Biokaninchenhaltung

Schecken Kaninchen, © SÖL

Übersicht

Biokaninchenhalter gesucht!

Für das Projekt "Biokaninchenhaltung in Deutschland - aktuelle Situation und Stand des Wissens", finanziert über das Bundesprogramm Ökologischer Landbau, sucht die Stiftung Ökologie & Landbau Biokaninchen haltende Betriebe. Da kaum Daten aus der Praxis vorhanden sind, sind wir auf Ihre Unterstützung angewiesen.

Bitte nehmen Sie sich zehn Minuten Zeit, um den Fragebogen auszufüllen und an sthamer@soel.de oder Stiftung Ökologie & Landbau, Weinstr. Süd 51, 67098 Bad Dürkheim, zurück zu senden.
Den Fragebogen erhalten Sie auch gerne per Post mit einem frankierten Rückkuvert.

Sie leisten dadurch einen aktiven Beitrag zum Stand des Wissens der Biokaninchenhaltung in Deutschland.

Ziel

Ziel des Projekts ist es, die Situation der Kaninchenhaltung auf Biobetrieben in Deutschland zu untersuchen und eventuelle Probleme und Entwicklungspotenziale sowie vorhandenen Optimierungs- und Forschungsbedarf aufzuzeigen. Begleitend soll anhand der relevanten deutschsprachigen Literatur und unter Berücksichtigung aktueller Projekte der Wissensstand zur Biokaninchenhaltung ermittelt werden. Durch einen intensiven Austausch mit Experten und Praktikern im In- und Ausland sollen außerdem vorhandene Erfahrungen gebündelt, Praxisempfehlungen erarbeitet und Umsetzungshürden abgebaut werden. Ein wichtiges Ziel des Projekts ist es, Vorarbeiten für eine mögliche zweite Projektphase bzw. die Einrichtung von Modellbetrieben zu leisten.
Neben der Beleuchtung von Haltungsansprüchen und -problemen soll auf Aspekte der Tiergesundheit und Tiergerechtheit, der Fütterung, der Rassewahl und der Tierbetreuung, aber auch auf Schlachtung, Verarbeitung und Vermarktung, eingegangen werden.

Hintergrund

Grundsätzlich spricht Einiges für die Etablierung der Kaninchenhaltung als alternativen Betriebszweig für ökologisch wirtschaftende Betriebe. So stammt etwa das in deutschen Supermärkten angebotene Kaninchenfleisch fast ausschließlich aus konventionellen Großbetrieben. Die dort übliche Haltung in Käfigen auf Draht- oder Kunststoffrosten ist aus Tierschutzsicht inakzeptabel und kam in letzter Zeit in den Medien immer häufiger unter Beschuss. Sowohl Handel als auch Konsumenten suchen daher vermehrt nach tierfreundlichen Alternativen, wie etwa Kaninchenfleisch aus Bioproduktion.
Gleichzeitig sprechen einige physiologische Eigenheiten des Kaninchens für dessen Haltung unter ökologischen Bedingungen. Im Gegensatz zu Masthühnern und -puten sind Kaninchen in der Lage, größere Mengen an Grundfutter zu verwerten. Sie stehen somit in geringerem Maße in direkter Nahrungskonkurrenz zum Menschen und können einen größeren Beitrag zur Kreislauf- und Düngewirtschaft ökologischer Betriebe leisten. Im Vergleich zu Mastgeflügel sind auch die Ansprüche der Kaninchen an die Eiweiß- und Aminosäureversorgung geringer. Hohe Fortpflanzungsraten und eine hohe genetische Vielfalt erlauben eine betriebsangepasste Zucht sowie eine rasche und flexible Anpassung der Tierzahl an die Nachfrage.
Die Qualität von Kaninchenfleisch ähnelt dabei bezüglich Fettgehalt, Farbe, Geschmack und Textur jener von Puten- und Hühnerfleisch, zeichnet sich zudem aber durch einen niedrigen Puringehalt und hohe Mineralstoff- und Vitamingehalte aus. Kaninchenfleisch ist leicht verdaulich und eignet sich gut als Diätkost für Kleinkinder, ältere und rekonvaleszente Menschen.
Trotz dieser Vorzüge ist Biokaninchenfleisch derzeit am Markt nicht in nennenswertem Umfang erhältlich. Wie eine Erhebung zur Biokaninchenhaltung in Österreich nahe legt (Mergili, 2004), liegt dies wahrscheinlich im Fehlen richtlinienkonformer und praxiserprobter Haltungssysteme für größere Tierbestände sowie einer geeigneten Schlachtungs- und Vermarktungslogistik begründet. Zur tatsächlichen Situation und Struktur der Biokaninchenhaltung in Deutschland sind jedoch kaum Informationen vorhanden.
Dem stehen die Praxiserfahrungen zahlreicher Kaninchenhalter und die Ergebnisse einzelner wissenschaftlicher Untersuchungen, vor allem in Österreich und der Schweiz, gegenüber. Dieses Wissen wurde bisher kaum gebündelt. Für weitere gezielte Forschungs-, Entwicklungs- und Beratungsaktivitäten fehlt daher in Deutschland weitgehend die Basis.

Erhebungsinhalte

Konkret sollen durch eine Fragebogenerhebung folgende Punkte beantwortet werden:

  • Welche Größenordnung, Struktur und wirtschaftliche Relevanz hat die Biokaninchenhaltung derzeit in Deutschland?

  • Welche Haltungssysteme kommen zum Einsatz und wie erfolgen Tiergesundheitsmanagement/Tiermanagement und Fütterung?

  • Welche Zucht- und Mastleistungen werden erzielt?

  • Welche Rassen werden eingesetzt?

  • Welche Probleme treten auf?

  • Wie erfolgen Schlachtung und Vermarktung?

  • Besteht auf Betriebsebene Interesse an einer Ausweitung der Biokaninchenhaltung?

  • Besteht Bedarf an Fachinformationen und Beratung?

  • Wo sehen Praktiker den größten Handlungsbedarf?

Die Ermittlung des derzeitigen Wissensstandes soll einerseits Referenzwerte zur Bewertung und Einordnung der in der Praxis erhobenen Daten liefern, andererseits bildet sie die Basis für eine nachfolgende Optimierung von Betrieben bzw. für die Einrichtung von Modellbetrieben. Um möglichst viel praxisrelevante Information zu bündeln, wird die Literaturrecherche durch eine Dokumentation und Analyse der laufenden und kürzlich abgeschlossenen Projekte sowie durch "informelle" Expertengespräche ergänzt.

Die wichtigsten Fragestellungen dieses Projektabschnittes sind:

  • Welches "formelle" und "informelle" Wissen liegt im deutschsprachigen Raum zur Biokaninchenhaltung vor?

  • Welche Möglichkeiten und Hindernisse sehen Experten und (potenzielle) Akteure für die Weiterentwicklung der Biokaninchenhaltung?

  • Wie kann eine tiergerechte Kaninchenhaltung aussehen?

  • Welche Konflikte gibt es zwischen Tiergerechtheit, Tiergesundheit und Wirtschaftlichkeit?

  • Wo sehen Experten und (potenzielle) Akteure den größten Handlungsbedarf?

  • Wie ist der Stand der derzeitigen Biokaninchenhaltung in Deutschland vor dem Hintergrund des aktuellen Wissensstandes zu bewerten?

Ansprechpartner:
Dirk Sthamer
Tel. 06322/98970-229
sthamer@soel.de