Nachrichtenarchiv August 2007

Nachrichtenübersicht
IFOAM-Konferenz: Die Entwicklung ländlicher Regionen muss gestärkt werden
Öko-Landbau im Spannungsfeld von Artenvielfalt, gesunder Ernährung und Biosprit
BÖLW Herbsttagung 2007: "100 % Bio: Klimaschutz durch Öko-Landbau"
Erste Internationale IFOAM Konferenz zum Marketing von ökologischen und regionalen Werten
„100 Äcker für die Vielfalt"
Ausschreibung zum Förderpreis Ernährungskultur
Verbraucher- und Erzeugerverbände fordern Nachbesserungen im Gentechnikgesetz
Traineeprogramm V: Nachwuchsschmiede für das Unternehmen Öko-Landbau - jetzt bewerben!
Naturschutzhof des Monats: Landwirtschaft, Denkmalschutz und Naturschutz Hand in Hand

IFOAM-Konferenz: Die Entwicklung ländlicher
Regionen muss gestärkt werden

(30.08.2007) Mehr als 200 Teilnehmer aus 40 Ländern nahmen vom 26. bis 28. August 2007 an der 1. Internationalen IFOAM Konferenz zum "Marketing und In-Wert-Setzen ökologischer und regionaler Produkte" teil. Im Mittelpunkt standen Ideen, Chancen und Strategien zum Schutz der Integrität ökologischer Produkte, traditionellen Wissens und der natürlichen Biodiversität. Herausgestellt wurde die Bedeutung lokaler ökologischer Systeme und der ländlichen Kultur. In seiner Eröffnungsrede betonte Gerald A. Herrmann, Präsident der Internationalen Vereinigung Ökologischer Landbaubewegungen (IFOAM): Wir waren weltweit sehr erfolgreich ein gemeinsames Verständnis über den ökologischen Landbau zu etablieren. Wir sind damit vielen anderen Wirtschaftsbereichen weit voraus. Jetzt müssen wir uns fragen, was wir zusätzlich machen können, um den ökologischen Landbau im Kopf der Verbraucher zu verankern und im Herzen der Bauern." Die Konferenzteilnehmer verabschiedeten einstimmig die "Erklärung von Schwäbisch Hall", die u.a. feststellt, dass ländliche Strukturen von multinationalen Konzernen und durch die Agro-Gentechnik bedroht sind, daher müsse die Entwicklung ländlicher Regionen mit allen Mitteln gestärkt werden. Die Erklärung unterstützt das In-Wert-Setzen durch Verarbeiter und Handelsmarken, Warenzeichen und geographische Angaben, wenn sie fest mit dem ökologischen Landbau verbunden sind. Auf diese Weise stelle der ökologische Landbau die einzige soziale und ökonomische Alternative für ländliche Regionen dar, mit dem Potential, dauerhaft ökologisch und ökonomisch nachhaltig zu sein. Die Konferenz wurde organisiert von Organic Services GmbH und Ecoland e.V. in Kooperation mit IFOAM und unterstützt durch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

Näheres: IFOAM-Presseerklärung

Öko-Landbau im Spannungsfeld von Artenvielfalt,
gesunder Ernährung und Biosprit

(24.08.2007) Bei einer Pressekonferenz am 23. August in München hat der Deutsche Naturschutzring (DNR) gemeinsam mit seinen Mitgliedsverbänden Bioland und Naturland die Landwirte dazu aufgerufen, nicht leichtfertig auf den großflächigen Anbau von Energiepflanzen zu setzen. Von der Politik fordern die Verbände positive und verlässliche Signale für eine Umstellung auf Bio-Landbau, Nachbesserungen im Entwurf zum neuen Gentechnikgesetz und eine Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Der Klimawandel ist gegenwärtig und spürbar. Die Hauptaufgabe der Landwirtschaft muss auch künftig die Erzeugung hochwertiger, ökologischer Lebensmittel bleiben. Dennoch ist die Energiegewinnung von Biogas aus Biomasse ein wichtiger Bestandteil einer zukünftigen Energieversorgung. Allerdings sind mit der aktuellen Entwicklung eine Vielzahl von umweltproblematische Folgen verbunden wie der verstärkte Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzen- und Düngemitteln sowie die Grünlandintensivierung. Mit nur 2,3 Prozent ist der Zuwachs der ökologisch bewirtschafteten Fläche in Deutschland 2006 auf einem historischen Tiefststand angekommen. Dagegen lag das Marktwachstum im gleichen Zeitraum bei 16-18 Prozent. „Das Wachstum geht an der heimischen Landwirtschaft vorbei“, so Gerald Wehde von Bioland. Ein Hauptgrund ist die nicht leistungsgerechte Honorierung dieser umweltverträglichen Wirtschaftweise. Fast alle Bundesländern hatten im Jahr 2007 die Prämiensätze für den Bio-Landbau gekürzt und damit den Umstellungsanreiz für konventionelle Landwirte drastisch reduziert.

Näheres: Pressemeldung

BÖLW Herbsttagung 2007: "100 % Bio: Klimaschutz
durch Öko-Landbau"

(22.08.2007) Zum Thema "100 % Bio: Klimaschutz durch Öko-Landbau" lädt der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) am 25. Oktober 2007 zur Herbsttagung nach Berlin ein. Der menschengemachte Klimawandel ist in den Fokus der Gesellschaft gerückt. 20 Prozent der Treibhausgase werden in Deutschland durch die Nahrungsmittelproduktion verursacht. Durch teures Öl und dem Ruf nach Unabhängigkeit wächst der Landwirtschaft auf der anderen Seite mehr und mehr die Aufgabe des Energielieferanten zu. Eifrig fördern Bund und EU den Energie-Landbau mit zweifelhaften ökologischen Folgen und oft mangelhafter CO2-Effizenz. Dies stellt neue Fragen an den Öko-Landbau: Ist er per se praktizierter Klimaschutz? Welche ungenutzten Klimaschutzpotentiale birgt er? Kann er mit angepassten Technologien und Anbaumethoden einen Beitrag für eine nachhaltige Energie- und Rohstoffversorgung leisten? An die Politik richtet sich die Frage, wie sie klimafreundliches Verhalten, auch in der Landwirtschaft, sicherstellen will und welche Strategien verfolgt werden, damit der „Energiewirt“ nicht zum neuen Öko-Sünder wird. Am Vormittag der BÖLW-Herbsttagung wird in Vorträgen der Stand des Wissens aufgezeigt. Am Nachmittag werden in Arbeitsgruppen Perspektiven und Konzepte für mehr Klimaschutz durch die Landwirtschaft diskutiert.

Näheres: Tagungsprogramm

Erste Internationale IFOAM Konferenz zum Marketing
von ökologischen und regionalen Werten

(16.08.2007) Vom 26. bis 28. August 2007 wird in Schwäbisch Hall die Erste Internationale IFOAM Konferenz zum Marketing von ökologischen und regionalen Werten stattfinden. Auf der Konferenz sollen spezielle Absatz-Strategien diskutiert werden, die das Ziel verfolgen, den Wert der Produkte über die Aspekte Hochwertigkeit, Herkunft und Einzigartigkeit zu vermitteln. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie regionale und andere spezifische Werte geschaffen und identifieziert werden können, und schließlich auch, wie diese Werte in erfolgreiche Absatz-Strategien von Bio-Produkten umgewandelt werden können. Führende Handels- und Marketingexperten, Wissenschaftler, Verantwortliche aus Politik und Verwaltung und Interessensvertreter der ökologischen Lebensmittelwirtschaft werden an der Konferenz teilnehmen. Das Programm enthält Vorträge verschiedener Persönlichkeiten. Die charismatische Vandana Shiva aus Indien, Preisträgerin des Alternativen Nobelpreis 1993, wird die Konferenz eröffnen mit einer Grundsatzrede: Von Monokulturen zur Diversität, von Lebensmittel-Monopolen zu Lebensmittel-Demokratie.

Näheres: Konferenz und Anmeldung, Programm (PDF 360KB)

„100 Äcker für die Vielfalt"

(14.08.2007) Die Universität Göttingen, das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) und der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL) haben das Projekt „100 Äcker für die Vielfalt“ ins Leben gerufen. Das Projekt wird gefördert durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU). Ackerwildkräuter wie Kornblume, Mohn und Rittersporn waren durch viele Jahrhunderte bunte Begleiter der Nahrungsmittelerzeugung auf den Äckern. Intensivierung der Unkrautbekämpfung, aber auch Nutzungsaufgabe haben einen dramatischen Artenrückgang der Ackerwildkräuter bewirkt, der auch die Tierwelt der Äcker betrifft. Projektziel ist, in jedem Naturraum Deutschlands die Erhaltung typischer Ackerwildkrautvegetation sicherzustellen. Bundesweit sollen mindestens 100 „Schutzäcker“ diesem Ziel dienen. In einer derzeit laufenden Vorstudie werden bundesweit die ökologisch hochwertigsten Ackerflächen erfasst und Kontakte zu Akteuren geknüpft, die sich vor Ort um Ackerwildkräuter kümmern. Ergänzend wird geklärt, wie langfristig die Finanzierung und Bewirtschaftung der Schutzäcker in Kooperation mit den Landwirten gesichert werden kann. „In der darauf folgenden Projektphase wollen wir die Bewirtschaftungs- und Pflegemaßnahmen auf den 100 Äckern für die Vielfalt zusammen mit regionalen Partnern umsetzen und damit möglichst viele Nachahmer finden“, so Dr. Thomas van Elsen vom FiBL. Personen und Organisationen, die sich beteiligen wollen, wird die Kontaktaufnahme über www.schutzaecker.de empfohlen.

Näheres: Pressemeldung

Ausschreibung zum Förderpreis Ernährungskultur

(13.08.2007) Zum fünften Mal wird im Jahr 2007 der "Förderpreis Ernährungskultur" der Universität Kassel, gestiftet von der Johannes Fehr GmbH & Co. KG, ausgeschrieben. Durch diesen Preis sollen deutschsprachige wissenschaftliche oder praxisorientierte Arbeiten gefördert werden, die einen herausragenden Beitrag zur Erforschung und Verbreitung einer nachhaltigen, zukunftsweisenden Lebensmittelerzeugung und Ernährung leisten. Die Jury formulierte Leitgedanken zur Ernährungskultur, denen die Arbeiten entsprechen sollen. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert. Die Preisträger können als Einzelperson oder als Team bedacht werden. In den Vorschlägen beziehungsweise Bewerbungen soll deutlich gemacht werden, worin im Projekt der Bezug zu den Leitgedanken der Ernährungskultur zu sehen ist. Eine Kurzfassung des Projektes von maximal 15 Seiten ist dem Antrag beizulegen. Da in den letzten Jahren vorwiegend Praxisbeispiele ausgezeichnet wurden, fordert die Jury in diesem Jahr explizit junge Wissenschaftler auf, Forschungsarbeiten einzureichen. Bewerbungsende ist der 10. September 2007.

Näheres: Informationen zum Förderpreis Ernährungskultur

Verbraucher- und Erzeugerverbände fordern Nachbesserungen im Gentechnikgesetz

(09.08.2007) Das Bundeskabinett hat gestern den Gesetzentwurf zum neuen Gentechnikgesetz verabschiedet. Während Landwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) die einvernehmliche Zustimmung begrüßte, übten Erzeuger-, Umwelt- und Verbraucherverbände scharfe Kritik. Die Novelle sieht für Genmais einen Mindestabstand von 150 Metern zu konventionell und von 300 Metern zu ökologisch bewirtschafteten Nachbarfeldern vor. Bauern haften erst ab einer Verunreinigung von 0,9 Prozent. Das führe zu einer "schleichenden Verunreinigung", kritisierte der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). Der Anbauverband Bioland forderte einen Mindestabstand von 800 Metern. Weitere Forderungen der Verbände sind die Übernahme von teuren Analysekosten durch die Verursacher und keine Absprachen zwischen Nachbarn zuzulassen, die es ermöglichen auf Schutzmaßnahmen zu verzichten. Nun seien Bundesländer und Parlament gefordert, wenn sie nach der Sommerpause den Gesetzentwurf im Bundesrat behandeln und das parlamentarische Gesetzgebungsverfahren beginnt.

Pressemeldungen:

Naturland: Naturland fordert Nachbesserungen im Gentechnikgesetz (08.08.2007)
BÖLW: Bundeskabinett beschließt Gentechnikgesetz: Viel Arbeit für die Parlamente (08.08.2007)
Bioland: Gentechnikgesetz im Bundeskabinett: Bioland fordert Nachbesserungen beim Gentechnikgesetz (08.08.2007)
Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv): Gentechnik: vzbv fordert Nachbesserungen (08.08.2007)

Traineeprogramm V: Nachwuchsschmiede für das Unternehmen Öko-Landbau - jetzt bewerben!

(06.08.2007) Nach bereits vier Traineeprogrammen und mehr als 90 Absolventen startet im November 2007 eine fünfte Runde. Im bewährten Team koordiniert die Stiftung Ökologie & Landbau (SÖL) gemeinsam mit der Andreas Hermes Akademie (AHA), der Konferenz der Kontrollstellen (KdK), dem Bundesverband Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) und dem Bundesverband Naturwaren Naturkost, Herstellung und Handel (BNN) eine neue Runde der Ausbildung von Fach- und Führungskräften für den Öko-Landbau.Wie auch in der vierten Ausbildungsrunde, die noch bis Oktober 2007 läuft, werden im kommenden Traineeprogramm Nachwuchskräfte in Beratung, Kontrolle und Zertifizierung sowie in erzeugernahen Verarbeitungs- und Vermarktungsorganisationen ausgebildet. Damit leistet das Programm zusätzlich einen wesentlichen Beitrag zur vertikalen Vernetzung entlang der gesamten Wertschöpfungskette in der ökologischen Lebensmittelwirtschaft. Das Traineeprogramm Öko-Landbau wird im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau durchgeführt.

Näheres: Pressemeldung und http://www.soel.de/bildung/traineeprogramm/index.html

Naturschutzhof des Monats: Landwirtschaft,
Denkmalschutz und Naturschutz Hand in Hand

(01.08.2007) Als "Naturschutzhof des Monats" wird im August Hof Eggers in der Ohe vorgestellt. Christine und Georg Eggers bewirtschaften den 130 Hektar großen Gemischtbetrieb in der Vierländer Elbmarsch und leisten durch Denkmalschutz, aktive Landschaftsgestaltung und schonende Landbewirtschaftung einen herausragenden Beitrag zur Erhaltung dieser historisch gewachsenen Kulturlandschaft. Hecken und Uferbegleitgehölze werden auf Stock gesetzt und verjüngt. Die historisch vielgliedrigen Grabensysteme bleiben erhalten, sie fallen auf Hof Eggers nicht der Schlagvergrößerung zum Opfer. Im Umgang mit der Hoflandschaft achtet Familie Eggers ganz gezielt auf verschiedene Kleinstlebensräume und Nischen für Wildtiere und -pflanzen. Der "Freundeskreis Hof Eggers in der Ohe e. V." unterstützt den Betrieb bei der Sanierung des denkmalgeschützten Hofes, bei Naturschutzmaßnahmen wie beispielsweise dem Aufstellen eines Storchenhorstes sowie bei kulturellen Veranstaltungen. Hof Eggers erhielt eine der bundesweit neun Auszeichnungen, die am 13. Februar 2007 im Rahmen des Förderpreises Naturschutzhöfe vergeben wurden. Initiiert und durchgeführt wurde der Wettbewerb vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) gemeinsam mit der Stiftung Ökologie & Landbau.

Näheres: Pressemeldung, www.naturschutzhoefe.de