Staatssekretärin
Astrid Klug (BMU) hat heute gemeinsam mit der Präsidentin des Bundesamtes
für Naturschutz (BfN), Prof. Dr. Beate Jessel, den bundesweiten Förderpreis
Naturschutzhöfe 2008 verliehen. Die beiden vergebenen Preise erhalten
der Lämmerhof (Schleswig-Holstein) und Gut Schmerwitz (Brandenburg).
In
dieser zweiten Wettbewerbsrunde des Förderpreis Naturschutzhöfe
lag der Schwerpunkt auf der Öffentlichkeitsarbeit. Gefragt waren Ideen
und Konzepte, mit denen die Betriebe ihre Naturschutzleistungen nach außen
darstellen und ihr Engagement für die Erhaltung der biologischen Vielfalt
an die Öffentlichkeit kommunizieren.
Der Lämmerhof und Gut Schmerwitz überzeugten die Jury mit ihrer bunten Palette an Öffentlichkeitsarbeit und einer professionellen Darstellung. Die Betriebe zeigen über Flyer, Broschüren, Infotafeln, Internetseiten, vor allem aber über den direkten Kontakt bei Führungen und Veranstaltungen aller Art, dass sie mehr sind als Lebensmittelproduzenten. Ausgefeilte pädagogische Angebote, naturkundliche Führungen und Hoffeste bringen Groß und Klein nicht nur in Berührung mit der Landwirtschaft, sondern auch mit der Natur.
Staatssekretärin
Astrid Klug betonte bei der offiziellen Preisverleihung im BfN die Bedeutung
einer Natur schonenden Landwirtschaft für die Erhaltung der biologischen
Vielfalt: "Den meisten ist nicht bewusst, dass unsere Landwirte nicht
nur Nahrungsmittel erzeugen, sondern auch das Bild unserer Landschaft prägen.
Diejenigen, die erfolgreich Naturschutzmaßnahmen in ihren Betriebsablauf
integrieren, leisten einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der lebendigen
Vielfalt". Sie tragen mit ihrem Engagement zu den Zielen der Bundesregierung
bei, den Verlust der biologischen Vielfalt bis zum Jahr 2010 zu stoppen.
Dr. Stefan Rösler, Landesvorsitzender des NABU Baden-Württemberg, hielt als Stellvertreter aller Projektpartner die Laudatio. "Das herausragende Engagement der ausgezeichneten Betriebe verschafft ihnen ein Alleinstellungsmerkmal, das sich auch vermarktungsfördernd einsetzen lässt", ist sich der Laudator sicher. "Wenn es den Höfen gelingt, Kunden und Hofbesuchern ihre besondere Wirtschaftsweise und den schonenden Umgang mit der Natur nahe zu bringen, bekommen diese das Gefühl, mit ihrem Einkauf nicht nur den Landwirt, sondern auch die Landschaft zu unterstützen, die für sie Heimat und Erholungsraum darstellt."
Anlässlich
der Preisverleihung wurde das Buch "Landwirt
schafft Vielfalt - Natur fördernde Landwirtschaft in der Praxis"
vorgestellt. Diese Veröffentlichung enstand im Rahmen der zwei Wettbewerbsrunden.
Es enthält zahlreiche Beispiele von Landwirtschaftsbetrieben aus ganz
Deutschland und zeigt vorbildliche Maßnahmen zur naturschonenden Bewirtschaftung
auf.

Mit dem ersten Preis wird das große Engagement von Detlef Hack, Ute Thode und Christian und Urte Brüggemann vom Lämmerhof in Panten ausgezeichnet. Seit 19 Jahren bewirtschaften sie mit ihrem Team den rund 550 Hektar großen Demeter-Betrieb nach dem Motto "Der Natur auf dem Lämmerhof einen Platz geben". Dafür wollten sie von Beginn an Biotope schaffen und erhalten, sie miteinander verbinden und den ganzen Hof in das umgebende Netz von naturschutzfachlich wertvollen Wald- und Moorstandorten einbinden. Im Rahmen eines Flurneuordnungsverfahrens wurden Flächen getauscht, die Hofflächen arrondiert und Feuchtgebiete wie das Hellmoor wiedervernässt. Alle Maßnahmen zusammen haben zu einer Feldflur mit einer engen Verzahnung von Flachwasser, Moor- und Grünlandhabitaten, Gehölzen und Ackerflächen geführt. Durch die geschaffenen Vernetzungsstrukturen und die ökologische Bewirtschaftung wurde die Artenvielfalt deutlich erhöht. Die Darstellung dieser Leistungen bestimmt die Öffentlichkeitsarbeit des Lämmerhofs in allen Bereichen, gerade auch in der Vermarktung. Neben dem eigenen Hofladen vermarktet der Lämmerhof Getreide an Hamburger Bio-Bäckereien. Die besondere Wirtschaftsweise, mit der die wertvolle Landschaft erhalten wird, wird nach außen dargestellt und das Getreide damit aus seiner Anonymität geholt. Dies geschieht beispielsweise durch Führungen für Bäckerei-Mitarbeiter oder auch die Feier des Betriebsfestes auf dem Hof. Die Verkäuferinnen und Verkäufer können dann anhand des eigenen Erlebens den Kunden berichten, dass auf den Getreidefeldern Ackerwildkräuter blühen und Lerchen singen, dass im Moor die Kraniche trompeten und der Seeadler auf die Jagd geht. Gedruckte Materialien liefern Hintergrundinformationen dazu: Neben dem Hofflyer gibt es mobile Infotafeln und Rundbriefe zum aktuellen Hofgeschehen. Hof- und Moorführungen, keltische Feste, Abenteuercamps für Kinder, Vorträge und viele weitere Veranstaltungen runden die breite Palette der Aktivitäten ab.
Betriebsportrait
und Bildergalerie

Zweiter Preisträger ist das Gut Schmerwitz, ein Bioland-Betrieb im Südwesten Brandenburgs, zu dem heute über 1.500 Hektar Acker- und Grünlandflächen gehören. Nach der Wende übernahm eine soziale Einrichtung das ehemals volkseigene Gut und entwarf für die zu DDR-Zeiten ausgeräumten Flächen ein Biotopverbundkonzept, das sich am alten Landschaftsbild orientierte und auch Aspekte der Landschaftsästhetik integrierte. Es wurden Feldwege mit Säumen und Böschungen wiederhergestellt beziehungsweise neu geschaffen, 26 Kilometer Hecken angelegt, Obst und Laubbaumreihen gepflanzt, auch Streuobstwiesen und Feldholzinseln. Das Landschaftsbild von Gut Schmerwitz hebt sich heute deutlich von der umgebenden Landschaft ab und die Bemühungen um eine naturschonende Bewirtschaftung und strukturreiche Gestaltung der Landschaft werden auch von der Familie van Schoonhoven, die das Gut im Jahr 2000 übernommen hat, fortgesetzt. Mit großer Selbstverständlichkeit werden die Leistungen für Natur und Landschaft in die Öffentlichkeitsarbeit einbezogen und sind Inhalt des Hofflyers, extern veröffentlichter Hofportraits sowie der Homepage und werden auf Führungen, Vorträgen oder Hoffesten vorgestellt. Dies ist vor allem das Verdienst der heutigen Betriebsleiterin Rita Neumann, die das Hofgut Schmerwitz schon von Zeiten kannte, als die Flur noch nicht ausgeräumt war. Die Präsenz in der Region und die Vermarktung vieler Produkte erfordern eine intensive Öffentlichkeitsarbeit. Mit einfachen Mitteln, einem eigenen Logo und klarer Gestaltung sorgt Gut Schmerwitz dafür, dass der Betrieb und seine Produkte einfach wieder erkennbar sind und mit Engagement für die Region und die Natur verbunden werden.
Betriebsportrait und Bildergalerie