züchtung von Kühen patentiert und ein Patent auf Brokkoli vergeben, obwohl die europäischen Gesetze es ausdrücklich verbieten, normale Zuchtverfahren zu patentieren. Das Europäische Patentamt hat das Patent auf Brokkoli zum Präzedenzfall erklärt. Eine Entscheidung über dieses Patent (EP 1069819) kann schon in den nächsten Monaten fallen. Sie wird Auswirkungen auf alle anderen vergleichbaren Anmeldungen haben. Es sind bereits hundert Patente auf normale Pflanzen und Tiere ohne Gentechnik in diesem Bereich angemeldet, darunter auch Patente auf die Züchtung von Schweinen von der Firma Monsanto und auf die Züchtung von Reis von der Firma Syngenta.

Näheres: Pressemeldung und www.no-patents-on-seeds.org

BUND wählte Hubert Weiger als neuen Vorsitzenden

(12.12.2007) Die Delegierten des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) haben ihren Bundesvorstand neu gewählt. Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender des bayerischen Landesverbandes Bund Naturschutz (BN), löst die seit neun Jahren amtierende Bundesvorsitzende Dr. Angelika Zahrnt ab. Hubert Weiger will für die Zukunft Lobby-Konflikte öffentlich austragen und auf Konfrontationskurs mit den Verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft gehen. „Wir werden die Bundesregierung an ihren Taten messen. Mit schönen Worten und Versprechungen wird sich der BUND nicht abspeisen lassen,“ erklärt Hubert Weiger, „Deutschland muss aus veralteten und gefährlichen Energieträgern wie Kohle oder Atom aussteigen. Und wenn im kommenden Jahr in Bonn die Weltkonferenz zur Biodiversität stattfindet, muss ein Plan vorliegen, wie Deutschland bis 2010 den Verlust seiner Artenvielfalt stoppen will.“ Hubert Weiger ist Naturschützer mit Herzblut, Kopf und Engagement. Er ist ein Mann der ersten Stunde beim BUND und zählt zu den Gründungsmitgliedern der 1975 ins Leben gerufenen Organisation. Die Stiftung Ökologie & Landbau (SÖL) gratuliert ihrem Kuratoriumsmitglied Hubert Weiger zur Wahl zum BUND-Vorsitzenden.

Näheres: Pressemeldung

Klimaprogramm der Bundesregierung greift
Reformbedarf in der Landwirtschaft nicht auf

(10.12.2007) Das AgrarBündnis kritisiert die Schwerpunktsetzung des Integrierten Energie- und Klimaprogrammes der Bundesregierung vom 5. Dezember 2007. Für die Landwirtschaft sind vor allem die Novelle zum Biokraftstoffgesetz sowie die Nachhaltigkeitsverordnung für die Erzeugung von Biomasse von Bedeutung. Intensitätssteigerung und Importe sind derzeit der Trend bei der Ausweitung der Nutzung von Biomasse. Vor diesem Hintergrund sind die Anforderungen, die von der Bundesregierung an den Anbau nachwachsender Rohstoffe gestellt werden, nicht ausreichend, so das AgrarBündnis. Nachhaltigkeit solle allein durch die Einhaltung der "guten fachlichen Praxis" gewährleistet werden. Diese sei aber weder in Deutschland noch in der EU an konkrete Nachhaltigkeitskriterien gekoppelt. Das AgrarBündnis fordert in einem Positionspapier, bei den vorgelegten Beschlüssen inhaltlich nachzulegen. Kleine, dezentrale Anlagen sollten zum Vorbild werden, um Energie aus vorhandenen Potenzialen zu erschließen. Um von dem derzeit sehr einseitigen Anbau weniger Energiepflanzenarten wie Mais und Raps zu mehr Vielfalt zu kommen, schlägt das AgrarBündnis außerdem vor, den Garantiepreis für Landwirte so zu gestalten, dass auch der Einsatz von Pflanzen und Reststoffen, die derzeit noch unrentabel sind, gesteigert wird. Mehr Unterstützung fordert das AgrarBündnis von der Bundesregierung auch bei Nutzung der Potenziale zur Kohlenstoffbindung, wodurch die Kohlendioxidemissionen erheblich vermindert werden könnten.

Näheres: Pressemeldung und Positionspapier zum Einsatz von Biomasse in der Landwirtschaft

Dagi Kieffer erhält Auszeichnung des Landes
Rheinland-Pfalz

(05.12.2007) Ministerpräsident Kurt Beck hat am 4. Dezember 2007 im Festsaal der Staatskanzlei in Mainz den Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz verliehen. Zu den geehrten Personen zählte auch Dagi Kieffer, Vorsitzende der Stiftung Ökologie & Landbau (SÖL). Der Landesverdienstorden wurde dieses Jahr an 22 Persönlichkeiten vergeben, die Außergewöhnliches für Rheinland-Pfalz geleistet haben. "Mehr tun, als man eigentlich leisten muss, mehr als eigentlich erwartet wird, sich seinen Überzeugungen voll und ganz widmen, dafür stehen die Ordensträger", so Ministerpräsident Beck in seiner Festansprache. Dagi Kieffer wurde für ihr großes Engagement und ihren unermüdlichen Einsatz für den Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft ausgezeichnet. Sie unterstützt seit 1962 die Stiftungsarbeit und forcierte den Schwerpunkt Öko-Landbau. Ein Erfolg aus dieser Arbeit war beispielsweise die Gründung der Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau (AGÖL), ehemaliger Dachverband der Bio-Verbände in Deutschland. Im Vorstand der IFOAM (International Federation of Organic Agriculture Movements) hatte sie sich über viele Jahre auch für die internationale Koordination des Erkenntnis- und Erfahrungsaustauschs im Öko-Landbau eingesetzt und übernahm 1977 die Herausgabe der Zeitschrift "Ökologie & Landbau" (vormals "IFOAM-Bulletin").

Näheres: Pressemitteilung der Landesregierung

Naturschutzhof des Monats Dezember:
Bannmühle - Naturschutz schmeckt

(03.12.2007) Als Naturschutzhof des Monats wird im Dezember die Bannmühle in Odernheim am Glan, Rheinland-Pfalz vorgestellt. Betriebsschwerpunkte sind ökologischer Obstbau - z.T. auf Streuobstwiesen - Kelterei, Mutterkuhhaltung und Direktvermarktung. Obstbau und Saftvermarktung werden unter dem Aspekt der Vielfalt "Jeder Tag schmeckt anders" sehr innovativ aufgezogen und durch die Tierhaltung mit dem anfallenden organischen Dünger, der Tresterverwertung und der Beweidung der Streuobstbestände sinnvoll ergänzt. Die Beweidung erfolgt mit dem vom Aussterben bedrohten Glanrind. Hans Pfeffer setzt auf diese Rasse aufgrund ihrer Robustheit und ihrer hohen Fleischqualität. Herausragend ist die Neuanlage einer Streuobstwiese mit Hochstämmen, die einen besonders hohen Astansatz haben, um sicher vor dem Verbiss der Rinder zu sein. Geschützt werden die Bäume außerdem mit einem einfachen, aber innovativen elektrischen Baumschutz, der aus zwei Ringen aus Rundstahl besteht verbunden mit einer Elektrolitze. "Junge Bäume brauchen Pflege und Düngung, das vergessen viele Gemeinden, wenn sie Obstbäume zum Ausgleich pflanzen", erklärt Betriebsleiter Hans Pfeffer. Die Bannmühle erhielt im Februar 2007 von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel im Rahmen der Verleihung des "Förderpreises Naturschutzhöfe" eine Auszeichnung. Derzeit läuft die Ausschreibung einer neuen Wettbewerbsrunde zum Förderpreis Naturschutzhöfe 2008.

Näheres: Pressemeldung und www.naturschutzhoefe.de