Öko-Landbau in Deutschland

Heuladewagen, © BLE / T.Stephan

Inhalt

   

Entwicklung

Was ist ökologischer Landbau?

Der ökologische Landbau ist eine ganzheitliche, moderne Form der Landbewirtschaftung. Das Interesse an ihm nimmt stetig zu. Zum einen wirkt er sich positiv auf Boden, Wasser und Klima aus, zum anderen stellt er ein wichtiges alternatives Konzept für die Agrarpolitik dar. Das gilt beispielsweise besonders hinsichtlich gentechnisch veränderter Organismen, die bzw. deren Erzeugnisse in der konventionellen Nahrungsmittelproduktion zunehmend Eingang finden, im Ökolandbau aber nicht eingesetzt werden. Im ökologischen Landhau wird diese Technik konsequent abgelehnt, weil sie mit nicht einschätzbaren Risiken für Pflanzen, Tiere, Menschen und Umwelt verbunden ist. Sie passt nicht zur ganzheitlichen Sichtweise des ökologischen Landbaus. Eine Agrarwirtschaft, in der versucht wird, sich immer weiter von der Natur unabhängig zu machen, kann unser Leben und Überleben auf Dauer nicht sichern. Die ökologische Agrarkultur ist hingegen um eine nachhaltige, möglichst umweltgerechte Erzeugung von gesunden Lebensmitteln im weitest möglichen Einklang mit der Natur bemüht und ist damit zukunftsorientiert.


 

Lebensreform und "Natürlicher Landbau"

Der Beginn der Entwicklung des ökologischen Landbaus kann bereits auf die Lebensreform-Bewegung zum Ende des 19. Jahrhunderts zurückgeführt werden. Diese wandte sich gegen Urbanisierung und Industrialisierung in der "modernen" Welt. Ziel war die Rückkehr zu einer "naturgemäßen Lebensweise", die u. a. folgende Aspekte umfasste: Vegetarismus und Ernährungsreform; Naturheilkunde und Körperkultur; Siedlung, Schrebergärten und Gartenstädte; sowie Tier-, Natur- und Heimatschutz. Ein Teil der Lebensreform-Bewegung - die Landreform - verwirklichte die "naturgemäße Lebensweise" durch Siedlung in der ländlichen Natur und Aufbau einer gärtnerischen Existenz mit Schwerpunkt Obst- und Gartenbau. Neben Selbstversorgung mit vegetarischen Nahrungsmitteln und körperlicher Arbeit an "Luft und Licht" stand die Erzeugung hochwertiger Nahrungsmittel im Vordergrund. Bedenken hinsichtlich minderwertiger Nahrungsmittelqualität und möglichen Gesundheitsgefährdungen begründeten den Verzicht auf den Einsatz stickstoffhaltiger Mineraldünger sowie schwermetallhaltiger Pflanzenschutzmittel. Aus dem Gedankengut der Lebensreform-Bewegung entwickelte sich in den 20er und 30er Jahren das Landbausystem "Natürlicher Landbau". Die 1925 von Walter Rudolph gegründete Zeitschrift "Bebauet die Erde" unterstützte dieses ökologische Landbausystem. Sie diente dem Informationsaustausch und der Beratung und bot ein Forum für Landwirte, die sich mit Fragen der Forschung beschäftigten. Zur Weiterentwicklung des Natürlichen Landbaus trug insbesondere auch Ewald Könemann (1899 - 1976) bei, der die Konzepte des Natürlichen Landbaus in seinem dreiteiligen Werk "Biologische Bodenkultur und Düngewirtschaft" zusammengefasst hatte. (Vogt, 2000)

 

Die biologisch-dynamische Landwirtschaft (Demeter)

Neben dem Natürlichen Landbau entstand in den 20er Jahren ein zweites ökologisches Anbausystem: Die biologisch-dynamische Agrarkultur wurde 1924 von Rudolf Steiner (1861 bis 1925) begründet. Er hielt auf dem Gut Koberwitz bei Breslau acht Vorträge zum Thema "Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft" (Steiner, 1984). Diese Grundlagen gehen aus einer erweiterten Natur- und Menschenerkenntnis (der von Steiner begründeten Anthroposophie) hervor und führen über die Grenzen des heute allgemein bekannten Weltbildes hinaus. Seine Forschungsergebnisse beruhen auf geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen, nicht allein auf denen der Naturwissenschaft. Der landwirtschaftliche Betrieb wird als eine lebendige Individualität, als eine Art Organismus angesehen, der auch nichtmateriellen Einwirkungen unterliegt, die es zu beachten gilt. Solche Einflüsse, verstanden als dynamische Wirkungen oder Kräfte, gehen z. B. von den biologisch-dynamischen Präparaten aus oder werden durch sie verstärkt. Diese Präparate sind spezielle Zubereitungen, beispielsweise aus Heilkräutern und Quarz, die in kleinsten Mengen im Dünger, auf dem Boden oder im wachsenden Pflanzenbestand eingesetzt werden. Sie fördern das Bodenleben und unterstützen die innere Qualität der Pflanzen (Koepf et al., 1996; Koepf, 1997; Schaumann, 1996; Schaumann et al., 2002; Z. Ökologie & Landbau Nr. 3/1999).

 

Der organisch-biologische Landbau (Bioland)

Der organisch-biologische Landbau wurde in der Schweiz von Hans Müller (1891 - 1988) und seiner Frau Maria (1894 - 1969) entwickelt. Bereits in den zwanziger Jahren setzten sie sich für den Fortbestand einer bäuerlichen Landwirtschaft ein. Hans Müller beschäftigte sich seit den dreißiger Jahren mit der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise und entwickelte in den fünfziger Jahren den organisch-biologischen Landbau. Seiner Frau war besonders die Entwicklung des biologischen Hausgartens ein Anliegen. Die theoretische Grundlage lieferte der deutsche Arzt und Mikrobiologe Hans Peter Rusch (1906 - 1977), der 1951 zu Hans Müller stieß. In seinem Buch "Bodenfruchtbarkeit" (Rusch, 1968) setzt er sich mit der Bodenmikrobiologie und ihrer entscheidenden Rolle für die Bodenfruchtbarkeit auseinander (Neuerburg und Padel, 1992).

 

Erste Ausdehnungsphase als Reaktion auf ökologische Probleme (1968 bis 1988)

Seit Ende der sechziger Jahre traten vermehrt die negativen Folgen der industrialisierten Landwirtschaft, neben den allgemeinen Umweltproblemen, zu Tage. 1971 wurde der Erzeugerverband Bioland gegründet. Die im Jahr 1962 gegründete Stiftung Ökologie & Landbau (SÖL) engagiert sich seit 1975 für den ökologischen Landbau. Sie verlegt eine Vielzahl von Publikationen über den ökologischen Landbau. Außerdem unterstützte sie von Anfang an die Entwicklung der IFOAM (International Federation of Organic Agriculture Movements / Internationale Vereinigung ökologischer Landbaubewegungen, Gründung 1972).

 

Zweite Ausdehnungsphase (1988 bis 2000)

Auf Initiative der Stiftung Ökologie & Landbau (SÖL) wurde 1988 die ArbeitsGemeinschaft Ökologischer Landbau (AGÖL) als Dachverband der Verbände in Deutschland gegründet, nachdem 1984 erste gemeinsame Rahmenrichtlinien zum Ökolandbau in Deutschland verabschiedet worden waren. In den folgenden Jahren verbreitete sich der ökologische Landbau schnell. Hierzu trug die staatliche Förderung seit 1989 im Rahmen des EG-Extensivierungsprogramms, seit 1994 durch die EG-Verordnung 2078/92 und seit 2000 durch die EG-Verordnung 1257/1999 maßgeblich bei.

In den neuen Bundesländern hat sich die ökologisch bewirtschaftete Fläche nach der Wiedervereinigung 1990 rasch ausgeweitet. Dort war es besonders schwierig, die Vermarktung aufzubauen, da man in der ehemaligen DDR Bioprodukte gar nicht kannte.

Gemeinsam mit der "Centralen Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft mbH" (CMA) schuf die AGÖL 1999 das Ökoprüfzeichen als verbandsübergreifendes Warenzeichen für Produkte, die zusätzlich zum gesetzlichen Standard, also der EU-Öko-Verordnung, die Rahmenrichtlinien der Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau (AGÖL) erfüllten. Die Bemühungen der AGÖL bei der Einführung des staatlichen Biosiegels, die Anforderungen (Erfüllung der Verbandsrichtlinien) des in seiner Verbreitung eingeschränkten Ökoprüfzeichens für das staatliche Siegel zu übernehmen, waren nicht erfolgreich. Das Ökoprüfzeichen wurde nach Einführung des Bio-Siegels vom Markt genommen.

 

Dritte Ausdehnungsphase ab 2001

Nach dem Bioboomjahr 2001 zeigte sich die gesamtwirtschaftliche Lage in 2002 für die Weiterentwicklung des ökologischen Landbaus weniger freundlich. Dennoch konnte die ökologisch bewirtschaftete Fläche ein weiteres Wachstum von 9,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr aufweisen. Die Zahl der Bio-Betriebe stieg um 924, was einem Zuwachs von 6,3 Prozent entspricht. Anfang 2001 hatte die damalige Bundesverbraucherschutzministerin Renate Künast die Stärkung des ökologischen Landbaus als ausdrückliches Ziel der deutschen Agrarpolitik erklärt. Ihre Zielvorgabe lautete: 20 Prozent Ökolandbau bis zum Jahr 2010. Inzwischen wurde der Ökolandbau mit zahlreichen Maßnahmen wie z. B. dem einheitlichen Bio-Siegel und dem Bundesprogramm Ökolandbau unterstützt. Die Zielvorgabe von 20 Prozent wird jedoch nicht mehr zu erreichen sein.

Seit dem Jahr 2003 verzeichnet der Biolandbau in Deutschland ein stabiles, aber geringes Wachstum bei den Flächen und Betrieben (zwischen zwei bis fünf Prozent), dies spiegelt jedoch keinesfalls die viel stärker wachsende Nachfrage nach Bioprodukten in den letzten Jahren wider. Die Umstellungsbereitschaft in der landwirtschaftlichen Produktion hält nicht Schritt, was dazu führt dass die steigende Nachfrage nach Ökolebensmitteln zunehmend durch Rohstoffimporte aus osteuropäischen EU-Ländern und Drittländern gedeckt werden muss.

Weitere Informationen, Daten und Grafiken unter "Ökolandbau aktuell"